Betreuung des Onkels?

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    • Betreuung des Onkels?

      Hallo Leute,aus rechtlichen Gründen verfasse ich den kompletten Beitrag in der Form, als wäre er rein fiktiv :).
      mit kam letztens ein komplexer Fall in den Sinn:

      Zu den beteiligten Personen:
      Sohn von B: A (der Einfachheit halber: Alfons)
      Mutter von A: B (Berta)
      Vater von A: C (Christian)
      Onkel von B: D (Detlef)
      Bruder von D: E (Emil)
      Frau von E: F (Frida)
      Tochter von Onkel, also D: G (Gundula)
      Schwester von Onkel, also D: H (Hermine)
      Sohn von H: I (Ingo)
      Schwester von B: K (Karla)

      So, nun eine kleine Vorgeschichte, das alles ist natürlich rein fiktiv! Es ist ein Fall der in der Realität so nicht aufgetaucht ist. Die Schreibweise wurde nicht komplett im "angenommen" Stil gemacht, da dies die Übersichtlichkeit stark beeinträchtigen würde. (s.o.)

      Detlef ist bereits in höherem Alter, sagen wir so um die 70, er hat ein beträchtliche Menge anVermögen (Aktien, Bar, Immobilien).
      Leider stürzt Detlef eines Tages im Treppenhaus und sitzt von da an im Rollstuhl. Mit seiner Tochter Gundula hat Detlef schon länger keinen Kontakt mehr und er mag sie auch nicht wegen diverser Vorfälle.

      Nachdem die liebe Berta eigentlich schon immer ein gutes Verhältnis zu Detlef hatte, und Detlef auch in einer Wohnung von Berta wohnt, schlägt diese ihm vor, doch in ihre Heimatstadt in ein Altenheim zu ziehen.

      Detlef gefällt diese Idee und wohnt, angenommen, seit Weihnachten dort.


      Berta besucht ihn dort täglich, schiebt ihn zu Therapien und organisiert für ihn alles. Wer sowas kennt, weiß, da kommen in einer Woche schon sehr viele Stunden zusammen (angenommen: wöchentlich mindestens 50 Stunden, manchmal auch 70-80).
      Das alles macht Berta, weil Detlef ihr leid tut.

      Gundula, also Detlefs Tochter meldet sich nicht bei ihm, Freunde können ihn ebenfalls nicht besuchen da alle verstreut wohnen.

      Detlef hat seinem Neffen Ingo eine Vollmacht für sein Bankkonto und ein Depot ausgestellt.
      Außerdem hat er für Ingo eine "Erklärung" für eine Übertragung einer Wohnung unterschrieben.
      Der Inhalt dieser Schriftstücke ist unbekannt da er keine Kopie bekommen hat.

      Detlefs Bruder, also Emil, hat sich bereits Zugang zur Wohnung von seiner Tochter, also Berta, in der Detlef gewohnt hat, verschafft und dort einige Dokumente entnommen.

      Auf Bertas Wohnung sind derzeit noch knapp 40.000€ Schulden. Als Detlef in die Wohnung eingezogen ist, war abgemacht, dass Detlef die Schulden (bei Einzug etwa 200.000 €) ab bezahlt. Dafür hat Berta auch Wohngeld von Detlef bezahlt, also Heizung und so.

      Diese Erklärung gibt es auch schriftlich.

      Da Detlef nicht der ordentlichste ist sondern eher ein Messie ist die Wohnung stark vermüllt und heruntergekommen, diese müsste somit komplett saniert werden, geschätzte Kosten hierfür: 50.000,00 €.

      Ingo, der eine Vollmacht für die Konten besitzt, informiert Detlef nicht mehr über Vorgänge auf dem Konto, somit hat Detlef keinen Überblick über sein aktuelles Vermögen. Der letzte Stand war, dass Ingo die Konten anscheinend auf Detlefs Anweisung leergemacht hat.

      Detlef hat noch weitere Wohnung, insgesamt 3 Stück.
      Auch die Aktien wurden auf ein Depot von Ingo übertragen.

      Hermine, Detlefs Schwester, besucht ihn nur noch sehr selten und wenn sie da ist, möchte sie entweder Ausweiskopien oder Unterschriften von ihm. Außerdem redet sie Detlef ein, dass er doch endlich sterben soll!

      Berta hat ihm - in weiser Voraussicht - bereits die Ausweiskopien genommen. Berta und Christian denken, dass Ingo weitere Schulden auf die restlichen Wohnung von Detlef aufnehmen will, da ihn diesbezüglich mal eine Bank angerufen hat, er verstand aber nicht worum es da ging.

      Auch Emil möchte eigentlich nur die restlichen Wohnung von Detlef abgreifen und sein Geld auf das eigene Konto haben.

      Nachdem sich Berta sich wie gesagt sehr um Detlef kümmert und diese auch immer wieder Ausflüge unternehmen, wo Detlef in ein Auto einsteigen muss, hat dieses Auto mittlerweile Schäden bekommen, da Detlef keinerlei Erfahrung hat wie man richtig aus einem Rollstuhl in ein Auto einsteigt und er sich auch nicht richtig durch die Therapien helfen lässt.

      Mit der Zeit lässt sich Detlef immer mehr hängen, was auch durch die nicht gerade "aufmunternden" Worte durch Hermine kommt (s.o.).

      Wenn Berta zu Detlef sagt, er soll sich endlich sein Geld von Ingo zurückholen, entgegnet der immer nur, dass er das nicht will, weil ihn die so unter Druck setzen und er nur seine Ruhe haben will.

      Berta erhält von Ingo von Zeit zu Zeit einen größeren Geldbetrag um Rechnungen für Medizin sowie die Heimkosten decken zu können.

      Kosten die auf Berta nach dem Tod von Detlef kommen würden wären zusätzlich noch:
      -> Reparaturkosten für Auto (lt. Werkstatt ist es eigentlich, aber natürlich rein fiktiv, ein Totalschaden wegen Beulen, Kratzern und Dellen an den Türen)
      -> Renovierungskosten für die Wohnung in der Detlef wohnte
      -> Kompletter Abbau der Schulden für Bertas Wohnung
      -> Beerdigungskosten für Detlef

      Außerdem hat Berta aktuell die Angst, dass nach dem Tode von Detlef alle anderen Verwandten auf sie losgehen werden und die Geldbeträge die sie zur Pflege erhalten hat zurückfordern da dies in deren Augen sinnlose Ausgaben sind die nicht notwendig gewesen wären.
      Karla fordert voraussichtlich ein Aktienpaket ein das ihr Versprochen wurde.

      Nun stellte sich in meinem Kopf zu dem oben, rein theoretischen und fiktiven Fall die Frage, was Berta tun könnte, um Detlef dazu zu bewegen etwas zu tun, damit keine Personen Geld erhalten dass ihnen nicht zusteht?
      Welche rechtlichen Mittel könnten in Frage kommen?
      Kann Berta einen Weg einschlagen bei dem sie nicht die Zustimmung von Detlef benötigt?

      Detlef wurde übrigens wegen Alzheimer recht früh pensioniert.

      Berta wusste auch bereits, dass dies eine "schmutzige" Angelegenheit werden könnte und bewahrt alle Belege auf die sie bekommt für Sachen die für Detlef ausgegeben wurden. Außerdem schreibt sie genau auf, von wann bis wann sie bei Detlef war.

      Zu betonen sei, dass Berta kein gesteigertes Interesse an dem ganzen Geld hat, sondern eigentlich nur fair behandelt werden möchte, und das bekommen möchte was ihr zusteht, also die oben aufgelisteten Punkte.

      Nochmal sei erwähnt: dies ist ein fiktiver Fall! (<- aus rechtlichen Gründen)

      Danke
      Grüße
    • hallo Logitune,

      erst einmal ganz herzlichen Dank für diesen komplexen Fall. Ich hoffe, dass er nicht auf Tatsachen beruht, denn dann täten mir die Beteiligten echt leid. So ähnliches habe ich aber schon erlebt. Zudem hast du den 'Fall' grandios geschildert. Er könnte so in einer Klausur in der Ausbildung zum Betreuer gestellt werden. Ich habe dahin gehend eine Ausbildung gemacht. Würde der Fall wie ich es erlebt habe, zwei Gruppen gestellt, die sich in Teamarbeit beraten, halte ich jede Wette, dass die Gruppen zu unterschiedlichen Lösungsvorschlägen kommen. Und so möchte ich meine Antwort auch verstanden wissen. Es ist meine Sicht wie ich an den 'Fall' dran gehen würde.

      Zum einen würde ich mir ein sogenanntes Genogramm machen. Die Frauen bekommen einen Kreis, die Männer ein Quadrat. Dann würde ich als erstes die Verwandtschaftsverhältnisse grafisch darstellen, wer wie mit wem verwandt ist. Das ist entscheidend für Fragen des Unterhalts und möglichen Erbes und vorzeitigen Erbausgleichs und dgl. Sodann würde ich entweder mit anderer Farbe oder eine völlig neue Zeichnung machen, wie die emotional-sozialen Bezüge zwischen den Personen sind. Das ist entscheidend, da Pflegeleistungen oder auch andere Zuwendungen in die Fragen des Erbes hineinspielen. Wenn ich deine Aufstellung richtig verstehe ist B Vater von Alfons gleich C Christian, oder?

      Danach würde ich mir eine Liste machen mit der Frage, wer will was von wem warum? Die Antwort ist auf den ersten Blick naheliegend - Geld. Aber oft steckt noch eine ganze Menge mehr dahinter. Und bei der Frage warum kommen wir zur Frage aus welchem gesetzlichen Anspruch. So wie ich dich verstanden habe, wohnte Detlef in der Wohnung von Berta. Also haben wir hier auch ein Mietverhältnis und es kommen Vorschriften des Mietrechts zur Anwendung. Also der Mieterpflichten. Und dann hat Berta Aufwendungen geleistet bzw. Schäden. Deine Frage ist, wie bekommt sie Detlef dazu, ihr die Kosten, Mieten und Schäden zu erstatten? Und ist er noch in der Lage, seine finanziellen Angelegenheiten zu regeln. INfolge von Alzheimer wohl nicht. Als erstes käme mal seine Tochter in Betracht. Sollte sie es nicht wollen oder können, kann das Gericht angerufen werden, einen beruflichen Betreuer zu benennen. Wenn Detlef Alzheimer hat, ist sein Wunsch, nicht von seiner Tochter betreut zu werden, eher unbedeutend.

      Und ohne anwaltliche Hilfe sehe ich für Berta nicht viele Chancen, zumindest an einen Teil der Gelder heran zu kommen. Sie ist nicht verwandt. Und rechtsgültige Erklärungen von D, die ihr Ansprüche sichern gegenüber der Tochter oder den Geschwistern von D, hat sie nicht. Also ich an Bertas Stelle würde die Angelegenheit fix einem Anwalt vorlegen, der sich im Familienrecht tummelt. Und sei es auch nur ein ausführliches Beratungsgespräch ohne weiteres Mandat, und lass es mal zwei hundert Euro kosten, ist gut investiert. In diesem Sinn viel Erfolg. Heinz