Werbung per Handy - Bluetooth

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    • Werbung per Handy - Bluetooth

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      Bluetooth-Funktion wird für Handy-Werbung missbraucht
      Von Olaf Baale
      Die Werbetreibenden nutzen jeden möglichen Weg, auf ihre Botschaften aufmerksam zu machen - auch wenn das Mobiltelefon klingelt, kann Reklame dahinter stecken. Das macht die Funktechnik Bluetooth möglich. So werden Passanten über Handy auf das Geschäft aufmerksam gemacht, das sie gerade eigentlich unbeachtet passieren wollten.


      Joachim Geburtig, Berater bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, hat die Bluetooth-Funktion auf seinem Handy ständig aktiviert. Nützlich ist so was, um die Daten auf dem Handy mit denen auf dem Computer abzugleichen. Auf Tagungen werden die etwa 100 Meter weit reichenden Funkverbindungen verwendet, um den Tagungsteilnehmern Informationen zukommen zu lassen. Und im Fernzug wird Bluetooth gern genutzt, um mit anderen Reisenden Informationen auszutauschen und sich die Zeit zu vertreiben. Man kann auf diese Weise sogar Bekanntschaften schließen. Weniger gefallen hat Joachim Geburtig, als er in Rostock durch die Einkaufszone ging, das Telefon klingelte, ihn aber niemand angerufen hatte.

      "Ich dachte, na, wer ruft mich denn jetzt an und schaue hin und sehe, das ist gar kein Anruf. Da ich ein offener Mensch bin, habe ich gesagt: Gut, das nehme ich an, und da habe ich erkannt: Stopp, das ist eine Werbebotschaft! Ich dachte, das wäre eine einmalige Geschichte, aber da ich die Gegend häufiger aufsuche, habe ich festgestellt, dass das eine Regelmäßigkeit ist. Ständig, wenn ich dort in der Nähe bin, bekomme ich Nachrichten zugesandt. Und das kann's doch nicht sein!"

      Was 2007 zaghaft begann, die Verbreitung von Werbebotschaften über Bluetooth, greift immer mehr um sich. Beispielsweise wirbt eine Firma Kunden, die ihre Werbebotschaften an Mallorca-Urlauber bringen wollen. Wer in diesem Jahr zwischen April und September mit eingeschaltetem Handy und offener Bluetooth-Einstellung an der Playa de Palma entlanggeht, bekommt Werbebotschaften auf sein Handy gespielt.

      "Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Meist wird irgendwo ein Hotspot eingerichtet, eine technische Einrichtung, die erkennt, wenn ein Verbraucher mit einer offenen Bluetooth-Einstellung in der Nähe ist und an den wird automatisch eine Nachricht versandt. Damit rasselt dann sein Telefon und er kann entscheiden: Nehme ich das an oder nehme ich das nicht an."

      Werbung über Bluetooth ist vergleichsweise preiswert. Die Firma mit den Hotspots auf Mallorca verlangt für das Versenden einer Werbebotschaft 99 Euro pro Woche. Die Werbeindustrie ist elektrisiert, denn hier passiert genau das, was künftig der Regelfall sein soll: zielgruppenorientierte Werbung. Und hier startet gerade eine Zielgruppe ins Berufsleben, die mit Handys und Bluetooth bestens vertraut ist.

      "Wenn Sie die Statistiken im Internet verfolgen, die Entwicklung von Hotspots und die Möglichkeiten von Bluetooth, das ist steigend, rasant steigend. Man geht davon aus, dass mindestens 82 Prozent Bluetooth-fähige Handys da sind und das von den Usern in der Regel auch akzeptiert wird."

      Die rechtliche Lage ist unklar, Gerichtsurteile gibt es bislang keine. Verbraucherschützer vertreten die Auffassung, dass es sich bei Werbebotschaften, die über Bluetooth aufs Handy übertragen werden, ebenso verhält wie mit ungebetenen Telefonanrufen: Sie stellen eine Belästigung dar und sind darum rechtswidrig.

      "Verbraucher, die sich belästigt fühlen, sollten tatsächlich den Verursacher auffordern, diese Belästigung zu unterlassen. Ich meine, man hat hier einen Unterlassungsanspruch, und ich habe keinen Zweifel, den gegebenenfalls gerichtlich durchsetzen zu können."

      Wehret den Anfängen, meint Verbraucherschützer Joachim Geburtig und weiß, dass er dennoch ein bisschen auf verlorenem Posten steht. Denn auch ungebetene oder kalte Anrufe sind, obwohl von Gesetzes wegen untersagt, bis heute gängige Praxis.