Coaching für Jugendliche

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    • Coaching für Jugendliche

      WDR 5 Leonardo 29.04.10

      Coaching für Jugendliche
      Hunderttausende landen im „Maßnahmedschungel“
      Raus aus der Schule, aber nicht rein ins Arbeitsleben - dieses Schicksal
      teilen hunderttausende Jugendliche bundesweit. Diese jungen Leute werden
      in einen Dschungel von Maßnahmen geschickt. Nur eine Minderheit wechselt
      von der Hauptschule in einen Ausbildungsbetrieb. Immerhin 38 Prozent
      landen laut Nationalem Bildungsbericht im sogenannten „Übergangssystem“.
      Gemeint sind damit Berufsvorbereitungsjahr, Berufsgrundbildungsjahr,
      Berufsfachschulen ohne Berufsabschluss oder Berufsvorbereitende
      Maßnahmen der Arbeitsagenturen. Hinter den Wortungetümen verbergen sich
      häufig nur Warteschleifen. Das Schicksal der Jugendlichen gleiche "einer
      Odyssee durch verschiedene Maßnahmen", heißt es im Bildungsbericht.
      Kritiker halten die Bezeichnung "Übergangssystem" darum für einen
      doppelten Etikettenschwindel. Die Förderungen führen häufig nicht zum
      Übergang in den Beruf - und von einem durchdachten System all dieser
      Maßnahmen könne erst recht keine Rede sein.

      Vier Milliarden Euro verschwinden im Übergangssystem

      Experten der Bertelsmann-Stiftung schätzen, dass jährlich vier
      Milliarden Euro von den Arbeitsagenturen, den Ländern und Kommunen für
      diese Maßnahmen des Übergangssystems ausgegeben werden. Durchschnittlich
      bleiben die Jugendlichen fast zwei Jahre in diesen Übergangsmaßnahmen,
      d.h., dass beinahe jeder mindestens zwei dieser Kurse durchläuft. Doch
      auch nach zwei Jahren bleibt ein Drittel dieser Jugendlichen ohne eine
      weitere Perspektive, sei es eine Lehrstelle oder eine schulische Ausbildung.
      Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat nun bei der Vorstellung des
      Berufsbildungsberichts 2010 angekündigt, Hauptschülern kompetente
      Begleiter auf dem Weg in den Beruf zur Seite zu stellen – vorerst denkt
      sie an 3200 Experten, die diese Jugendlichen in die Berufswelt lotsen
      sollen.

      Ausbildungsunreif oder vom Markt benachteiligt?

      In diesen Übergangsmaßnahmen werden ganz unterschiedliche junge Menschen
      aufgefangen. Das sind einerseits jene aus der „Risikogruppe“ von etwa 20
      Prozent der Schulabgänger, die keine ausreichenden Qualifikationen für
      eine Berufsausbildung mitbringen, die also nicht auf gehobenem Niveau
      lesen und Sachverhalte verstehen können.
      Es sind aber auch solche - selbst Abiturienten - die aus
      arbeitsmarktpolitischen Gründen keine Ausbildungsstelle finden, etwa,
      weil in ihrer Region ein bestimmter Beruf nicht vertreten ist, oder weil
      dieser überlaufen ist, oder weil eben immer weniger Betriebe ausbilden.
      Für diese beiden Gruppen muss es unterschiedliche Angebote geben, meinen
      Berufsbildungsexperten, wie etwa der Berufspädagoge Dieter Euler aus
      Sankt Gallen, der in einem Projekt der Bertelsmann-Stiftung zur Reform
      der Berufsausbildung mitarbeitet. Die „nicht Ausbildungsreifen“ brauchen
      individuelle sozialpädagogische Betreuung, kombiniert mit einer
      Berufsausbildung. Für sie müsste die Möglichkeit geschaffen werden, eine
      Ausbildung über die heute üblichen drei Jahre hinaus zu verlängern.

      Notfalls außerbetriebliche Ausbildungsplätze schaffen!

      Für diejenigen, die zwar die nötigen Fähigkeiten mitbringen, aber
      dennoch keinen Ausbildungsplatz bekommen können, müssen Möglichkeiten
      geschaffen werden, eine Berufsausbildung auch außerhalb eines Betriebes
      aufzunehmen. Berufsschulen und Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen
      könnten zusammen mit überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten und mit
      Betrieben ausbilden, wenn die zuständige Handwerkskammer das anerkennt
      und am Ende die entsprechenden Prüfungen abnimmt.

      Übergangsmanagement aus einer Hand

      Zuständig für die Jugendlichen nach der Schule sind einmal die
      Arbeitsagenturen, die nicht ausbildungsreife Jugendliche in
      Berufsvorbereitungsjahren qualifizieren, und es sind die Kommunen, deren
      Jugend- und Sozialämter für die Jugendlichen zuständig sind, die Hartz
      IV-Bezieher sind. Allein schon aus den unterschiedlichen Finanzierungen
      und Zuständigkeiten ergibt sich ein für die Betroffenen nicht
      durchschaubares Wirrwarr. Einige Gemeinden haben deshalb mit den
      Arbeitsagenturen vor Ort und mit dem für die Finanzierung ebenfalls
      zuständigen Landesarbeitsministerium eine gemeinsame örtliche
      Koordinierungsstelle für die Jugendlichen eingerichtet, in der all diese
      Fäden zusammen laufen. Das Jugendhaus Bielefeld ist dafür ein Beispiel.
      Grundsätzlich kann das Problem der Warteschleifen aber nur gelöst
      werden, wenn es neben dem klassischen Weg der Berufsausbildung im
      Betrieb künftig möglich wird, auch in Berufsschulen und
      überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten vollwertige Berufsausbildungen
      zu absolvieren und nicht nur Kurse, die lediglich vorbereitenden
      Charakter haben. Dazu wäre aber die entsprechende Bereitschaft aller
      Sozialpartner und der zuständigen Handwerkskammern erforderlich.

      Mehr Informationen

      Jugendhaus Bielefeld
      bielefelder-jugendhaus.de/home/


      Das Projekt „Übergänge mit System“ der Bertelsmann-Stiftung

      bertelsmann-stiftung.de/cps/rd…/bst/hs.xsl/prj_99090.htm


      Berufsbildungsbericht

      bmbf.de/de/berufsbildungsbericht.php


      Ein Aufsatz aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung - Ursula Beicht:

      Verbesserung der Ausbildungschancen oder sinnlose Warteschleife:
      bibb.de/dokumente/pdf/a12_bibbreport_2009_11.pdf