Eichinger

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    • eigentlich könnte der Beitrag auch unter 'Menschen' stehen. Bernd Eichinger ist derzeit einer der ganz großen Produzenten des deutschen Films.
      Und was hat das hier im Forum zu suchen? Betreuungen wirken an, für und mit den Menschen; Betreuung wirf Fragen auf nach Biographien, Lebensläufen mit Brüchen, Relationen, Blickwinkel, Schuld und Versagen, Selbstwert und Identität. Vieles findet sich auch in der Kunst, in Gedichten und Romanen und - im Film. Die Betreuten zu verstehen, adäquat auf die Situationen zu reagieren, authensich bei sich bleiben und doch kongruent auch bei den Betreuten, dazu kann manche Perspektive aus der Kunst und dem Film helfen und hierzu ein Interview mit dem Kunstschaffenden.

      http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1169598/

      Filmproduzent Bernd Eichinger über seine Auszeichnung durch die Deutsche Filmakademie
      Bernd Eichinger im Gespräch mit Frank Meyer
      Der Filmproduzent und Drehbuchautor Bernd Eichinger hat seine Auszeichnung durch die Deutsche Filmakademie als Ehre bezeichnet. Es sei kein Ersatzpreis für Qualen, die man ertragen hat, so Eichinger.

      Frank Meyer: "Der Untergang", "Das Parfum" und "Der Baader-Meinhof-Komplex" - das sind einige der jüngsten Filme des Produzenten Bernd Eichinger. Seine Filme haben insgesamt an die 80 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt, die "Zeit" hat ihn mal den Königsmacher im deutschen Kino genannt. Heute bekommt der Produzent den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie, angeblich für sein Lebenswerk, in Wahrheit aber kriegt er diesen Preis, weil er es aushält, seit Jahrzehnten den Buhmann abzugeben. Das hat die Regisseurin Doris Dörrie in der "Süddeutschen Zeitung" geschrieben mit der Begründung, Eichinger sei der Buhmann für einen großen Teil der deutschen Filmszene, weil viele sagen: Das ist der Mainstream-Produzent, der macht nur Kommerz und Unterhaltung. Ich habe mit Bernd Eichinger gesprochen und ihn deshalb zuerst gefragt: Liegt Doris Dörrie denn richtig, sind Sie der Buhmann für Ihre Kollegen und Kritiker?

      Bernd Eichinger: Na ja, also - erst mal muss man ja Folgendes sagen: Ich nehme den Preis so, wie er gedacht ist, als Ehrenpreis. Es ist ja spekuliert worden, ob das jetzt der Trostpreis ist oder ob es der Preis fürs Lebenswerk sei. Ich nehme den genauso, wie er ist, als Ehrenpreis gedacht, und so nehme ich ihn. Und insofern ist es auch kein Ersatzpreis für Qualen, die man ertragen hat oder irgendwas dergleichen, sondern es ist eine Ehre.

      Meyer: Ja, worauf Doris Dörrie ja in diesem sehr interessanten Artikel hinaus will, der ja voller Sympathie für Sie geschrieben ist, dass es eben so ein Lager gibt im deutschen Film, wo offenbar Sie so die Symbolfigur sind für alles Böse, für den Mainstream, für den Kommerz, für das, was die anderen eben nicht sein wollen. Schlägt Ihnen das manchmal entgegen, bei Kritikern, bei Filmkollegen?

      Eichinger: Man kann die Texte lesen, man kann sie, sagen wir mal, sich aneignen oder man kann sagen: Viel Feind ist irgendwo auch viel Ehre. Also, man muss es nicht erwarten, dass jeder in Harmonie und Sympathie zu mir in die Knie bricht, das ist auch zu anstrengend, denn, sagen wir mal so: Der Erfolg, den ich sozusagen über eine doch lange Strecke in Abständen immer wieder habe, ist natürlich auch ein Stachel im Fleisch von vielen Leuten, die, sage ich mal, den Erfolg sonst als etwas ansehen könnten, der einem deutschen Film einfach nicht beschieden ist. Aber da bin ich ja Gott sei Dank jetzt nicht mehr alleine, in den 80er-Jahren hat das ja angefangen, in den 90ern und auch jetzt, dass andere Filme auch und andere Leute auch erfolgreich sind im Kino. Ich glaube, da ist etwas übriggeblieben, das hat so was ein bisschen zu tun, dass man sagt: Ein Film, der sehr viele Zuschauer hat, der kann eigentlich nur ein Kompromiss sein.

      Meyer: Und Sie denken, das ist falsch?

      Eichinger: Na, ich denke ganz einfach: Es gibt gute und es gibt schlechte Filme. Das ist das, was ich denke. Ich denke, es gibt schlechte Filme unter Umständen, die viele Zuschauer haben, und es gibt umgekehrt sehr gute Filme, die sehr viele Zuschauer haben, und es gibt sehr gute Filme, die wenig Zuschauer haben und sehr gute Filme, die viele Zuschauer haben. Also, das hat letztlich mit den Zuschauerzahlen ja gar nichts zu tun, sonst müsste man ja automatisch sagen: Der beste Film ist der, der gar keine Zuschauer hat. Und man müsste dann sagen: Der, der am meisten Zuschauer hat, ist der beste Film. Das geht ja nicht, ich meine, das ist ja im Extrem dann auch sehr schnell klar, dass man so nicht denken kann.

      Meyer: Jetzt werden Sie ausgezeichnet heute Abend, Herr Eichinger, mit diesem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie, die ja zu großen Teilen auch ihr Baby ist. In einer Zeitung stand es: Sie hätten diese Filmakademie durchgepaukt, sie hätten die unbedingt gewollt. Warum eigentlich? Welchen Sinn hat diese Institution für Sie?

      Eichinger: Na ja, gut, also - für mich persönlich, davon mag ich jetzt nicht reden. Ich bin viel in der Welt rumgekommen und speziell auch in Amerika, habe dort auch viele Jahre gelebt und bin auch jetzt immer noch viele Monate des Jahres eben in Hollywood. Ich sehe, wie Filmakademien Leute zusammenbringen können, also, wie intensiv innerhalb einer, sagen wir mal, Filmakademie die funktioniert, auch die Werke der Leute betrachtet werden, die innerhalb dieser Akademie sind, also wie die Filmemacher zueinander umgehen. Also, es ist viel mehr eigentlich eine Familie, die ganz genau beobachtet auch was andere machen, und sind nicht jeder so, sage ich mal vorsichtig … Dann komme ich wieder nach Deutschland zurück und sehe eigentlich - da kann man fast jeden fragen: Jeder hat vor sich hingearbeitet, jeder so gut er konnte, man hatte nicht wirklich viel Kontakt zueinander, außer in Cliquen, wenn man so will. Und die Idee der Filmakademie war, diese Leute zusammenzubringen, auch mehr Leute, sage ich mal, dazu zu animieren, in die Filme ihrer Kollegen zu gehen, also, nicht nur, sage ich mal, immer, sage ich mal, in der selben Soße zu schwimmen, sondern sich mal rauszubewegen, mit den Kollegen zu reden, sich auszutauschen, weil: Am Ende sind wir alle Filmemacher und die sollten was miteinander zu tun haben.

      Meyer: Und haben Sie schon beobachtet, dass das funktioniert, dass da Leute zusammengekommen sind?

      Eichinger: Ja, natürlich funktioniert das. Erst mal kommen sie zusammen mit bestimmter Regelmäßigkeit bei den Versammlungen der Akademie. Dann macht die Akademie sehr, sehr viele Veranstaltungen, wo sich die Mitglieder treffen können, dann machen sie Screenings, dann machen sie Sondervorführungen. Und verständlich auch durch das Ereignis, das wir jetzt haben, dass sie mitstimmen können, müssen sie selbstverständlich sich auch orientieren, welche Filme laufen. Zu dem Zweck erleichtert man das auch durch Vorführungen, zusätzliche Vorführungen, dass die Akademiemitglieder da reingehen können, aber eben auch durch Versenden von DVDs, sodass man sozusagen sehr viel mehr Filme guckt und sehr viel mehr informiert ist, was die anderen Kollegen machen.

      Meyer: Deutschlandradio Kultur, wir sind im Gespräch mit dem Produzenten Bernd Eichinger, der heute den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie bekommt. Um mal auf Ihre Anfänge zu schauen, Bernd Eichinger - Sie haben als Produzent ja angefangen mit dem neuen deutschen Film, in den 70er-Jahren haben Sie Filme von Wim Wenders produziert, von Alexander Kluge, von Hans-Jürgen Syberberg. Wie kam es dann zu Ihrem Abschied von dieser Art Autorenfilm damals?

      Eichinger: Also, sagen wir mal so: Ich habe diese Filme - das habe ich auch überall, wo ich gefragt wurde, hingeschrieben - nicht wirklich produziert. Die Leute kamen mit festen Konzepten, also meistens mit Drehbüchern schon, die kamen auch mit Teilen der Finanzierung, und was ich da gemacht habe ist, dass ich geholfen habe, diese Finanzierung zu vervollständigen und dass ich geholfen habe, den Film für das meist sehr wenige Geld überhaupt herzustellen. Also, inhaltlich, muss man sagen, habe ich mit den Filmen wenig bis nichts zu tun gehabt - nicht, dass ich mich davon distanzieren will, also, nicht falsch verstehen, sondern man muss einfach das auch richtigstellen insofern, als ich, wenn ich sage, von Produktion rede, heißt das für diese frühe Phase, dass sie zwar in meiner Produktionsfirma hergestellt wurden, ich mich deswegen aber noch lange nicht als Produzent empfinde dieser Filme, weil ich inhaltlich, wie gesagt, dazu wenig bis gar nichts beigetragen habe.

      Meyer: Was muss denn zusammenkommen, damit Sie sich als Produzent empfinden?

      Eichinger: Also. Den ersten Film, den ich produziert habe, war 1980, und da steht auch mein Name als Produzent - ich glaube sogar erstmalig - drauf, das war "Kinder vom Bahnhof Zoo". Und was da dazugehört, ist selbstverständlich, dass man in aller Regel als Produzent diesen Stoff selbst findet, dass man diesen Stoff entwickelt, mit Autoren, manchmal auch mit einem Regisseur, man sucht sich den Regisseur aus und dann mit dem Regisseur zusammen die Besetzung. Also, das ist so mal, bis es zum Drehen kommt, die wichtigste Voraussetzung, und daran hat der Produzent entscheidenden Anteil und ansonsten hat er diesen Film nicht produziert. Dann wird der Film gedreht, in der Drehphase sollte der Regisseur seinen Job machen, das ist also nicht sozusagen die Aufgabe des Produzenten, beim Drehen selbst den Regisseur ständig unter irgendwelchem Stress oder Kontrolle zu halten.

      Meyer: Und schaffen Sie das, sich da nicht einzumischen am Set?

      Eichinger: Das ist nicht nur, ich schaffe das nicht - ich bin froh, wenn Leute ihren Job machen, glauben Sie mir, ich habe es überhaupt nicht nötig und ich mag das viel lieber, wenn Leute hergehen und den Job machen und ich muss gar nichts dazu sagen. Aber es ist in der Tat übrigens ganz anders, da können Sie auch die Leute durchaus fragen: Die Leute sind in aller Regel sehr froh, wenn ich komme oder da bin, dass sie das besprechen können - selbstverständlich nicht am Drehort und vor allen Leuten, sondern am Drehschluss eines Tages, dass man sagt, na ja gut, was haben wir heute gemacht, wie war das, gibt es irgendwas für den nächsten Drehtag, was wir vielleicht besser machen können, dass man sich bespricht. Da muss man aber nicht am Drehort sein, nicht unbedingt, am Drehort bin ich meistens nur bei den wirklich großen Projekten, aber aus anderen Gründen: Ich denke, große Projekte haben eine ganz andere Dynamik und die Entscheidungen müssen manchmal direkt vor Ort gefällt werden und da ist man dann besser dabei. Und dann wie gesagt, gibt's eine dritte Phase, das ist das Schneiden, das ist die Nachbearbeitung, da müsste man als Produzent dann schon wieder da sein, und natürlich die Promotion.

      Meyer: Es fragen sich ja manche - und wir fragen uns das auch: Was ist eigentlich ein Eichinger-Film? Also, wir waren eben bei den Autorenfilmen. In den letzten Jahren haben Sie Filme gemacht, die sich viel mit historischen Stoffen beschäftigen, Sie haben auch Filme gemacht, die so richtig Klamauk waren, "Manta, Manta", "Ballermann" und so weiter. Gibt es für Sie einen roten Faden zwischen diesen Filmen?

      Eichinger: Na ja, der rote Faden heißt: Ich muss den Film verstehen. Also, ich muss nicht nur den Film verstehen, ich muss den Stoff verstehen. Also, wenn ich eine Komödie mache, muss ich den Humor verstehen. Ich mache nichts, wovon ich nichts verstehe. Und ich bin Produzent und nicht ein Regisseur, das heißt, als Regisseur könnte ich wahrscheinlich eine viel geringere Bandbreite nur von Themen machen, weil das Inszenieren und das, sage ich mal, mit den Schauspielern dann umgehen, eine sehr intime Sache ist. Als Produzent kann ich natürlich in der Entwicklung des Stoffs und so auch Spaß haben, wenn die jetzt nicht so ausschließlich auf meiner ganz persönlichen, wie soll ich mal sagen, ganz persönlichen Wichtigkeitsstufe auf Stufe eins stehen. Aber ich habe … Alle Filme, die ich mache, sind sozusagen Filme, die ich, jedenfalls von denen ich denke, dass ich sie verstanden habe, wobei auch manche Filme schiefgehen, das gehört auch dazu.

      Meyer: Ich würde noch eine letzte Frage stellen. Ich habe voller Vergnügen gelesen, dass der Film, mit dem Sie sich bei der Filmhochschule beworben haben 1969, dass Sie den benannt haben nach einem Satz von Samuel Beckett, schöner Satz: "Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues." Jetzt, wo Sie eigentlich alles erreicht haben, könnten Sie uns doch mal mit einer schönen Samuel-Beckett-Verfilmung erfreuen, dachte ich.

      Eichinger: Sie unterliegen auch dem ganz schweren Fehler, dass Sie denken, dass es von mir zwei Seelen in meiner Brust gibt, dass ich sozusagen die sogenannte populäre oder kommerzielle Seele habe und die andere, die künstlerische und private Seele. Das habe ich nicht. Beckett ist am Theater sehr gut aufgehoben, ich bin ein großer, sage ich mal, Fan mal gewesen, habe mir jetzt schon lange keine Aufführung mehr angeschaut, weil es auch für mich so ein bisschen so eine vergangene Zeit ist, also ein großer Fan gewesen des absurden Theaters, und ich habe aber nie gedacht, dass es eine gute Idee ist, so was zu verfilmen. Das gehört aufs Theater und da ist es auch gut aufgehoben.

      Meyer: Heute Abend bekommt Bernd Eichinger den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie. Vielen Dank für das Gespräch bei uns!

      Eichinger: Gerne!