Pflege

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • http://www.wdr.de/radio/wdr2/quintessenz/554287.phtml


      Hilfen für pflegende Angehörige
      Informationen aus dem Beitrag von Katrin Sanders
      Zusammen bilden sie den größten Pflegedienst der Nation: Töchter, Ehefrauen oder andere Familienmitglieder, die ihre Angehörigen in der gewohnten häuslichen Umgebung versorgen. 70% der Pflege findet zu Hause statt. Meist sind es Frauen, die pflegen und fast jede zweite von Ihnen ist zudem noch berufstätig. So spricht einiges dafür, viele an die Grenze der Belastbarkeit gehen. Es gibt aber ein paar Wege und auch gesetzliche Regelungen, wie sich Pflegende so entlasten können, dass sie nicht in kurzer Zeit überfordert sind. Hier eine Zusammenstellung, was Pflegebedürftige und ihre Angehörigen entlastet und worauf sie ein Recht haben.

      Das Pflegegeld
      Vor jeglicher Leistung muss daher eine Pflegestufe beantragt werden. Die Pflegekassen zahlen erst auf Antrag: Die Leistungen (das Pflegegeld) wird bei der eigenen Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt ist, beantragt. Entsprechend der Pflegestufen 0-3 wird das Pflegegeld entweder direkt ausgezahlt oder die etwas höheren Pflegesachleistungen von der Pflegeversicherung übernommen, wenn beispielsweise ambulante Dienste mit der häuslichen Pflege beauftragt werden.

      Pflegegeld klug kombinieren
      Viele Kombinationen sind möglich mit dem Pflegegeld, das entsprechend der Pflegestufe ausgezahlt wird. Wer nur einmal pro Woche Hilfe vom Pflegedienst braucht, bekommt den Restanteil des Pflegegeldes wieder ausbezahlt. Das Geld für die häusliche Pflege kann auch kombiniert werden mit Tagespflege, die außerhalb der eigenen vier Wände bei entsprechenden Pflegeeinrichtungen gebucht werden kann. Bis zu 200 Euro im Monat zahlt die Pflegekasse unabhängig von der Pflegestufe, wenn Familien entlastende Dienste etwa für einen demenzerkrankten Angehörigen in Anspruch genommen werden.

      Pflegekurse für die häusliche Pflege kostenlos nutzen
      Was ist bei Inkontinenz zu beachten und wie hebt man ohne den Rücken zu strapazieren? In den kostenlosen Pflegekursen der Krankenkassen werden die richtigen Handgriffe gezeigt. Wer keine Möglichkeit hat zu einem solche Pflegekurs zu kommen, hat Anspruch auf Beratung zu Hause und kann sich gleich vor Ort zeigen lassen, worauf es bei der Pflege ankommt. Bei der Gelegenheit lässt sich auch feststellen, ob die richtigen technischen Hilfsmittel vorhanden sind und eingesetzt werden. Pflegebett oder Wannenlift sind dafür gute Beispiele. Beides kann dann problemlos über die Pflegekasse ausgeliehen werden.

      Die Verhinderungspflege
      Auf Verhinderungspflege haben Angehörige Anspruch, die schon mindestens ein halbes Jahr lang pflegen. Verhinderungspflege kann man gut nutzen, wenn man selbst verhindert ist, also zum Arzt, aufs Amt oder zum Frisör muss. Das besondere ist: Die Verhinderungspflege kann man auch für feste Vorhaben einsetzen und etwa den wöchentlichen Chortermin, aufs ganze Jahr verteilen. Verhinderungspflege kann durch einen ambulanten Pflegedienst übernommen werden, der bei Bedarf ins Haus kommt, oder auch durch Freunde oder Nachbarn, die kurzfristig einspringen. Ausgenommen von der Bezahlung sind allerdings nahe Verwandte. Der Anspruch besteht für 28 Tage und zur Zeit bis zu 1510 Euro pro Jahr.

      Die Kurzzeitpflege
      Pflegende Angehörigen brauchen selbst Auszeiten: Über die Kurzzeitpflege ist das möglich. Wer Urlaub machen möchte, kann seinen Angehörigen in dieser Zeit in einem anerkannten Pflegeheim versorgen lassen. Dabei werden jedoch immer nur die Pflege bedingten Aufwendungen übernommen. Es bleibt ein Eigenanteil, der sich je nach Pflegestufe unterschiedlich bemisst. Für die Kurzzeitpflege stehen maximal 28 Tage und zur Zeit 1510 Euro pro Jahr zur Verfügung.

      Die Pflegezeit
      Beruf und Pflege lassen sich seit der Pflegereform besser vereinbaren. Für die Dauer von maximal 6 Monaten hat ein Arbeitnehmer, der einen Angehörigen pflegt, Anspruch auf Pflegezeit. Während der Pflegezeit ist man sozialversichert, bezieht jedoch kein Gehalt. Die Regelung gilt für Betriebe mit mehr als 15 Beschäftigten. In Betrieben mit weniger als 15 Mitarbeitern können sich Arbeitnehmer bis zu 10 Tage freistellen lassen - ebenfalls ohne Gehalt, aber sozialversichert. Diese Regelung bietet Spielraum zum Beispiel dann, wenn die häusliche Pflege organisiert werden muss.

      Der Familienrat
      Christine Sowinski, Referentin für Pflegefragen beim Kuratorium Deutsche Altershilfe hat noch diesen Tipp: "Jede Form der Entlastung, die dafür sorgt, dass pflegende Angehörige nicht in kurzer Zeit ihre Kräfte aufbrauchen, hilft auch dem Kranken selbst. Zum Gesundbleiben in der Pflege gehören Freiräume und guten Absprachen in der Familie, damit die Pflege nicht von einer Person allein geschultert wird."

      Beratungsmöglichkeiten nutzen

      Selbsthilfegruppen:
      Angehörigenkreise, Behindertenorganisationen oder Selbsthilfegruppen entlasten durch Erfahrungsaustausch. Seit dem 01.01.2009 haben Pflegebedürftige und ihre Angehörige Anspruch auf eine individuelle Beratung und Fallbegleitung durch ihre Pflegekasse. Anlaufstelle dafür ist jeweils die eigene Krankenkasse. Außerdem werden derzeit in den Bundesländern so genannte Pflegestützpunkte aufgebaut. Dort gibt es Beratung zu den örtlichen Hilfeangeboten und zu möglichen Leistungen. Schnelle Auskunft bei allen Fragen rund um die Pflegehilfen gibt das Info-Telefon der Bundesregierung zur Pflegeversicherung montags bis donnerstags von 8.00 bis 20.00 Uhr: 01805/ 99 66 03 (14 Cent pro Minute) Die Landesstelle pflegende Angehörige beantwortet Fragen und Anliegen am gebührenfreien Service-Telefon: 0800-220 4400. Empfehlenswert ist die Broschüre: "22 Fragen zum Thema häusliche Pflege". Diese Broschüre kann man telefonisch bestellen (gleiche Telefonnummer) oder schriftlich anfordern. Anschrift: Landesstelle pflegende Angehörige, Friesenring 32, 48147 Münster.

      Zum Nachlesen:
      Pflegefall - was tun? Informationen und Tipps für Betroffene und Pflegepersonen
      5. Auflage 2008 / Preis: 12,90 Euro / Bestell-Nr. GP 12
      Bestelladresse zzgl. Versandkosten in Höhe von 2,50 Euro:
      Verbraucher-Zentrale NRW
      Tel. (0 18 05) 00 14 33

      Ihre Pflegeversicherung. Leistungen, Mitgliedschaft, Beiträge. HG. Deutsche Rentenversicherung / Knappschaft Bahn See
      Bestelladresse: Deutsche Rentenversicherung / Knappschaft Bahn See
      Pieperstraße 14-28
      44789 Bochum

      Wenn's alleine nicht mehr geht. 15 Reportagen aus dem Pflegealltag moderner Familien

      Irmgard Hermann-Stojanov u. a. Dietz, Verlag. 2008. ISBN 978-3-8012-0383-2. 16,80€

      Selbsthilfegruppen nakos.de/site/

      Landesstelle pflegende Angehörige lpfa-nrw.de/