Abfindung

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      Steuern sparen bei der Abfindung
      Von Klaus Deuse
      Es muss ja nicht unbedingt der "goldene Handschlag" sein, den hochdotierte Manager erhalten, wenn sie ihren Hut nehmen müssen. Auch andere Arbeitnehmer können bei einer Kündigung eine ansehnliche Abfindung erhalten. Zu früh freuen, dass ihnen die Summe in voller Höhe zur Verfügung steht, sollten sich Betroffene aber nicht.

      "Nachdem mein Mann nach 20-jähriger Betriebszugehörigkeit auch zu den Gekündigten gehörte, waren wir total geschockt. Denn man hat natürlich Existenzängste. Die erleichternde Botschaft war, dass wir eine Abfindung erhielten. Man denkt, das Geld würde einem ganz zur Verfügung stehen. Aber da hat man die Rechnung ohne das Finanzamt gemacht",

      erinnert sich Susanne Hartmann an die Hiobsbotschaft, dass die komplette Abfindungssumme ihres Mannes versteuert werden musste. Immerhin ein fünfstelliger Betrag, mit dem man die unsichere Zeit der Arbeitslosigkeit überbrücken wollte. Seit 2006 nämlich hat der Fiskus den Steuerfreibetrag auf Abfindungen gestrichen. Doch es gibt weiterhin Möglichkeiten, den Tribut an das Finanzamt zu drosseln. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können sich nämlich darauf verständigen, die Auszahlung der Abfindung auf das folgende Jahr zu verschieben oder auch Teilbeträge zu vereinbaren.

      Für einen Steuerzahler ist es schließlich entscheidend, ob die Abfindung in dem Jahr, in dem er seinen Job verliert, gezahlt wird, oder erst im Jahr danach. Geht diese Extrazahlung gleich nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses auf seinem Konto ein, dann erhöht diese den Steuersatz für das übrige Einkommen. Und das bedeutet: die Steuerlast steigt ordentlich in die Höhe. Wird die Abfindung aber erst im Jahr darauf ausgezahlt, dann berechnet das Finanzamt die Steuer nach der günstigen Fünftelregelung. Bei Abfindungen handelt es sich nämlich um Sonderzahlungen, wie der Bochumer Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Heiner Adamsen erklärt.

      "Bei der Fünftelregelung wird der sogenannte Progressionseffekt umgangen. Und zwar wird so vorgegangen, dass der Sonderbetrag mit einem Fünftel zu dem normalen, üblichen Einkommen hinzugerechnet wird. Und dann wird die Steuerbelastung auf dieses zusätzliche Fünftel ermittelt."


      Das kann unter dem Strich, stellt Steuerberater Adamsen fest,

      "bei entsprechend höherem zu versteuernden Einkommen auch zu deutlichen Steuerersparnissen von 500 Euro und mehr führen."


      Bei höheren Einkommen sogar deutlich mehr: Beträgt das Jahreseinkommen eines Arbeitnehmers im Jahr seiner Entlassung etwa 60.000 Euro und er erhält nach der Kündigung eine Abfindung von 50.000 Euro im gleichen Jahr, kann er durch die Fünftelregelung 2.622 Euro sparen. Heiner Adamsen erklärt, wie diese Einsparung steuertechnisch zustande kommt.

      "Insofern kann man sich das auch so vorstellen, dass praktisch diese außerordentliche Einkunftshöhe gefünftelt wird und so getan wird, als wenn die in den letzten fünf Jahren in der Höhe angefallen wäre."


      Bei aller Bitternis des Arbeitsplatzverlustes ist das zumindest ein kleines finanzielles Trostpflaster. Arbeitnehmer haben bei Abfindungszahlungen nach Kündigungen nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Sie sollten sich, empfiehlt Steuerberater Adamsen, aber auf jeden Fall rechtzeitig informieren.

      "Viele haben ja bei den Abfindungsregelungen noch Kontakt zu Kollegen und dem Berufsumfeld. Und wenn es dann aber sozusagen die eigenen Fähigkeiten übersteigt, sollte man schon mit dem Fachmann sprechen."


      Und spätestens der wird darauf hinweisen, dass es noch eine zusätzliche Möglichkeit gibt, die Steuerlast weiter zu reduzieren. Nämlich bei der Kirchensteuer, die Steuerpflichtigen die Möglichkeit einräumt, bei außerordentlichen Einkünften wie einer Abfindung weniger Steuern zu entrichten. Heiner Adamsen rät in solchen Fällen also

      "mit der entsprechenden Kirchenbehörde zu sprechen und einen Antrag auf Reduzierung der Kirchensteuerbelastung , soweit es auf außerordentliche Einkünfte entfällt, stellen."