Weizsäcker

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    • Weizsäcker

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      Es gibt wenige Staastmänner, die das Bild des Deutschen in derart herausragender und unbestrittener Weise positiv beeinflusst hat, wie er. Es gibt viele Gründe, sich als Deutscher der Geschichte des Deutschen Volkes zu schämen. Es gibt - dank der aufrechten und mutigen Deutschen aus dem Osten - auch viel Grund stolz zu sein. Und es gibt Deutsche, diezwar wie er eigentlich auch nur Mensch ist, wie Menschen oder wir als Mensch sein sollten, aber er ist halt auch Deutscher, der wahrlich ein Vorbild ist, als Mensch und Deutscher.


      Der Präsident aller Deutschen
      Vor 90 Jahren wurde Richard von Weizsäcker geboren
      Von Peter Hölzle
      Richard von Weizsäcker schrieb im doppelten Sinn Geschichte. Als erster Präsident des wiedervereinigten Deutschlands machte er sich zum Fürsprecher der Ostbürger und wurde so zum Staatsoberhaupt aller Deutschen. Als unbequemer Mahner appellierte er, sich der furchtbaren Last der Hitlerdiktatur bewusst zu bleiben, und avancierte zur hochgeschätzten deutschen Gewissensinstanz.

      "Die Grenze in dem Amt besteht darin, dass man eine hinreichende Gewissheit haben muss, ob man auch etwas zu sagen hat."

      Richard von Weizsäcker hatte immer etwas zu sagen. Insofern treffen die Worte des früheren Bundespräsidenten über das höchste Staatsamt, am 3. Oktober 1997 in einem Gespräch mit dem Süddeutschen Rundfunk geäußert, zunächst einmal auf ihn selber zu.

      Der sechste Bundespräsident, in dessen zehnjähriger Amtszeit - von 1984 bis 1994 - die Wiedervereinigung fiel, war alles andere als ein einfacher Präsident. Das lag auch daran, dass er sich nicht auf der Ochsentour nach oben gedient hatte, sondern als Seiteneinsteiger in die Politik gekommen war. In einem Gespräch, 2008, erinnerte er sich:

      "Für mich war die Mitarbeit als Laie der Evangelischen Kirche der Hauptanstoß, mich an politischen Fragen aktiv zu beteiligen. Das Wichtigste war in der Tat die sogenannte Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche, in der insgesamt über das Verhältnis zu Polen und über die Notwendigkeit einer Anerkennung der Oder-Neisse-Grenze die Rede war. In dem Zusammenhang habe ich dann Ende der 60er-Jahre zum ersten Mal eine Kandidatur für ein politisches Mandat übernommen. Das Erste, was ich dann im Bundestag erlebte, war die Auseinandersetzung genau über diese Ostpolitik."

      Eine Auseinandersetzung, in der der Paradeprotestant Weizsäcker in seiner Partei, der CDU, lange isoliert war. Die Christdemokraten bekämpften die Ostpolitik der sozialliberalen Regierung Brandt/Scheel leidenschaftlich. Weizsäcker hielt dagegen. Ihm war es zu verdanken, dass CDU und CSU die Ostverträge mit Moskau und Warschau im Bundestag passieren ließen.

      Zu dieser Haltung gehörte Mut, und der hatte seinen Preis. Obgleich von Statur, Habitus und geistigem Zuschnitt gleichsam ein geborener Präsident, brauchte er doch drei Anläufe, um den Sprung an die Staatsspitze zu schaffen und hatte Bewährungsstationen zu durchlaufen. Als einer der Väter des Grundsatzprogramms von 1978 trug er wesentlich zur Modernisierung der CDU bei. Als Regierender Bürgermeister von Berlin waltete er zwar nur kurz, aber doch untadelig seines Amtes.

      Einmal Präsident, setzte der am 15. April 1920 in Stuttgart geborene Schwabe sein ostpolitisches Engagement mit präsidialen Mitteln fort. Unter den 43 Staatsbesuchen, die er in seiner Amtszeit absolvierte, war ihm der in Polen der wichtigste. Mitten im Wiedervereinigungsprozess, als bei den Nachbarn Ängste vor einem allzu mächtigen Deutschland ins Kraut schossen, fand er am 2. Mai 1990 in Warschau den richtigen Ton.

      "Polen und Deutsche miteinander bilden das Zentrum unseres Kontinents. Je besser es uns in diesem Zentrum gelingt, vernünftig miteinander auszukommen und zusammenzuarbeiten, desto weniger werden störende Kräfte in Europa sich dem widersetzen können. Ich denke also, dass wir die lohnende Aufgabe haben, aufeinander zuzugehen: politisch, wirtschaftlich und menschlich."

      Aufeinander zugehen sollten freilich nicht nur Deutsche und Polen, aufeinander zugehen sollten auch West- und Ostdeutsche. Und damit diese Begegnung nicht zum entwürdigenden Anschluss des Ostens an den Westen werde, ergriff Weizsäcker immer wieder das Wort für die Ostbürger - schon am 3. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung:

      "Für die Deutschen in der ehemaligen DDR ist die Vereinigung ein täglicher, ein existenzieller Prozess der Umstellung. Das bringt oft übermenschliche Anforderungen mit sich."

      War er so von Anfang an der Präsident aller Deutschen, so war er auch der, der sich nicht scheute, sie mit unliebsamen Wahrheiten zu konfrontieren. Seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, die er am 8. Mai 1985 im Bundestag hielt, war eine solche Wahrheitsrede, mit der er Geschichte schrieb:

      "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."
    • Hallo Heinz,

      mich befremdet dieser Satz deines Beitrags:"
      Es gibt viele Gründe, sich als
      Deutscher der Geschichte des Deutschen Volkes zu schämen. Es gibt - dank
      der aufrechten und mutigen Deutschen aus dem Osten - auch viel Grund
      stolz zu sein."
      Hast du den ersten Abschnitt des Beitrags formuliert oder ist das so kopiert vom Deutschlandradio? ich meine, es bedarf einer Erklärung, wenn man einen derartigen Satz schreibt.

      Viele Grüße Rosine Sägespäne
      Wenn jeder alles von dem andern wüßte, es würde jeder gern und leicht verzeihen, es gäbe keinen Stolz mehr, keinen Hochmut. Hafis
    • Hallo Heinz,

      du schreibst:
      "Es gibt viele Gründe, sich als

      Deutscher der Geschichte des Deutschen Volkes zu schämen. Es gibt - dank

      der aufrechten und mutigen Deutschen aus dem Osten - auch viel Grund

      stolz zu sein."

      wen meinst du mit den aufrechten und mutigen Deutschen aus dem Osten? Sind es die Menschen, die während des Krieges aus ihrer Heimat fliehen mußten und hier alles wieder mitaufgebaut haben? Sind es die Menschen, die sich mutig an den Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR beteiligt haben? Oder meinst du etwas ganz anderes?

      Viele Grüße von Rosine Sägespäne
      Wenn jeder alles von dem andern wüßte, es würde jeder gern und leicht verzeihen, es gäbe keinen Stolz mehr, keinen Hochmut. Hafis
    • # hallo Smuggler,

      an anderer Stelle habe ich schon geschrieben, weshalb ich andere Meinungen aus Zeitungen oder Redaktionen hier veröffentliche. Auch ich kann nicht alles wissen. Aber ich finde es prima, wenn hier viele Informationen zu finden sind. Solche Informationen können Fakten oder auch Meinungen sein. Manchmal schreibe ich aber auch selbst was oder gebe meine Meinung dazu, wie im vorliegenden Fall, wo ich meine Meinung einfach vorangestellt habe.

      # hallo Rosine,

      ich habe lange nachgedacht. Es gab zwar noch den Bauernaufstand bei Worringen gegen den Erzbischof von Köln, aber so etwas wie 1989 gab es in der Geschichte und erst Recht in der Deutschen Geschichte noch nicht. Das war halt auch eine Verkettung glücklicher Umstände, dass es unblutig von statten ging. Ohne Gorbatschow, also unter Jelzin wären möglicherweise wieder wie zum 17. Juni die Panzer gerollt. Weiß mans? Jedenfalls war die Führung der DDR selbst von den Ereignissen in Ungarn überrascht. Trotzdem finde ich, obwohl ich es ja nur nachlesen kann und selbst nicht dabei war, dass es verdammt viel Mut gekostet hat in dem faschistoiden Überwachungsstaat der Stasi auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Die Berichte und Dokumente geben beredetes Zeugnis darüber, welche Nachteile die erleiden mussten, die nicht linientreu waren oder zumindest sich sehr bedeckt gehalten haben. Nachher, als die Demonstrationen immer größer wurden, na da wär ich vielleicht auch mit gegangen. Aber am Anfang? Wo noch jeder gefilmt und erfasst wurde? Das berufliche Fortkommen hätteste doch knicken können. Und das Private wohlmöglich gleich mit, wenn der Partner auch Nachteile erlitten hätte und man selbst und die eigene Familie gemobbt worden wäre.

      Die für Freiheit demonstriert haben, waren für viele Linientreue Verräter. Und es gibt noch heute bei den Linken welche, die sich die Mauer wünschen und gerne andere Menschen bespitzeln für den Kommunismus.

      Ne, ich wüsste jetzt wirklich nicht, was die deutsche Geschichte dergleichen noch zu bieten hätte. Statt dessen hatten wir bajuwarische oder napoleonische oder preussische Gesinnung bishin zum Kaiserkult, der uns dann mit wehenden Fahnen in den 1. WK führte und dann hatten wir die Braunen Faschisten, die sich als bessere Menschen erkannte und das deutsche Antlitz zur Fratze verzerrten. Und beinahe hätten wir eine Pudelin als Kanzlerin gehabt, die dem verlogenen großen Bruder wie der englische Premier hinterhergehächelt wäre. Dann hatten wir Barschel und Möllemann, Kanther, Koch, Kiep und Kohl, Strauß mit seinen Affären, und jetzt Westerwelle als Freiheitsstatue von Europa (wie er sich selbst tituliert hat). Worauf sollte man als Deutscher stolz sein? Viele Geistesgrößen mussten unter den braunen Gesocks emigrieren. Andere nahmen sich das Leben oder wurden ermordet. Und das deutsche Volk gröhlte in Berlin, dass sie den totalen Krieg haben wollten und wählten zuhauf die Verräter an der deutschen Seele.

      Jetzt hatten wir noch andere Bundespräsidenten. Und auch die anderen haben ihre Aufgabe mit Verantwortung gegenüber der Bundesrepublik und den Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen. Jeder hat Spuren hinterlassen und hinterlässt Spuren. Doch es gab Präsidenten, die hätten sicherlich noch eine oder zwei Amtszeiten der Bundesrepublik gut getan. Ich finde, Herr von Weizsäcker ist ganz bestimmt einer davon. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen.

      Heinz