Gespenster in Berlin

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    • Gespenster in Berlin

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      Sarah Khan: "Die Gespenster von Berlin - Unheimliche Geschichten", Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 2009, 192 Seiten
      Berlin ist eine lebendige Geisterstadt. Wer das nicht glaubt, der kann sich in den unheimlichen Geschichten der dort lebenden Autorin Sarah Khan davon überzeugen.

      Ein Reiseführer und Heimatbuch der besonderen Art hat die in Hamburg geborene, schon lange in Berlin lebende Autorin vorgelegt. Sie war in der Hauptstadt erfolgreich als "Gespenster-Reporterin" unterwegs und hat sie an den unmöglichsten ebenso wie an den wahrscheinlichsten Orten aufgetrieben: Geister, die sich einer vernünftigen Betrachtung oder rationalen Beweisführung natürlich entziehen, deswegen aber offenbar nicht weniger präsent sind.

      Dieses amüsante und kluge Geschichten-Buch, das sich in bester Tradition englischer Geister-Literatur befindet, erzählt von unheimlichen Begegnungen und anhaltenden Irritationen, von guten Geistern und bösen, solchen aus der DDR- und anderen aus der Nazi-Vergangenheit. Grufties kommen ebenso vor wie eine begabte Gläserrückerin.

      Wir begleiten die Autorin auf den Dorotheenstädtischen Friedhof und auf die Gespensterjagd im Kreuzberger Künstlerhaus Bethanien, wo offenbar Generationen von ausländischen Künstlern, die sich selber als rationale Menschen begreifen, von Geistern geplagt wurden.

      Sarah Khan betont, sie habe nicht in der Esoterik-Szene recherchiert, sei selber auch ganz und gar nicht spinnert. Die Geschichten, die sie aufgeschrieben hat, sind ihr gleichsam zugelaufen, man hat sie ihr erzählt, sie hat sie recherchiert.

      Am Ende blieb ihr (und bleibt uns nach der Lektüre) nichts anderes übrig, als an die Gespenster zu glauben, die die Hauptstadt bewohnen. Und nicht nur hier, denn auch im Umland spukt es, wie eine Geistergeplagte zu Protokoll gibt, die 50 Kilometer südlich von Berlin in eine Reihenhaussiedlung gezogen ist. Man muss die Geister jedenfalls ernst nehmen und: Man sollte niemals in eine Wohnung ziehen, wenn man sich am Papier des Mietvertrags in den Finger schneidet. Blutstropfen mitten im Zimmer: Das ist eine ernste Gespenster-Warnung.


      Besprochen von Manuela Reichart


      Sarah Khan: Die Gespenster von Berlin, Unheimliche Geschichten
      Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. Main 2009
      192 Seiten, 9,90 Euro