Nachhaltigkeit

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    • Nachhaltigkeit

      Informationen zum Service Sachbuch
      Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs
      Von Ulrich Grober
      Kunstmann Verlag, München 2010
      ISBN 978-3-88897-648-3
      Preis: 22,00 €

      „Nachhaltigkeit“, das Wort klingt so unsexy, so sehr nach
      Bürokratendeutsch, und trotzdem ist dieser Begriff heute in aller Munde.
      Woher stammt dieser Begriff, was bedeutet er genau? Diesen Fragen geht
      Ulrich Grober kulturgeschichtlich nach.

      Vor zwei Jahrhunderten wurde Nachhaltigkeit zum zentralen Begriff des
      deutschen Forstwesens. Der Grund dafür lag in einer fatalen
      Rohstoffkrise. Das Holz wurde knapp, und die Preise stiegen
      unaufhörlich. Dies waren die Folgen einer unerbittlichen Plünderung der
      Wälder. Forstleute dachten darüber nach, wie die Holz-Rohstoffkrise zu
      bewältigen sei. Die einfache Formel lautete: entnehme dem Wald nur so
      viel an Gütern, dass nachkommende Generationen genauso viel Nutzen
      daraus ziehen können wie du selbst. Schlage nicht mehr Holz, als
      natürlich wieder nachwächst. Die Idee der Nachhaltigkeit reicht jedoch
      noch viel weiter zurück. So handelte schon die Republik Venedig im 17.
      Jahrhundert nach entsprechenden Prinzipien. Im selben Jahrhundert erließ
      der Sonnenkönig Ludwig XIV. eine Verordnung zur Forstreform, um die
      entglittene Ordnung in den Wäldern Frankreichs wiederherzustellen. Im
      13. Jahrhundert artikulierte Franziskus von Assisi in seinem
      Sonnengesang Nachhaltigkeits-Gedanken.

      Schienen die Prinzipien der Nachhaltigkeit sich im 18. Jahrhundert
      zunächst durchzusetzen, so bahnte sich mit dem Aufkommen des
      Kapitalismus und des Wirtschaftsliberalismus ein Systemwechsel an.
      Oberstes Ziel der Forstwirtschaft war jetzt der höchstmögliche Holzertrag.

      Früheren Epochen war der Gedanke eines Wirtschaftswachstums fremd, wie
      er im Kapitalismus zur Doktrin wurde. Dass die Natur eine nur begrenzte
      Ressource ist, formulierte der Club Of Rome in den 70er Jahren des 20.
      Jahrhunderts und etablierte erneut die Grundprinzipien des klassischen
      Nachhaltigkeitsdenkens. Zum Ende seines Buches rekapituliert Ulrich
      Grober die verschiedenen Welt-Konferenzen des 20. und 21. Jahrhunderts,
      in denen um eine nachhaltige Entwicklung gerungen wurde. Grober
      kritisiert jedoch, dass sich gegenwärtig die Diskussion um
      Nachhaltigkeit immer mehr auf den Aspekt des Klimawandels verengt. Der
      Klimawandel sei nur das momentan bedrohlichste Symptom einer
      umfassenderen Krise.

      Ulrich Grober vertritt in seinem Buch die These, dass die Menschen schon
      immer, intuitiv, vorsorglich gedacht haben. Dass sich dieses Denken aber
      im Laufe der Jahrhunderte zu einem neuen Bewusstsein entwickelt hat,
      nämlich dass der Planet, auf dem wir leben, erhalten und bewahrt werden
      muss. Dabei ist „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit – Kulturgeschichte
      eines Begriffs“ keine trockene Abhandlung grauer Theorie. Der Autor
      sucht als leidenschaftlicher Wanderer selbst die Orte auf, über die er
      schreibt. Ob es sich um Venedig handelt, um Weimar, den Thüringer Wald
      oder den Steigerwald am Main - der Autor berichtet in Reportagen
      lebendig über die jeweilige Gegend, so dass seine theoretischen
      Erörterungen immer eine sinnliche Basis haben. Die Leser spüren, was
      Nachhaltigkeit bedeutet. Das macht das anspruchsvolle Buch zu einem
      lehrreichen Lesevergnügen.