das war ich nicht

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      Eine Begegnung mit dem Schriftsteller Kristof Magnusson
      Von Mandy Schielke

      Eigentlich wollte Kristof Magnusson Kirchenmusiker werden. Doch irgendwann hatte ihn das Schreiben gepackt. Damit ist der isländisch-deutsche Schriftsteller sehr erfolgreich: Seine Komödie "Männerhort" wurde an zahlreichen Bühnen aufgeführt, und sein neues Buch "Das war ich nicht" ist ungewollt der Roman zur Finanzkrise geworden.

      Aufeinander treffen die Figuren in Kristof Magnussons Roman "Das war ich nicht" zum ersten Mal in einem Coffeeshop in Chicago. In Cafès verbringt auch der Autor selbst sehr viel Zeit, trinkt Espresso - klein und stark, liest, schreibt, beobachtet oder hängt seinen Gedanken nach. Sowieso steckt in allen drei Protagonisten eine Menge von Kristof Magnusson.

      "Gerade bei den Details ist es so, dass sich das Autobiographische immer wieder Bahn bricht. Egal, wie tief die Geschichte ist, bei den Details, glaube ich, geht es gar nicht anders, als dass man auf das zurückgreift, was man selbst erlebt hat. Kleine Sachen muss man schließlich ganz genau kennen. Das kann man sich gar nicht ausdenken."

      Da ist im Roman beispielsweise Meike Urbanski. Sie lebt im Schanzenviertel in Hamburg. Zwischen selbstgefälligen Müttern und Haushalten mit Hightech-Salzstreuern sowie Weinkühlschrank glaubt sie zu ersticken und flieht nach Nordfriesland. Sie, Meike Urbanski, liege ihm - so sagt Kristof Magnusson - besonders am Herzen - nicht nur, weil sie - wie auch er selbst - Romane ins Deutsche übersetzt.

      "Weil ich mit diesem Traum sehr viel anfangen kann, das Haus auf dem Land haben, dieser Wunschtraum, ich lass jetzt diesen ganzen Großstadtkrempel hinter mir und ziehe aufs Land nur mit meinen Büchern. Schluss. Das ist ein Traum, den ich sehr gut nachvollziehen kann."

      Kristof Magnusson ist ein höflicher, humorvoller Mann. Seine hellblonden Haare sind kurz geschnitten, das Gesicht rund und freundlich, die Augen spitzbübisch. Der 34-Jährige ist mit einer deutschen Mutter und einem isländischen Vater in Hamburg aufgewachsen. Bis er 20 war, sagt er, gab es für ihn nur die Musik. Nach dem Abitur macht er eine Ausbildung als Kirchenmusiker.

      "Dieser Schritt kam einfach daher, dass ich schon sehr lange Klavier und Orgel gespielt habe. Ich dachte, das ist jetzt mein Beruf. Das hatte mich schon immer sehr gereizt, die Ausbildung ist fantastisch. Man lernt wahnsinnig viel und das ist auch sehr weit gefächert: Chorleitung, Klavierspiel, Orgelspiel, Theologie, Orgelbau. Aber irgendwie bin ich währenddessen auch zum Schreiben gekommen. Und dann hab ich das eben immer mehr gemacht und konnte irgendwann nicht mehr aufhören."

      Seinen Zivildienst absolviert Kristof Magnusson bei einer jüdischen Organisation für Obdachlosenhilfe in New York. Er kommt zurück und beginnt am Literaturinstitut in Leipzig zu studieren. Er schreibt Komödien fürs Theater und irgendwann seinen ersten Roman "Zuhause", der 2005 erscheint.

      Kristof Magnusson, so heißt es, hat mit "Das war ich nicht" den ersten Roman zur Finanzkrise geschrieben. Dabei war alles ein Zufall, seine Geschichte mit Bankenpleite und Drum und Dran war schon fast fertig, als die US-Investmentbank Lehmann Brother's im September 2009 pleiteging und die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte. Andersherum hätte es auch nicht funktioniert, sagt der Norddeutsche. Die Literatur sei zu langsam, um es mit der Aktualität aufzunehmen.

      "Die Versuchung ist zwar da, dass man als Schriftsteller dasitzt und sagt, jetzt kann ich das und das noch einfügen, aber man schreibt langsam. Dann dauert es nach der Manuskriptabgabe noch einmal ein Jahr, bis das Buch erscheint. Man kann auf so aktuelle Dinge nicht zurückgreifen. Die Stärken der Literatur liegen eher darin, dass man möglichst nah an bestimmte Personen, bestimmte Milieus kommt."

      Kristof Magnusson wagt sich in seinem zweiten Roman ran an die Banker, die zwölf Stunden täglich in großen Händlersälen auf Kurven und Computerbildschirme starren und für den Wert hoher Geldbeträge das Gefühl verloren haben. Er zeigt die Welt der über 30-jährigen Akademiker, die sich in der Sattheit des Bionade-Bürgertums langweilen und einen Bestsellerautor, für dessen Bücher sich zwar alle interessieren, der selbst aber total vereinsamt ist. Jasper, Meike, Henry - alle drei stecken oder manövrieren sich gerade in eine Krise. Aber finden am Schluss auch heraus. Kristof Magnusson kennt sich, so scheint es, aus mit Krisen.

      "So ein gewisses Sackgassengefühl, das die alle drei haben, das kann man haben mit 30 und das kann man haben mit 60. Es geht heute weg davon, dass man bestimmte Eigenschaften mit bestimmen Generationen assoziiert. Gewisse Lebenskrisen, die können einen immer ereilen. Weil man ja auch mehr Freiheiten hat, sein Leben zu gestalten."

      Kristof Magnusson lebt in Berlin, mehrere Wochen im Jahr verbringt er - wie auch in seiner Kindheit - in Island. In Reykjavik, der Stadt am Meer. In einer Stadt am Wasser sollte auch sein zweiter Roman "Das war ich nicht" spielen. Ein amerikanischer Freund erzählte von Chicago im Mittleren Westen der USA und dem Lake Michigan, der so groß ist, dass man das andere Ufer nicht sehen kann.

      "Dann wollte ich nicht, dass es in New York spielt, weil ich vor New York als literarischem Ort eine gewisse Angst hatte. Da hat schon jeder etwas drüber geschrieben, jeder deutschsprachige Autor, habe ich das Gefühl, hat schon einmal die rauchenden Gullydeckel beschrieben. Da hatte ich die Sorge, dass ich da nichts Neues machen kann. Chicago war unverbrauchter."

      Und auch die Idee, über den Einfluss des Geldes auf das menschliche Schicksal zu schreiben, reizte ihn. Die Finanzkrise, die sich dann im wirklichen Leben ereignete, kam Kristof Magnusson dabei ganz recht.

      Service:
      Kristof Magnusson ist auf Lesereise. Am 10.3. liest er im Landestheater in Tübingen, am 11.3 in Berlin und am 15.3 in Köln. Weitere Termine finden Sie auf der Internetseite des Schriftstellers. <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.kristofmagnusson.de/termine/">http://www.kristofmagnusson.de/termine/</a><!-- m -->