Was kann man tun und an wem muss man sich richten?

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    • Was kann man tun und an wem muss man sich richten?

      Hallo,
      ich möchte mich mal eben vorstellen.
      Ich heiße Stephan und bin weder ein Betreuer, noch ein Betreuter.
      Ich bin diesem Forum beigetreten, weil mein Nachbar Bernd durch einen Schlaganfall (Herbst 2013) selbst kaum noch in der Lage ist, für sich zu sorgen. Nach seinem Schlaganfall wurde er aus seiner Whg. über diverse Krankenhäuser in eine Reha-Klinik nahe Berlin aufgenommen und u. a. medizinisch versorgt. Dort wurde ihm durch zust. Amtsgericht ein gesetzlicher Betreuer (Anfang 2014) benannt. Dieser Betreuer beauftragte einen ihm bekannten Pflegedienst, welcher sich nach Entlassung aus der Reha-Klinik um Bernd kümmern sollte. Und mit der Entlassung aus der Reha-Klinik am 03.04.2014 nahm das Chaos für Bernd seinen Lauf.
      Dazu muss ich sagen, dass Bernd linksseitig (Arm und Bein) "gelähmt ist und unter chronischer Darmentzündung, was das Windeltragen notwendig macht, leidet. Der Betreuer weiß seit Anfang des Jahres über diese Situation, der Pflegedienst seit Anfang April Bescheid.


      Am 03.04.2014 war es soweit. Bernd ist durch einen Krankentransport in seine Wohnung verbracht worden. In seiner Wohnung wurde Bernd im Rollstuhl sitzend samt Katheter und Urinbeutel für 2-3 Stunden alleine gelassen, bis dann endlich eine Pflegekraft eintraf und die ersten Versorgungen vornahm. Ich kam erst gegen 22 Uhr von der Arbeit und konnte nach Bernd in seiner Wohnung schauen und ihn begrüßen. Dabei traf ich in der dunklen Whg. (Bernd hat keine Lampe in der Whg. montiert gehabt) auf eine männliche Pflegekraft, die im Dunklen versuchte, den Urinbeutel zu leeren. Wir unterhielten uns und sorgten für Licht, wobei mir diese m. Pflegekraft erklärte, auch gut Holz haken, Autos reparieren und einfachen Handwerk in der Whg. verrichten zu können... :verwirrt: ?(
      Bernd verbrachte die Nacht in seinem gewohnten Bett ohne Gitter etc.
      Am 04.04.2014 kam eine andere Pflegekraft zu Bernd und kümmerte sich um diesen. Mit den Medikamenten war sie überfordert, da sie, wie sie selbst sagte, nicht examiniert sei. Damit Bernd etwas zu Essen bekam, besorgte ich für ihn einen Döner... Nachdem diese Pflegekraft mit ihrer Arbeit fertig war, kam sie noch zu mir an die Whg. und teilte mit, dass Bernd Schmerzen hätte. Sie fragte mich, ob ich Schmerztabletten zu Hause hätte und diese Bernd geben könnte... Das habe ich verneint und bin zu Bernd in die Whg. um nach ihm zu schauen. Schließlich habe ich einen Bereitschaftsarzt angerufen, welcher veranlasste, dass Bernd erst einmal
      wieder ins Khs. verbracht wurde. Am darauf folgenden Tag hatte ich die Situation dem Betreuer mitgeteilt, der die ganze Sache wohl für völlig normal ansieht. Auch, dass in der Whg. keine Vorbereitungen getroffen wurden, da es schließlich erst alles organisiert werden muss. Er will am Pflegedienst festhalten und sieht eher die Pflegekraft als gefeuert...

      Ich persönlich habe das Gefühl, das hier etwas nicht in Ordnung ist und würde dieses gerne an geeigneter Stelle melden! Vielleicht kann mir jemand ein paar Tipps gehen, was man machen sollte, und was eher nicht...
      Danke im Voraus
    • hallo Stephan, oder soll ich Sonnenpupur schreiben?

      ja, da verknotet sich einiges. Vorweg finde ich es toll, wie du dich um deinen Nachbarn kümmerst. Da kann er richtig froh sein. Diese nachbarschaftliche Fürsorge findet sich nicht immer.

      Sodann ist der Pflegedienst wohl nicht richtig aufgestellt, organisiert oder kompetent, egal. Ich an deiner Stelle würde mal mit dem Leiter oder der Leiterin des Pflegedienstes sprechen, obwohl es ja eigentlich die Sache des Betreuers ist, aber der scheint ja auch nicht der schnellste und engagierteste zu sein. Also ich würde an deiner Stelle mich mit dem Betreuer verständigen, ob der was dagegen hast, wenn du das Ganze vor Ort im Blick behälst und notfalls dich mich dem Pflegedienst verständigst. Schließlich ist ein Betreuer in der Regel etwas weiter weg und hat auch nicht die Zeit, das ganze Geschehen zeitnah zu verfolgen. Wenn er dir die Erlaubnis gibt, ist der erste Schritt getan. Ich würde auch nachfragen, ob er dir zur Not diese Erlaubnis auch schriftlich geben würde. Ein Zweizeiler reicht völlig, dass der Pflegedienst dich nicht ausbremsen kann von wegen, er redet nur mit dem Betreuer. Wenn du aber sagen kannst, der Betreuer hat dir eine Untervollmacht erteilt, kann sich der Pflegedienst nicht mehr herauswinden. Soviel erst einmal zu deinem Part und zu deiner Legitimierung.

      Der nächst Aspekt ist natürlich der Pflegedienst. Welche Pflegestufe hat dein Nachbar? Ich vermute mindestens Pflegestufe 1 wenn nicht sogar 2. Das sind mindestens eine dreiviertel Stunde pro Tag an persönlicher Pflege bei Pflegestufe 1, bei Pflegestufe 2 ist es schon über eine Stunde. Auch kann der Pflegedienst dann eine hauswirtschaftliche Versorgung organisieren, die einkauft und mal durchputzt und und und. Das zahlt alles die Pflegeversicherung. Wenn der Pflegedienst das nicht hinbekommt, ist es nicht der richtige. Dann kannst du dich, wenn du willst nach einem anderen umschauen, der das machen würde und würdest dann dem Betreuer dann mitteilen, dass er jetzige Pflegedienst wohl überfordert ist und ein anderen, dessen Namen, Adresse und Telefon Nr du dann zur Hand hast, würde es machen und der Betreuer könnte sich dann darum kümmern, das zu managen.

      Sollte er es nicht tun und es ändert sich nicht, würde ich ihm mitteilen, dass du dir das eine Weile mit angeguckt hast, hast dir wohlmöglich Notizen gemacht mit Datum und Geschehen und würdest dich nun ans Betreuungsgericht wenden. Sollte sich der Betreuer dann immer noch nicht rühren, würde ich dem Gericht ein Schreiben schicken mit allem was passiert ist, also auch mit den Notizen, was wann passiert ist oder nicht und was du initiiert hast und dass der Betreuer sich nicht drum kümmert und alles letztlich an dir hängen bleibt. Dann bekommt der Betreuer dein Schreiben in Kopie vom Gericht und muss dazu Stellung nehmen. Der wird zwar dann nicht davon erbaut sein, aber du hast ihn ja vorgewarnt.

      Beim Pflegedienst, sollte er nicht die Leistung erbringen, zu der er verpflichtet ist, also im Umfang wie er von der Pflegekasse den Auftrag erhalten hat und doch dementsprechend abrechnet, käme eine Aufsichtsbehörde in Betracht, wo die Konzession des Pflegedienstes zur Not überprüft werden kann. Das tut weh.

      Also, es gibt einige Möglichkeiten, die jenigen, die Geld für die Pflege und Betreuung für deinen Nachbarn bekommen, auch anzuspitzen. Reagieren sie nicht wie gewünscht, werden halt härter Maßnahmen ergriffen. Ich denke, wenn du dich dahinter klemmst, wirst du auch welche finden, die ebenfalls von deinem Engagement beeindruckt sind und dein Vorhaben unterstützen. Ich wünsche es dir. In diesem Sinn viel Erfolg
      Heinz
    • Herzlichen Dank für die Antwort,
      meine Frau und ich haben über diese Sache ein Gedächtnisprotokoll angelegt. Wir haben auch all das, was uns beim Pflegedienst komisch vorkam, dem Betreuer gemeldet. Der hat am Telefon laut geschmunzelt, wenn man es so nennen kann, und gesagt, dass er den Pflegedienst auf gar keinen Fall wechseln wird. Mittlerweile habe ich von der Stationsleitung der Reha-Klinik erfahren, dass sich der Betreuer dort wohl alkoholisiert bzw. mit ner Alkoholfahne bei unserem Nachbar damals vorgestellt hatte. Also alles etwas eigenartig... Unser zust. Betreuungsgericht hi
      er in Berlin Spandau bzw. ein Mitarbeiter teilte mir mit, dass unser Nachbar seinen Wunsch, den Betreuer zu wechseln, schriftlich beantragen könnte. Dieser Mitarbeiter klang am Telefon auch nicht gerade angetan... Er sagte, ich könnte die Betreuung ja beantragen, was ich aber verneinte, weil ich gar nicht die Zeit dafür hätte und es im Grunde genommen lediglich um ein seriöses Betreuungsverhältnis geht... Momentan liegt Bernd im Khs., er könnte sicherlich diverse Dokumente unterschreiben. Aber ob das so funktioniert!? Nicht das es dann heißt, wir hätten das alles suggeriert...
      Ich muss ehrlich sagen, dass sich diese Thematik für mich wie ein riesiger Sumpf darstellt!
      Ich denke, wenn wir unsere Beobachtungen dem Betreuungsgericht schriftlich melden, müsste man sich dieser Sache wohl annehmen...
      Lieben Gruß
      Stephan
    • hallo Stephan,

      das mit dem Gedächtnisprotokoll ist gut und euch gewiss noch nützen.

      Nun, wenn ihr Missstände beim Pflegedienst beobachtet und feststellt und dokumentiert und der Betreuer kategorisch einen Wechsel ausschließt, dann hat er wohl seine Gründe. Aber das muss euch nicht irritieren.

      Dass das Gericht natürlich über eure Intervention nicht begeistert ist, ist auch logisch. Die haben bekanntlich 'Arbeit ohne Ende und dass ein Betreuer es sich bequem macht und es zu Beschwerden kommt, ist deren Alltagsgeschäft. Ich möchte nicht wissen, wie die Zahl der Beschwerden seit der Gesetztesreform von 2005 gestiegen sind. Wenn Betreuung der Gesellschaft, also durch die von ihr gewählten Vertreter, nichts wert ist als gerade mal 5 Stunden im Monat, darf man sich nicht wundern.

      Sollte aber das Wohl des Betreuten andauernd missachtet werden, wird auch das Gericht nicht umhin kommen, sich den Nachweisen und Beschwerden zu stellen und Abhilfe zu schaffen. Zur Not kann man sowas auch ins Fernsehen bringen und dann machen manche Richter ein betretenes Gesicht, wenn sie eingestehen müssen, ihre Verantwortung vernachlässigt zu haben. Ist alles schon vorgekommen.

      Aber du hast natürlich völlig recht - letztlich entscheidet euer Nachbar über das, was er haben will und was nicht. Ihr könnt ihn nur beraten und ihm helfen, seine Rechte wahrzunehmen. Sollte euer Nachbar geschäftsfähig geblieben sein, heißt, er hat keinen Einwilligungsvorbehalt, so ist er durchaus in der Lage, euch eine wirksame Vollmacht zu erteilen, mit der ihr dann für ihn die notwendigen Dinge regelt. Gegebenenfalls könnt ihr dann auch für ihn einen Anwalt hinzuziehen, der sich der Sache annimmt und einen Betreuerwechsel, wenn es dann der Wunsch eures Nachbarn ist, durch zu setzen. Und da helfen dann ganz bestimmt eure Aufzeichnungen. Sollte nämlich das Gericht, ist ja ein Einzelrichter, eine Betreuerwechsel ablehnen, aus welchen Gründen auch immer, und erlässt darüber einen Beschluss, so kann dann der Anwalt gegen diesen Beschluss innerhalb von 2 Wochen Einspruch einlegen, so dass dann die Angelegenheit vor der Kammer entschieden wird. Die Kammer ist dann mit 3 Richter besetzt, die dann darüber entscheiden. Das dauert zwar alles seine Zeit, aber aussichtslos ist gar nichts. Aber wollen muss schon euer Nachbar.

      Viel Erfolg weiterhin und wenn noch Fragen sind beantworte ich sie gerne.
      Heinz