Namensänderung

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    • Namensänderung

      hallo allseits,

      bald nähert sich die Zahl der Mitglieder die der Beiträge. Das geht ja wohl nicht.

      Also will ich mal ein Geschehen schildern, das mir so noch nicht untergekommen ist. Ich habe vormals eine Mutter betreut, die auch ihr zwietes Kind in Pflege geben musste, weil sie sich nicht um ihre Kinder kümmern konnte und vernachlässigte.

      Nun habe ich ein Gespräch erlebt, wo die Sachbearbeiterin des Kindes, was bereits seit jahren bei den Pflegeeltern lebt, den Wunsch des Kindes den leiblichen Eltern überbrachte, den Nachnamen der Pflegeeltern annehmen zu wollen.

      Das hört sich erst einmal völlig unproblematisch an. Der Junge wird ständig gefragt, weshalb er denn nicht denselben Nachnamen seiner 'Eltern' hat, wenn er sich irgendwo anmelden muss oder aber seine Pflegeeltern werden mit seinem Nachnamen angesprochen. Das verstört immer wieder andere und bringt den Jungen und seine 'Eltern' dazu, sich rechtfertigen zu müssen. Und zu seinen leiblichen Eltern hat er keinen Kontakt mehr. Da liegt es doch nahe, dass er den Namen seiner Pflegeeltern annimmt, um auch dadurch seine Zugehörigkeit zu beweisen.

      Auf der anderen Seite erlebte ich aber die leiblichen Eltern, denen vormals der Junge schmerzhaft weggenommen wurde. Ob das alles so sein musste und nicht auch anders hätte laufen können, steht auf einem anderen Blatt. Passiert ist passiert. Und den Kontakt zu ihrem Sohn konnten sie auch nicht so einfach herstellen, weil es ja immer übers Jugendamt läuft, zurecht, weil ja auch der Junge und auch seine Pflegeeltern geschützt werden müssen.

      Doch hatten sie immer noch über die Jahre die Hoffnung, ihren Sohn wieder sehen zu können. Das werden sie vielleicht auch, wenn er denn volljährig ist und selbst entscheiden kann, ob sich seiner Ursprungsfamilie und seiner Vergangenheit stellen will oder nicht. Doch derzeit hat er nur begrenztes Interesse. Und nun wurden die leiblichen Eltern gefragt, ob sie sich einverstanden erklären.
      Das ist schwer zu beschreiben, welche Hoffnungen und Enttäuschungen und Ängste und auch Scham bei diesem Gespräch mit schwangen. Zunächst war eine klare und rigorose Ablehnung. Er ist unser Junge und bleibt das auch und das mit unserem Namen, Punkt. Am Ende des Gespräch waren reichlich Tränen vergossen und dem Wunsch ihres Jungen, den sie ja doch lieben, zugestimmt.

      Solche krasse Situationen sind auch für eingefleischte Sozialarbeiter nicht die Regel und nicht Tagesgeschäft. Wer hat nicht schon mal selbst in den Spiegel geschaut und sich klar gemacht, was im eigenen Leben nicht geklappt hat und wo man mit den schmerzlichen Konsequenzen leben musste. Da ist das Knöllchen wegen zuschnellen Fahrens noch Peanuts.

      Dann habe ich schon erlebt, wo mit der Zeit der Kontakt zwischen Eltern und Kind abgebrochen wurde, mal von den einen, mal von dem andern. Oder aber die nicht seltenen Scheidungen passen auch in diese Kategorie samt der Frage des Umgangsrechts und des Sorgerechts und dem Willen, trotz allem ja zu sagen zu dem gemeinsamen Kind und sich trotz aller Schwierigkeiten darum zu sorgen.

      Und in der Welt der Betreuungen kommt sowas ebenso vor. Ich möchte allen Mut machen, sich an fachkompetente Stellen zu wenden, sich helfen zu lassen und das Glück zu haben, so wie ich es immer wieder angetroffen habe, die wirklich fähigen und netten Menschen zu treffen. In diesem Sinn lasst es euch gut gehen
      Heinz