Wohnheim wünscht, dass ich die Betreuung abgebe

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    • Wohnheim wünscht, dass ich die Betreuung abgebe

      Hallo, bin neu hier und weiss nicht, ob das Thema hier hin gehört.
      Ich hätte folgende Frage:
      Mein Sohn 23jahre, geistig behindert, Epileptiker ( gut eingestellt ) mit dissozialem Verhalten und ungesteuerten Aggresssionen, wurde wegen seines auffälligen Verhaltens aus dem Wohnheim gekegelt ( Einrichtung sei für Ihn nicht geeignet. Jetzt verlangt das neue Wohnheim, welches Ihn Gott sei Dank aufgenommen hat, dass ich die Betreuung abgebe und mich nur noch auf die Vaterrolle konzentriere. Begründung: Sie hätten damit gute Erfahrung gemacht, wenn die Betreuung nicht in elterlicher Hand liegt.
      In dem alten Wohnheim waren die Betreuer der Bewohner jedoch meistens nahe Angehörige oder auch die Eltern.
      Ich verstehe den Sinn nicht, der hinter diesem Verlangen steht und hoffe, dass mir einer das erklären kann.
      Ich weiss jedoch, das unter den Pflegern ab und an von schwierigen Eltern gesprochen wird, dass kann in meinem Fall allerdings nicht der Grund sein, da mein Sohn erst seit 2 Monaten in dem neuen Wohnheim lebt.
      Wer kann mir hier einen Rat geben? Soll ich dem Wunsch des Wohnheims entsprechen?

      Viele Grüße
    • hallo eremit, (was für ein Alias - ich hoffe mal, dass du dich nicht als einen solchen siehst oder fühlst) und begrüße dich auch herzlich hier im Forum.

      nun zu deiner Frage: jeder Jeck ist anders, so heißt es hier im Rheinland. Und jedes Heim ebenfalls. Die haben ihre Erfahrungen mit Eltern oder sonstigen Angehörigen als Betreuer und haben ihre Schlussfolgerungen gezogen. Es ist schwer, dagegen anzugehen. Wohlmöglich haben sie auch was gegen deine Nase, sprich, sie haben die Befürchtung, dass sie es mit dir schwieriger haben, als mit einem beruflichen und fremden Betreuer. Das neue, inzwischen schon 8 Jahre alte Betreuungsrecht belässt den beruflichen Betreuer nicht viel Zeit, sich um die Betreuten zu kümmern. Um so größer sind die Freiheiten des Heimes, wo es praktisch keine Kontrolle mehr gibt und die machen und tun können, was sie allein für richtig halten; sowohl beim Einteilen des Taschengeldes, bei der Förderung und auch Forderung an einen mit geistiger Behinderung.

      Ich weiß, wovon ich spreche, da ich Mitglied bei der Lebenshilfe hier vorort bin und auch Betreute im Wohnheim und in der Werkstatt für angepasste Arbeit hatte, bzw. noch habe. Auch Menschen mit geistiger Behinderung und erst recht mit Tourette Syndrom oder ähnlichem können gefördert werden und werden natürlich entsprechend auch gefordert. Das ist für Angehörige mitunter schwer. Da spielen unterschiedliche Aktionen, Reaktionen, Hoffnungen, Ängste und sonstige Gefühle eine starke Rolle. Schließlich traut ihr euren Sohn anderen an und hofft, dass sie sich ihm so zuwenden, wie ihr es tun würdet, wenn ihr es könntet. Aber dem ist ja nicht so. Und es gibt solche und solche Pädagogen. Das kennen wir alle aus unserer Schulzeit. Und so ist es in den Heimen auch. Die einen haben schnell einen guten Draht zu eurem Sohn und zu euch, andere tun sich schwer, die dann sich selbst in ihrer Kompetenz herausgefordert sehen und vermeiden wollen, dass sie als Studierte und erfahrene Fachleute auch mal nicht weiter wissen.

      Aus dieser verzwickten Lage ergibt sich schnell die Ansicht, die Eltern möglich auf Distanz zu halten, bzw. sie zu entmachten. Heißt, sie sollen dem Heim und den Erziehern nichts mehr zu sagen haben. Statt dessen soll ein Externer, der sich kaum blicken lässt, bestellt werden. Anfänglich werden noch 7-8 Stunden pro Monat vergütet, was auch schon viel zu wenig ist, nach einem Jahr sind es dann rechnerisch nur noch 3-4 Stunden im Monat. Darin enthalten sind alle Fahrzeiten, alle Telefonate, aller Schriftverkehr mit dem Gericht oder sonstigen Personen. Es kommt vor, dass mancher Betreuer oder manche Betreuerin sich nur noch einmal im Quartal im Heim blicken lässt. Angehörige sind sich mal jede Woche oder alle vierzehn Tage vorort. Das bedeutet für das Heim mehr 'Elternarbeit', die sie möglicherweise nicht über den Kostenträger, sprich Kommune oder Kreis finanziert bekommen, also sich diese Zusatzarbet einfach ersparen wollen.

      Was tun? Ich an deine Stelle, würde den Stier bei den Hörnern greifen und um ein Gespräch mit der Pflegeleitung oder Heimleitung oder dem Gruppenleiter, der Gruppenleiterin ersuchen. Da würde ich dann an deiner Stelle versuchen deren Erwartungen aber auch Befürchtungen zu erfahren, was sie von dir bzw. von deiner Frau als Ersatzbetreuerin erwarten, wie Erreichbarkeit in Notfällen, aber auch Absprache Zuverlässigkeit, wenn Aufträge vergeben werden wie Arztbesuche oder Ferienaktionen oder oder. Dann würde ich denen was erzählen von der Zeit und dem Engagement beruflicher Betreuer, deren Arbeit kaum vergütet wird. Dann würde ich dem Heim ein Angebot machen, wo sie sich erst genommen und verstanden fühlen und auf deren Erwartungen eingehen. Wenn die möchten, dass euer Sohn am Wochenende zu euch nach Hause kommt, dann lässt sich klären in welchen zeitlichen Abständen. Wenn er etwas benötigt, könnt ihr es besorgen und vorbei bringen. Damit würdet ihr dann die Arbeit der Heimbediensteten nicht erschweren, was sie vermutlich befürchten, sondern erleichtern. Ich würdet zu Mitspelern.

      Sollten Sie sich jedoch uneinsichtig zeigen und auf ihrer Forderung bestehen, dass jemand anderes sich um euren Sohn kümmern soll (wohlmöglich ein Betreuer, der bereits mehrere Betreute im Heim hat und mit dem das Heim gerne auf ihre Art und Weise zusammenarbeitet, also einem Bekannten noch eine Betreuung zuschustern wollen), so würde ich knall hart meine Befürchtung äußern, dass sie auf die gesetzliche Lage spekulieren und sich unliebsamer Kontrolle entledigen wollen. Dann wäre vielleicht doch die Situation gegeben, mal die Heimaufsicht einzuschalten. So ein Schuss vor den Bug bewirkt mitunter Wunder. Dann wissen sie, mit wem sie es zu tun haben: fair play auf beiden seiten. beabsichtigen sie unfair zu spielen, werden die Bandagen ausgepackt. Ansonsten könne man auch gut mit einander kooperieren und zwar im gegensetigen Respekt.

      Das hört sich alles gut an. Doch käme es auf einen Versuch an. Ich wünsche dir und deiner Frau viel Glück, Erfolg, ein gutes Gespräch und verständnisvolle Gesprächspartner. In diesem Sinn
      Heinz