Betreutenzuteilung - wer bekommt was?

    • Hallo Heinz,

      über kurz oder lang ist es mit Sicherheit vorteilhafter sich unabhängig von den üblichen Zuteilungsverfahren zu machen, so wie Du es im 1. Beitrag geschildert hast. Genau das was Du geschildert hast, war auch meine Befürchtung, dass wir hier den Mikrokosmos einer Bananenrepublik in der Zuteilungspraxis begegnen. Nach oben alles offen, da ohne Kontrollinstanz nach gusto verteilt werden kann.

      Zu Posting 2 Abs.3, lt. herrschender Meinung, wie ich das so aus diversen Artikeln und Statements von Betreuern und Betreuten lesen konnte, gibt es auch bei Problemen mit Betreuern, so gut wie keine Stelle, wo sich schlecht Betreute Probanden beschweren können. Die Gerichte stellen sich überwiegend auf die Seite des Betreuers, halten an Ihrer ersten Entscheidung fest, lassen keine andere Meinung gelten, selbst Gegengutachtern von Anwälten werden abgeschmettert, da sie nicht von Gericht bestellt wurden. …wie beim Vatikan, ein Staat im Staat.

      Habe mich gefragt, warum im Vogtland kein einziger Berufsbetreuer eine Homepage hat? Gibt es ähnlich wie bei Anwälten oder Ärzten, eine Grenze für zulässige Werbung bei Berufsbetreuern?

      Deine beiden Postings Heinz, werden auf jeden Fall mit in mein Fundament beim Aufbau meiner zukünftigen Betreuer Tätigkeit Einfluss nehmen.

      Danke!

      Gruss Rita

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    • freut mich Rita dein Kompliment.

      so habe ich es bis zum Schluss erlebt. Das liegt allerdings bereits ein paar Jahre zurück. Die in deiner Stadt leben und bereits tätig sind, können dir erzählen, wie es bei dem für dich zuständigen Amtsgericht abgeht. Jedes Gericht hat so seine Marotten. Auch beim Betreuungsamt wird mitunter ein sachlich unpassendes Lied gezwitschert, soll heißen, dass auch die Verantwortlichen für die Empfehlung von ambitionierten Betreuerinnen und Betreuern ihr eigenes Süppchen kochen. So war es bei dem Betreuungsamt vor Ort. Da waren zwei Mitarbeiter, die für die Versorgung und Kontrolle der beruflichen BetreuerInnen zuständig waren und unter denen sowas wie Konkurrenz herrschte. Sehr ärgerlich. Der eine hatte dann auch so seine Fangemeinde, die er mit zusätzlichen Internas versorgte. Als ich mich mal zu der ilusteren Gesellschaft gesellte, wurde mir dann von anderen gesteckt, dass ich unerwünscht sei und doch beim nächsten Treffen tunlichst nicht dabei sein sollte. So entstand dann natürlich auch eine gewisse Konkurrenz unter den hiesigen BetreuerInnen. Logisch, da die einen mehr wussten als die anderen.

      Überhaupt gilt in dem Metier wie auch anderswo der Grundsatz, trau-schau-wem. Soll heißen, Kolleginnen und Kollegen sind so nett, wie du ihnen nicht in die Quere kommst. Und dann gibt es natürlich auch bei Gericht eine stille Post, wo sich die Rechtspflegerinnen über die Betreuer und Betreuerinnen austauschen. Das hat auch einen ganz plausiblen Grund - die Kolleginnen - meist sind es halt Frauen - sollen wissen, wer mit wem gut Kirschen essen ist von den Betreuern und Betreuerinnen und mit wem es Probleme gibt. Schließlich will ja auch ein Gericht ungern ins lokale Fernsehen kommen, wie bereits geschehen, weil sich Angehörige oder auch Betreute selbst massiv über Betreuer und Betreuerinnen beschwert haben. Da gab es in jüngster Vergangenheit einige unschöne Vorkommnisse, wo Betreute ins Altenheim verschoben wurden und der Geschäftsführer der Lebenspartner der Betreuerin war und dann auch das Anwesen der Betreuten gekauft hat. Ein ärgerliches Geschmäckle. Oder wo Betreuer und Betreuerinnen gröblich ihr Pflichten vernachlässigt haben und sich das Heim oder der Hausverwalter oder sonstwer über das offensichtliche Nichtstun der/des Betreuer/in beschwert haben.

      Nu wie gesagt, der Job ist nicht ungefährlich. Mich würde es brennend interessieren, wie die Zahl der Beschwerden bei Gericht über die Betreuer und Betreuerinnen in den letzten 8 Jahren angestiegen sind, wo nur noch ein eng begrenztes Stundenbudget vergütet wird und natürlich auch dementsprechend auch nur gearbeitet wird.

      Ähnliches erlebt ich mal, als ich mir zuvor in der Haus- und Eigentumsverwaltung bewarb, als mir im Bewerbungsgespräch offenbart wurde, dass ich mit über 100 Prozessen im Jahr rechnen müsse, da in den Eigentumswohnungen überwiegend Akademiker wohnen würden, die überwiegend Rechtschutz versichert wären und wegen Kleinigkeiten gegen andere Eigentümern und gegen die Hausverwaltung prozessieren würden.

      Nun sind die wenigsten Betreuten in der Lage, gegen die Betreuung und gegen die BetreuerInnen zu prozessieren, was auch eine Ungleichheit ist bzw. oft die Gefahr besteht, dass die Betreuten, eben weil sie betreut werden und oftmals psychisch eingeschränkt sind, weniger geglaubt wird, als den auch so integreren und bemühten BetreuerInnen.

      Aber der Missstand ist derselbe - es gibt wenig Geld und dafür weniger Leistung und mehr Enttäuschung bei den Betreuten und damit mehr Frust und Ärgernis. Also wirkt sich das wieder auf die Arbeit aus, weshalb BetreuerInnen es mit noch weniger Lust machen und eigentlich darauf bedacht sind, dass bei einer gewissen Anzahl an Betreuungen die Kasse stimmt und es sich rechnet.

      Insofern haben wir im Grunde wieder eine ähnliche Situation wie vor 1992, wo mancher Amtsbetreuer, damals waren es ja noch Vormüder, nicht selten über 100 Personen zu betreuen hatten. Mit dem Betreuungsgesetz sollte das behoben werden. Mit dem BetreuungsänderungsG wurde dann wieder die Rolle rückwärts gemacht.

      Ich kenne mehrere Krankenschwestern oder in der Pflege Tätige, denen geht es nicht viel anders - viel Maloche für wenig Geld und bei kleinster Unachtsamkeit gleich ein großes Tohowabuhu und Geplärr, da ja möglicherweise die Qualifikation und das nächste Audit gefährdet ist. Und der BdB wollte ja zugern auch so ein Audit für Betreuungen und möglichst noch selbst berechtigt sein, die Betreuer und Betreuerinnen und deren Arbeitsqualität beurteilen zu können. So sollten BetreuerInnen nur noch dann Betreuungen erhalten, wenn sie über das Jahr an einer Mindestzahl von Fortbildungen vom BdB qualifizierten und legitimierten Fortbildungsinstituten Seminare absolviert hätten. An den überteuerten Kosten hätte dann der BdB natürlich partizipiert. Und dann wollte der BdB auch gerne als Schiedstelle bei Streitigkeiten ernannt werden ähnlich einer Architekten- oder Ärztekammer. Hat aber nicht geklappt.

      Also auch hier - trau schau wem du dich anvertraust in Sachen der beruflichen Organisation. Schon aus diesen Gründen zog es mich zum BVfB. Andere haben mit dem BdB sehr gute Erfahrungen gemacht und können ihn guten Gewissens empfehlen.

      besten Gruß
      Heinz
    • hallo Rita,

      gute Fragen, die du stellst. Stell sie doch mal der Betreuungsbehörde, also der Stelle, die an und für sich dem Gericht den oder die Betreuerin empfiehlt. In der Regel ist der Ablauf ja so, dass irgendwer der Betreuungsstelle den Bedarf anzeigt, dass jemand mit den eigenen Angelegenheiten nicht mehr klar kommt. Das kann der Sozialdienst im Krankenhaus sein, damit die Zustimmung für eine Operation gegeben werden kann, weil der Patient es selbst nicht entscheiden kann, aber auch kein Notfall ist. Oder der Vermieter oder die Hausverwaltung, weil sich Nachbarn beschwert haben oder auch schon mal der Hausarzt oder auch das Geldinstitut, aber auch Nachbarn, Bekannte oder eben halt Angehörige. Dann prüft die Betreuugsstelle die Notwendigkeit, geht vorbei, führt Gespräche mit den Nachbarn und Angehörigen und nicht zuletzt mit dem zu Betreuenden. Und wenn die von der Not überzeugt sind, schreiben sie einen Aktenvermerk und einen Antrag ans Vormundschaftsgericht, dass eine Betreuung zu bestellen ist. Dafür bedarf es natürlich eines ärztlichen Gutachten. Manchmal verkürzt ein Attest des Hausarztes auch die Zeit. Und wenn dann der Psychiater die Notwendigkeit bescheinigt hat, geht es dann an die Betreuungsstelle zurück, bei der sich an uns für sich die BetreuerInnen melden, um weitere Betreuungen zu erhalten. Und wenn dann sonst niemand dran ist, gibt dann die Betreuungstelle die Empfehung ans Gericht, dass in dieser Angelegenheit der oder oder Betreuerin bestellt werden kann.

      Aber - an und für sich - deutet an, dass es auch alles ganz anders gehen kann. So ist man in einem Altenheim bekannt als Betreuer oder Betreuerin vielleicht, weil die eigene Mutter oder Großvater dort ist oder aus anderen Gründen. Und dann kommt die Anfrage, ob man denn noch Kapazitäten habe und bereit wäre, eine Betreuuung zu übernehmen und ob man sich der Person vorstellen möchte. Der Arzt der Bewohnerin habe bereits die Notwendigkeit der Betreuung bescheinigt. Dann führt man ein kurzes Gespräch, ob denn auch die Chemie stimmt und man selbst mit der Betreuten und umgekehrt es kann und gibt dann sein Einverständnis.

      Dann schreibt das Altenheim ans Gericht, legt die Bescheinigung des Arztes bei und die schriftliche Bescheinigung der Bewohnerin, dass sie gerne von dem oder der betreut werden möchte und zwar nach § 1897 Abs. 4 BGB [url]http://dejure.org/gesetze/BGB/1897.html[/url]

      wenn man bei Gericht schon bekannt ist, um so besser. Ansonsten muss man sich dem Gericht bekannt machenm hinsichtlich der eigenen Befähigung, Ausbildung, Kenntnisse, Fortbildungen, Berufs- und Lebenserfahrung.

      Beachtlich ist, dass dabei die Betreuungstelle praktisch nicht vorkommt. So können dann auch Betreuungen vergeben werden.

      In den letzten Jahren meiner Betreuertätigkeit habe ich von der Betreuungsstelle sogut wie keine Betreuung mehr bekommen, weil ich gar nicht mehr nachfragen musste. Ich wurde von anderen ersucht, Betreuungen zu übernehmen. Hilfreich ist natürlich auch bei diversen Pflegediensten bekannt zu sein, da die am ehesten die Notwendigkeit erkennen. Und wenn man durch die schon einen Kontakt mit der Patientin hat und eine Beziehung aufgebaut wurde, hat das Gericht so zu entscheiden, wie die Betreute oder der Betruete es sich wünscht. Der Vorteil ist, man selbst wird nicht mit irgendwelchen Betreuungen überrascht, wo man eigentlich nicht ohne Gesichtsverlust wieder rauskommt, aber auch die Betreute oder der Betreute weiß, womit er zu rechnen hat.

      Darüber hinaus gibt es natürlich bei der Betreuungstelle eine Liste und zwar über all die beruflich tätigen Betreuer, ob Amts- Vereins- oder freiberuflichen Betreuer. Und die Betreuungsstelle hat natürlich als sog. Querschnittaufgabe auch den Lebensunterhalt der bereits Tätigen Berufsbetreuer zu sichern, weshalb es schwierig ist, als Neuling in den erlauchten Kreis vorzustoßen. Das ist dann der Fall, wenn die bereits Berufstätigen keine Kapazitäten mehr haben oder einfach keine Betreuungen mehr übernehmen wollen und dann doch Betreuungen angeordnet werden müssen. Dann haben auch AnfängerInnen eine reelle Chance.

      Oder aber, wie gechieldert, durch die Hintertüre. Viel Erfolg
      Heinz
    • Betreutenzuteilung - wer bekommt was?

      Großes Thema, die Zuteilung der zu Betreuenden, von denen Ja jeder Selbständige abhängig ist,



      -wie läuft das Zuteilungsverfahren in der Praxis?
      -werden einige Betreuer immer bedient und wenn ja von wem?
      -gibt es Richtlinien für eine gerechte Zuteilung oder ist man einer Willkür ausgesetzt?
      -es geht nicht um die Hierarchie 1. Ehrenamtliche-2.Berufsbetreuer-3.Vereine-4.Behörden, sondern um die Zuteilung/Weitergabe an die Berufsbetreuer!

      LG Rita

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