Meine Mutter hat ein Vermögen verliehen, was kann ich machen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Meine Mutter hat ein Vermögen verliehen, was kann ich machen?

      Vielleicht kann mir ja jemand aus dem Forum eine weiterhelfen,ob ich in diesem Fall etwas tun kann
      oder ob ich es einfach so weiterlaufen lassen muß?

      Meine Mutter wird in einigen Monaten 83 Jahre. Sie lebt ca.
      340 km entfernt von mir alleine in der Wohnung. Mein Vater liegt seit ca. 4
      Jahren im Altenheim.

      Seit Anfang 2009 verleiht sie Geld an einen jungen Mann (ca.
      45 – 48 Jahre), der mit der Lebensgefährtin im 2 Stockwerke über ihr im
      gleichen Haus wohnt. Er erzählt ihr die tollsten Geschichten, warum er dringend
      mal wieder eine größere oder auch kleinere Summen Geld braucht und beteuert
      immer wieder, dass sie das Geld auch ganz bestimmt zurück bekommt. Genauso
      abenteuerlich sind dann die Erklärungen, warum es gerade nicht geht aber sie
      ganz bestimmt nächste Woche das Geld bekommt.

      Im Herbst 2009 habe ich dann mit ihr gemeinsam eine Strafanzeige gestellt, da er in der Zwischenzeit
      bereits 20.000 € von ihr bekommen hatte. Sie war nicht ganz damit einverstanden, aber ich habe sie überzeugt,
      dass sie etwas tun muß und sie hatte mir versprochen, kein Geld mehr zu „verleihen“.

      Meine Empfehlung, einen Rechtsanwalt einzuschalten, ist sie
      auch nur widerwillig nachgekommen. Es blieb beim Info Gespräch mit dem Anwalt, weitere Schritte, die Strafsache
      zu verfolgen, hatte sie nicht mehr unternommen.

      Im Jahr 2010 war das Strafverfahren dann beendet und der junge Mann wurde zu einer bestimmten Anzahl
      von Tagessätzen verurteilt (das Geld dafür hatte er sich auch wieder von meiner Mutter geliehen).

      Auf Nachfragen bei meinen Besuchen oder telefonisch hat sie mir immer wieder versichert, dass sie nichts
      mehr verleiht. Bei einem meiner Besuch im Sept. 2012 habe ich dann mitbekommen, dass er schon wieder 18.000 –
      20.000 € von ihr erbettelt hatte.

      Meine Mutter fühlt sich einsam. Er leistet ihr Gesellschaft und kommt 2 – 3 x am Tag zum Kaffeetrinken
      und plaudern. Besucht stellvertretend für sie meinem Vater im Altenheim (er nennt ihn Vati), auch mit
      ihr gemeinsam und kümmert sich auch sonst ein bißchen um meine Mutter, die er Mutti nennt.
      Meine Mutter ist in der Zwischenzeit schon in eine große Abhängigkeit geraten und hat wohl Angst,
      wenn sie ihm kein Geld gibt, dass er sich dann nicht mehr um sie „kümmert“.

      Dieser „junge“ Mann ist übrigens bei der Polizei schon bekannt gewesen, wohl wegen anderer Betrügereien.
      Er leiht sich auch noch von anderen (auch z. B. von einem anderen Ehepaar im Haus) Gelder, die er nie mehr
      zurückzahlt.

      In der Zwischenzeit sind auch die letzten Ersparnisse meiner Mutter an ihn übergegangen. Insgesamt müssten
      dies so um die 55.000 € bis um die 60.000 € gewesen sein (wenn es nicht sogar noch mehr ist)! Anfang der Woche
      bekomme ich einen Anruf einer Bekannten meiner Mutter, bei der sie sich ganz dringend Geld leihen wollte.
      Ein paar Tage später hat sich mich angerufen und um Überweisung einer größeren Summe gebeten, die sie dringend
      braucht, da sie die Rechnungen des Altenheims für meinen Vater nicht mehr bezahlen kann und sie im Rückstand ist.
      Noch dazu habe ich dann nach mehreren Gespräche mit dem Altenheim und der Bank erfahren, dass sie einen Kredit
      aufnehmen wollte und ihr von der Bank ein Dispo von 2.000 € eingeräumt wurde, den sie in der
      Zwischenzeit auch schon fast ausgenutzt hat. Vor ca. 1 Jahr hatte sie übrigens auch noch ihren Schmuck verkauft (ca. 2.000 €).

      Die Rente meines Vaters deckt die Kosten des Altenheimes nicht ab. Meine Mutter muß ca. 200 - 300 Euro aus ihrer Rente
      selbst finanzieren. Lt. Auskunft des Sozialamtes, mit dem ich telefoniert habe, ist sie nicht sozialhilfefähig.

      In der Zwischenzeit hat sie Schulden in Höhe von ca. 6.000 € gemacht (die sie auch nie mehr zurückzahlen kann)
      und versucht sich nun ebenfalls bei „anderen“ Leuten Geld zu leihen. Teilweise um ihre eigene finanziellen
      Angelegenheit zu regeln und auch – ich werde noch bald wahnsinning – ihm wieder Geld geben zu können.

      Ich war jetzt gerade 2 Tage bei ihr und habe versucht, mit der Bank und dem Pflegeheim und mit ihr die
      Angelegenheit zu besprechen. Vorschlag des Plfegeheims war, dass sie die Rente meines Vaters sofort
      an das Plegeheim umleitet eine Einzugsermächtigung über den Restbetrag incl. einer Abzahlungsrate macht,
      um von ihrem Rückstand runter zu kommen. Das will sie nicht, damit sie mit dem Geld jonglieren kann.
      Und ich kann sie ja nicht zwingen.

      Sie lügt mich bewiesenermaßen an, kann sich oder will sich nicht erinnern, wenn ich hinterfrage und sagt mir,
      dass er jetzt ganz bestimmt nichts mehr bekommt. Was ich nach fast 4 Jahren Geld verleihen, natürlich nicht
      mehr glaube.

      Was kann ich tun? Ich fühle mich absolut hilflos und muß mit zusehen, wie er meine Mutter um ihre
      Lebensersparnisse gebracht hat und jetzt auch noch in eine Schuldenspirale. Seit Jahren jammert sie mir vor,
      dass sie kein Geld für die Straßenbahn hat (zu teuer – das kann sie sich nicht leisten – oder für andere Dinge)
      während sie gleichzeitig ihr ganzes Vermögen an ihn verschenkt hat. Wenn ich sie dann darauf hinweise, beendet
      sofort und kommentarlos das Telefongespräch. Das will sie nicht hören.

      Ein Gespräch mit einem Anwalt (Beratung) hat mich auch nicht weiter gebracht. Der meinte, das ist das Geld
      ihrer Mutter und damit kann sie machen was sie will. Ist schon klar, aber jetzt macht sie auch noch eigene
      Schulden.

      Manchmal denke ich, ob sie nicht mehr ganz klar im Kopf ist? Jeder der meine Mutter kennt, weiß, wie „geizig“
      sie normalerweise mit dem Geld umgeht und versteht die Welt nicht mehr, dass sie ein Vermögen verliehen/verschenkt
      hat hat. Auf jeden Fall ist jetzt NICHTS mehr da!

      Kann ich sie unter Betreuung stellen lassen? Ich bin wirklich verzeifelt, weil ich keinerlei Einfluß auf sie habe (auch der kleine
      Bekanntenkreis nicht) und sie absolut beratungsresistent ist.

      Danke für eventuelle Informationen.
    • hallo Anna-Belle

      es ist eine sehr vertrackte und traurige Geschichte und die mich spontan an die Geschichte von 'Bettencourt erinnerte zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2011-10/bettencourt-vormund

      da war es Sarkozy oder andere, denen die Mutter Geld und Vermögen gab. Auch dort fiel es der Tochter schwer, den Nachweis zu erbringen. Aber sie hat es schließlich gebracht. Viel Vermögen ist auch dort letztlich verloren.


      Du kannst nichts anderes tun, als beim zuständigen Amtgericht, wo deine Mutter wohnt, die gesetzliche Betreuung und den Einwilligungsvorbehal.t beantragen. Dann wird sie psychologisch begutachtet und ihre Finanzen insb. die Heimkosten und ihr Lebensunterhalt gesichert. Das ärgerliche an der Angelegenheit ist, dass du als Tochter unterhaltspflichtig bist und deine Mutter, obwohl sie mal vermögend war, und auch deinen Vater unterstützen musst, soweit du es selber kannst.

      Ansonsten würde ich alles versuchen, und das ohne deine Mutter, die Gelder , ist ja schließlich dein Erbe, zurück zu holen. Ohne Anwalt wirds nicht gehen. Aber nicht mit oder für deine Mutter, sondern gegebenenfalls auch gegen ihren Willen jedenfalls ohne sie. Denn auch wenn du nicht auf das verlorengegangene Erbe erpicht bist, es ist dein Schaden, wenn du deine Eltern finanziell unterstützen musst, obwohl genügend vorhanden war. Gibt es irgendwelche Belege, dass deine Mutter das Geld verliehen hat, Schuldscheine oder dgl? Viel Erfolg
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Habe heute noch mit allen möglichen Leuten/Hausbewohnern telefoniert um das Ausmaß dieser Geldleih-Aktionen abchecken zu können, nachdem ich ja bei meinem Besuch mitbekommen habe, dass meine Mutter nun das Gleiche macht wie ihr "Adoptivsohn".

      Ich glaube, ich werde um die Maßnahme einer gesetzlichen Betreuung und den Einwilligungsvorbehalt (wie von Dir vorgeschlagen) für die Finanzangelegenheit nicht drum herum kommen. Habe mich da auch ein bißchen durch das Internet gelesen, was ein Einwillungsvorbehalt bedeutet. Das Erbe werde ich nie und nimmer zurückholen können, da dieser Betrüger kein Geld hat. Er hat (das habe ich mal vor 2 Jahren durch eine Wirtschaftskanzlei ermitteln lassen), schon 2 Insolvenzen hingelegt. Die letzte war ca. 1 Jahr bevor er bei meine Mutter anfing sie um ihr Geld zu erleichtern. Außerdem bezieht er seit ca. 2 Jahren EU-Rente, die knapp unter dem Pfändungssatz liegt. Es ist bei ihm absolut NICHTS zu holen.

      Ich persönlich kann gegen den Willen meiner Mutter nicht gegen ihn vorgehen. Sie nimmt ihn verbal auch immer wieder in Schutz. Und wenn ich es richtig vermute, dann hat sie ihm gestern, nachdem ich von ihr weggefahren bin, schon wieder Geld gegeben. Sie hatte nämlich, das wußte ich von meinem Besuch auf der Bank, einen Tag bevor ich gekommen bin, weitere 350 Euro ihres Dispos in Anspruch genommen und war am Samstag bei einem Nachbarn und hat sich da nochmals 100 Euro geliehen. Macht zusammen 450 Euro, die sie eigentlich gar nicht "braucht", schon mal gar nicht vor den Pfingsfeiertagen. Ich schätze, er hat sie irgendwie unter Druck gesetzt, dass er wieder dringend ein paar Hundert Euro braucht. Aber meine Mutter hatte mir hoch und heilig versprochen, ihm endgültig nichts mehr zu geben. Ich kann das alles absolut nicht begreifen und nachvollziehen! Und ich kann gegen diesen Lügerner und Betrüger nicht gesetzlich vorgehen. Ich muß mit ansehen, wie er meine Mutter weiterhin ausnimmt.

      Ich war am überlegen, ob ich mich anbiete, eventuell die Betreuung zu übernehmen. Aber nach den Informationen, die ich bisher sammeln konnte, wird es wohl besser sein, wenn es ein gesetzlicher Betreuer macht. Noch dazu habe ich diese große Entfernung zurückzulegen, wo man nicht mal schnell vorbeifahren kann um nach dem Rechten zu schauen oder kurzfristig Dinge vor Ort zu veranlassen

      Wenn noch ein paar Anregungen kommen, bin ich sehr dankbar.

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • hallo Anna-Belle,

      die Betreuung für deine Mutter zu übernehmen fände ich nicht gut. Zum einen wohnst du zu weit weg zum andern bist du ihr zu nahe. Die Beziehung zwischen euch ist jetzt schon schwer beeinträchtigt.

      Ein Berufsbetreuer kann möglicherweise den Auftrag vom Gericht erhalten, die Rückzahlungsforderung gegenüber dem Nachbar titulieren zu lassen. Auch wenn nicht viel zurück zu holen ist, würde es schon die Unrechtmäßigkeit seines Verhaltens offenbar machen.

      Ich an deiner Stelle würde zumindest die Geldinstitute dahingehend informieren und auffordern, keinen Dispo oder sonstigen Kredit zu gewähren und bei jeglichem Versuch, dich umgehend zu informieren. Auch würde ich bei der nächsten Polizeidienststelle vorbei gehen und die Chancen einer Anzeige wegen Betrugs erfragen. Denn schließlich ist das Ausnehmen deiner Mutter Trickbetrügerei. Er hat ja gar nicht die Absicht, das Geld zurück zu zahlen. Und da deine Mutter scheinbar ihm ausgeliefert ist, nutzt er ihre Hilflosigkeit und Naivität schamlos aus. Und so ein bisschen Ermittlungsarbeit kann ihm auch schon mal zusetzen. Weshalb es in der Vergangenheit nicht geklappt hat, kann auch andere Gründe gehabt haben.

      Jedenfalls ist es sehr ärgerlich und ich würde es mir nicht gefallen lassen, zumal du letztlich auch noch zu Schaden kommst, weil deine Muitter und auch dein Vater letztlich auf dich angewiesen sind.

      In diesem Sinn viel Kraft und ERfolg
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      vielen lieben Dank für Deine Antwort. Dies entspricht auch meinen Überlegungen heute Nacht (es dreht einem ja das Herz irgendwie um!).

      Geldinstitut habe ich nochmals persönlich informiert, als ich da war, dass der Dispo auf den derzeitigen Stand begrenzt wird. Beerdigungen für meine Eltern sind ebenfalls schon bezahlt, da werde ich morgen anrufen, dass dies nicht mehr zurückgefordert wird, ebenso 3 Monatsmieten incl. NK für die Wohnung, die meine Mutter auch schon mal vor Jahren geleistet hat, sollte ihr mal was passieren. Zumindest will ich wissen, damit ich gleich einschreiten kann, wenn sie den Versuch macht, an die Gelder zu kommen. Da bin ich jetzt vorgewarnt.

      An dem Tag, als mich meine Mutter weinend um eine Geldüberweisung gebeten hat, habe ich auch wieder mit der Polizeidienststelle telefoniert, bei der wir damals die Strafanzeige gestellt hatten und hab' gefragt, was man da tun kann. Leider NICHTS, außer eine erneute Strafanzeige stellen. Damals wollte meine Mutter schon nicht (wohl aus Angst, dass er sich dann nicht mehr "kümmert"), und ich glaube nicht, dass sie das nochmals macht. Angeblich hat sie ja auch die Zettel, auf der sie die ganzen Beträge stehen hat zerrissen an dem Tag bevor ich gekommen bin (vermutlich dass sie mir die nicht zeigen muß - aber das habe ich ihr mit dem Zerreißen nicht so ganz abgenommen).

      Ich habe nun heute morgen, nachdem ich mich in der Nacht doch entschieden hatte, den Dispo auszugleichen (ich kann mir sonst nicht mehr selbst in die Augen sehen, wenn ich sie so extrem hängen lasse), mit ihr telefoniert und sie schien ganz einsichtig. Dass ich das Ausgleiche will sie erstmal nicht, weil sie hofft, dass nächste Woche Geld kommt, so lange soll ich warte damit. Und sie verspricht mir beim Gedanken an die Oma, dass sie ihm nie wieder Geld gibt (diesmal war/bin ich fast geneigt, es das erste Mal zu glauben). Ich habe ihr auch nochmals gesagt, dass sie nichts mehr in der Hand hat, wenn es stimmt, dass sie die Zettel zerrissen hat, um gegen ihn vorzugehen. Sie meinte dann, dass sie die Summen noch notiert hätte. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich diese (das hatte sie in der Vergangenheit nicht mehr gemacht) von ihm als erhalten gegenzeichnen lassen. Das will sie tun (mals sehen, ob sie es macht).

      Ich habe ihr auch gesagt, das schaue ich mir bis Ende der Woche an und dann werde ich beim Betreuungsgericht anrufen und die Situation schildern und beantragen, dass sie einen rechtlichen Betreuer für die Finanzangelegeheiten bekommt und dann ist Ende Banane. Meine Überlegung war übrigens auch, dass dieser Betreuer, da er ja vom Staat finanziert wird, entsprechende Schritte gegen den "Adoptivsohn" veranlassen wird.

      Soweit ich mich da belesen habe gibt es ja die Möglichkeit, dass so etwas sehr schnell entschieden werden kann. Ich denke, dass diese Angelegenheit schon eilig ist, um noch weiteren finanziellen Schaden abzuwenden.

      Jetzt gilt es, diese Woche noch abzuwarten (mal wieder) und dann werde ich hinsichtlich Betreuung aktiv.

      Lieber Heinz, ich danke Dir sehr für Deine Überlegungen und moralische Unterstütztung.

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • hallo Anna-Bella,

      ich bin beeindruckt und sehr angetan von deiner Vorgehensweise, einerseits straight andererseits auch nachsichtig und mitfühlend. Eine selten anzutreffende Kombination, obwohl es DIE Vorgehensweise ist. Ich arbeite im sozialen Bereich und hatte bereits als Berufsbetreuer einen ähnlichen Fall. Da waren drei Söhne, die sich unterschiedlich um ihre Mutter kümmerten. Einer ganz besonders, der sich von seiner Mutter die Schecks unterschrieben ließ, das Konto abräumte und ihr gerade mal was zum Essen und Trinken daließ. Als dann die Stadtwerke den Strom abzuklemmen drohten, wurde dann einer der anderen wach, beantragte die gesetzliche Betreuer. Ich erhielt sie mit Einwilligungsvorbehalt und wiederrief sogleich sämtliche Vollmachten, was bei der Bank auf Verwunderung stieß, da der Sohn doch so nett und fürsorglich war.

      Nun hatte ich den Part, nicht nur für die betreute alte Dame die Gelder zu requirieren, sondern auch noch den Streit zwischen den Brüdern auszufechten. Sich in Familienangelegenheiten einzumischen, ist immer schwierig, zumal die Gerichte, selbst zum Familiengericht gehörig, sich in der Regel wenig Gedanken um die individuellen innerfamiliären Strukturen machen. Sie nehmen die oft scheinbaren und angeblichen Fakten und Paragraphen und versuchen, beides halbwegs in Übereinstimmung zu bringen. Da aber Gericht auf Schriftsätze und Aussagen, von wem auch immer, angewiesen sind, funktioniert es oftmals wie bei der stillen Post.

      Ich schreib es dir, damit du dir von einem Berufsbetreuer nicht allzu viele Hoffnungen machst. Aber deine Bemühungen bisher und die Enttäuschungen und Desillusionen bewahren dich davor, Unmögliches zu erwarten.

      Letztlich geht es um Schadensbegrenzung, also das nicht noch mehr Dummheiten fabriziert werden und der Spuk ein Ende hat. Was weg ist, wird wohl auch weg bleiben. Obwohl manche Pfändung in der Wohnung oder auch Taschenpfändung schon das eine oder andere ausgleichen ließ. Ich würde nicht zögern, einen Schadenersatzanspruch geltend zumachen um dann mit Titel und Zwangsvollstreckung ihm möglicherweise seinen überdimensonierten Fernseher aus der Wohnung holen zu lassen.

      Ich würde es auch mit einem Mahnverfahren versuchen. Versäumt er nämlich die Einspruchsfrist, kommt es einem Versäumnisurteil gleich und ohne großen prozessualen Aufwand hättest du einen Titel und könntest sofort vollstrecken lassen.

      Aber vielleicht lässt er sich auch während der Einspruchsfrist auf Verhandlungen ein. Eine kleine Anekdote noch zum Schluss: meine Frau verkaufte wegen eines Umzugs ihren Küchenherd für kleines Geld, das aber der Käufer trotz mehrfacher Mahnung nicht zahlen wollte. Dann habe ich ihr ein Schreiben aufgesetzt und ihr geraten, sich vor die Wohnung des Schuldners zu setzen. Als er dann abends nach Hause kam, bat sie, sich mit ihm zu unterhalten und bat ihn, ihr ein Pfand mitzugeben - z.B. den Videoplayer. Vor 20 Jahren war das noch ein wichtiges Gerät. Als er zögerte, wurde laut an die Polizei gedacht. Als er ihr versprach, das Geld zahlen zu wollen, zückte sie das Schreiben mit der Einwilligung zum Eigentumübergang, sollte er nicht bis zum vereinbarten Termin zahlen.

      So brauchten wir keinen Prozess, keinen Anwalt, keinen Gerichtsvollzieher. Und da ihm das Videogerät wichtig war, war dann auch das Geld pünktlich aufm Konto. Das Gerät haben wir dann natürlich persönlich vorbei gebracht, dass das Gerät heile auch ankam.

      In diesem Sinn wünsch ich dir viel Erfolg. Noch ist nicht aller Tage Abend und auch so einem Hallodri und Trickbetrüger hat was, was ihm wichtig ist und wofür er bereit wäre, Opfer zu bringen. Das gilt es ausfindig zu machen und geschickt im Rahmen der Gesetze sich zu Nutze zu machen.

      besten Gruß
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      danke für Deine positive Einschätzung. Es ist mir schon sehr schwer gefallen, meiner Mutter gegenüber nunmehr so konsequent und bestimmend aufzutreten und ihr auch mit einem Betreuer für Finanzangelegenheiten zu "drohen". Ich habe noch nie so mit ihr geredet, wie ich es bei meinem Besuch getan habe. Ich gehöre noch der zu der Generation (über 60 Jahre), die mit sehr viel Respekt vor den Eltern erzogen wurden. Und es war allerdings auch zum Teil Selbstschutz für mich gewesen um nicht wahnsinnig zu werden über die Gutgläubigkeit, mit der sie ihr Vermögen verschenkt.

      Ich kann mir vorstellen, dass ein Betreuer, der wie Du seine Aufgabe ernst nimmt und auch noch Menschlichckeit mit einbringt, immer einen Balance-Akt vollziehen muß und auch viel Einfühlungsvermögen braucht. Es ist sicherlich nicht einfach, dann allen Seiten gerecht zu werden. Leider gibt es wohl, so meine bisherigen Recherchen in Internet, doch sehr viel Probleme mit anderen Betreuern, die ihre Aufgaben nicht so menschlich sehen, wie Du sie wahrnimmst.

      Ich habe jetzt mit dem Beerdigungsinstitut gesprochen. Es wäre tatsichlich möglich gewesen, diesen Vertrag aufzulösen!!! Was bin ich froh, dass ich da angerufen habe. Die werden es, sollte die Anfrage kommen, blockieren und mich informieren. Bei der Bank habe ich nochmals gesagt, dass bei dem jetzigen Stand der Dispo für ihr eigenes Konto beendet ist und dass sie auf das Konto meines
      Vaters keinen Dispo bekommt. Außerdem will ich einen Online-Zugang zu beiden Konto, um von hier aus zu sehen, welche Kontobewegungen es gibt.

      Mit der Hausverwaltung habe ich auch gesprochen wegen den 3 Monatsmiete, die, wie ich hörte eigentlich die Kaution ist (meine Mutter hatte es mir gegenüber immer anders formuliert). An das Geld kommt sie natürlich, weil Mietkaution, auch nicht dran.

      Gleichzeitig habe ich von der Dame, die ich auch bei einem ihrer Besuch bei meiner Mutter persönlich kennengelernt habe, gehört. Das das tolle Pärchen vor ungefähr einem halben Jahr wieder die eidesstattliche Versicherung (Insolvenz) abgegeben hat. Beide also! Aufgrund eines Prozeßes mit der Hausverwaltung, weil er ja eine ganze Zeit lang seine Mieten nicht bezahlt hatte, stehen noch, wegen dem verlorenen Prozeß die RA-Kosten zu Gunsten der Hausverwaltung aus.

      Es sitzen ihm eine ganze Menge Gläubiger im Nacken und bevor ich auch nur einen Cent bei ihm mit dem Gerichtsvollzieher holen könnte, sind die zuerst dran an der Quelle. Also auch da: Keine Chance!

      Ab und an gibt er ja, wie ich nach meinem Besuch dann beim Telefongespräch mit einem anderen Hausbewohner gehört hatte, ein paar Hundert Euro an seine "Gläubiger" zurück. Aber nur weil der ihm mit einer Strafanzeige gedroht hat.

      Er hat jetzt für heute im Laufe des Tages meiner Mutter wieder das Geld versprochen - wird bestimmt wieder nix werden und auf morgen verschoben. Aber ich habe meiner Mutter nochmals eingeschärft, wenn er kommt, sich die "geliehenen" Beträge abzeichnen zu lassen. Ich weiß jetzt auch die genaue Summe, mit den 20.000,- aus der Strafanzeige vor einigen Jahren, sind es insgesamt ca. 54.000 €.

      Mit dem Betreuungsgericht habe ich heute auch telefoniert. Ich bin da bei der Auskunft nicht unbedingt weiter gekommen (soll eine Betreuungsanregung stellen). Und wenn ich eine umfassende Vorsorgevollmacht hätte (die habe ich incl. Finanzen, Gesundheit etc.) dann könnte ich da schon die Betreuung hinsichtlich der Finanzen übernehmen. Ich weiß jetzt nur nicht ob das so stimmt? Habe aber die Telefon-Nr. der zuständigen Richterin? bekommen mit dem Hinweis, dass jetzt aber Pfingstferien sind und die Dame nicht zu erreichen ist. Werde jetzt warten, was sich in den nächsten Tagen finanziell ergibt und es nach den Ferien nochmals versuchen, da eine umfassendere Auskunft zu erhalten.

      Nach mehreren Telefongesprächen in den letzten 2 Tagen mit meiner Mutter habe ich den Eindruck, dass sie so ganz langsam versteht, in welcher Situation sie ist bzw. sich gebracht hat. Sie "droht" mir dann zwar zwischendurch, wenn sie die Situation beim Telefongespräch und die Erkenntnis des Ausmaßes ihrer finanziellen Situation überfordert, sich umzubringen und sagt mir, dass sie nicht mehr leben will. Aber das "Risiko" muß ich wohl eingehen.

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • hallo Anna Bella

      noch ein paar Anmerkungen:
      a) dass er Angst vor der Strafanzeige hat zeigt seine Schwachstelle. Vielleicht lässt sich da ja doch noch was mangeln.

      b) Das Betreuungsgericht macht es sich scheinbar einfach. Vor einer Betreuung durch dich möchte ich nur warnen. Angehörige haben mitunter nicht die Möglichkeiten im Rechtsverkehr wie ein Berufsbetreuer. Der oder die wird dann doch eher als eine Amtsperson des Gerichts angesehen und Angehörige eher in Sippenhaft genommen nach dem Motto, sind ja selbst schuld.

      Deshalb würde ich mich auch nicht auf die Vollmacht verweisen lassen. Die hat gute Dienst getan und kann auch bis zur gesetzlichen Betreuung noch nützlich sein. Doch dann sollte sie auch sich erübrigen. Die finanziellen Angelegenheit sind nicht nur im Verhältnis zu deiner Mutter oder den Gläubigern oder dem Schuldner der umfangreichste, sondern und vor allen Dingen gegenüber dem Gericht, denn das Gericht möchte nämlich über jede Verwendung von Euro nachvollziehbar Bescheid wissen. Also Vermögensverzeichnis und nach einem Jahr Rechnungslegung. Viel Spaß damit. Manch Angehöriger hat schon deswegen einen Rochus aufs Gericht wegen der Klinkenfisterei.

      c) Dass es deiner Mutter mitunter zuviel wird, ist gut zu verstehen. Doch sollte sie versuchen, dich unter Druck zu setzen, sag ihr, dann käme der Medizinische Dienst der Krankenkasse oder der sozialpsychiatrische Dienst und würde die latente oder akute Selbstgefährdung prüfen und möglicherweise auch einen vorübergehenden Aufenthalt in der Psychiatrie empfehlen. Mal sehen was sie dann dazu sagt.

      In diesem Sinn weiterhin viel Erfolg
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      danke für Deine erneuten Infos und Tipps.

      In der Zwischenzeit habe ich mit einer Sozialhelferin aus einem KH gesprochen. Eine Bekannte meiner Mutter, die da arbeitet, hatte sie auf den Fall angesprochen und sie hatte angeboten, dass ich mit ihr Kontakt aufnehmen kann.

      Was sie mir empfohlen hat, deckt sich mit dem, was Du geschrieben hast:

      Es wäre eine gesetzliche Betreuung notwendig. Solange sie als "geistig gesund gilt" darf ich nichts gegen ihren Willen machen, auch NICHT mit der Vollmacht! Parallel dazu wäre aber auch klar, dass ein gesetzlicher Betreuuer ohne ihre Einwilligung auch nichts machen kann.

      Ihr müsste die Geschäftsfähigkeit abgesprochen werden, weil "Gefahr in Verzug". Das könnte sein, weil sie sich evtl. etwas antut und auch Gefahr in Verzug, weil sie das Geld ausgibt, das sie für die Pflegekosten (Altenheim) braucht.

      Sie meinte auch, nachdem was sie von mir über das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber gehört hat, dass es nicht ratsam wäre, die Betreuung selbst zu übernehmen!

      Gestern hat sich meine Mutter (dies ohne meine Empfehlung) einen Beratungstermin beim Anwalt geben lassen. Ich habe bereits mit dem Anwalt telefoniert und ihm schon mal vorab per mail die von mir verfasste 4seitige Strafanzeige (mit den damaligen mir bekannten Infos über seine Zahlungen an meine Mutter, die dann aus den in der Anzeige beschriebenen Gründen wieder nicht funktioniert haben) und die schriftliche, letzte Zahlungsaufforderung, in der ihm mit entsprechenden rechtlichen Schritten gedroht wurde, zugemailt. Damit er sich vor dem Gespräch schon ein Bild von der Situation machen kann. Frage war, ob es ratsam ist, dass ich bei diesem Gespräch dabei bin. Aber wir sind dann zu der Meinung gekommen, dass es besser ist, wenn sie das alleine macht, damit sie sich nicht beeinflußt oder unter Druck fühlt.

      Von dem Altenheim bekomme ich jetzt immer zur Info die Rechnungen per mail zugesandt. Gestern hat mir jemanden aus dem Bekanntenkreis empfohlen, die Vereinbarungen mit der Bank und dem Beerdigungsinstitut nochmals schriftlich zu bestätigen, damit da nichts schief läuft. Habe ich alles schon gemacht und in den Briefkasten geworden.

      Ich muß sagen, ich bin ganz angetan, wieviel Hilfe und Unterstützung mir angeboten wird und auch hier von Dir in diesem Forum. Es wird jetzt auch für mich eine klarere Linie für eine Vorgehensweise meinerseits ersichtlich bzw. fange ich an, mit den ganzen Informationen die Situation besser einschätzen zu können.

      Meine Mutter glaubt aber immer noch an die Rückführung der Gelder!!! Und Du liegst ganz sicherlich richtig, dass er Angst für einer erneuten Strafanzeige hat. Die ich aber erstmal ohne das Einverständnis meiner Mutter nicht machen kann, zum anderen wird erst die Unterschrift des "Schuldners" auf der erneuten ausgeliehenen Summe gebraucht. Dann werden wir in diese Richtung weiter sehen.

      Ich habe übernächste Woche neu terminiert, wieder zu ihr zu fahren, um dann mit ihr zur Bank zu gehen, den Dispo auszugleichen und dabei zu sein, wenn eine der ausstehenden Altenheim-Rechnungen überwiesen wird.

      Ich werde weiter berichten oder um Deinen fachkundigen Rat bitten :-))).

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • hallo Anna-Bella,

      die Sozialarbeiterin hat es gewiss gut gemeint, aber leider ist sie keine Juristin und mag das Rechtliche auch aus Sicht ihrer Arbeit im Krankenhaus betrachten. Dann mag sie für sich Recht haben. Doch generell liegt sie - glücklicherweise - etwas daneben.

      Eine private Vollmacht wird im Gesetz nach den §§ 164 BGB ff behandelt und da heißt es dejure.org/gesetze/BGB/164.html dass die Willenserklärung des Vertreters unmittelbar gegen den oder bei dir nun die Vertretene gilt. Der Jurist kennt den Satz - Trau schau wem. Soll heißen, wem ich eine Vollmacht gebe, sollte ich vertrauen, da er auch Erklärungen für mich gibt oder entgegen nimmt, die nicht im meinem Sinn war.

      Die Vollmacht kann dann nach § 168, 167 BGB widerrufen werden. In deinem Fall kannst du sehr wohl mit der Vollmacht deiner Mutter Erklärungen abgeben und Anweisungen erteilen und auch Absprachen treffen, die deiner Mutter nicht passen und ihrem ausdrücklichen Willen widersprechen. Wenn sie es nicht will, muss sie die Vollmacht widerrufen oder zurücknehmen.

      Doch auch im Betreuungsrecht kann der Betreuer Entscheidungen gegen den ausdrücklicen Willen des Betreuten treffen. Ansonsten könnte kein Betreuer den Betreuten geschlossen unterbringen. Die Sozialarbeiterin hat zwar Recht, dass ein Betreuter ohne Einwilligungsvorbehalt geschäftsfähig bleibt, doch im Rechtsverkehr insb. bei den Geldinstituten wird es anders gehandhabt und das ist auch rechtens. Denn die Geldinstitute sind Privatleute und schließen mit dem Kontoinhaber einen privaten Geschäftsvertrag und hierin gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken. Darin können die, was viele nicht wissen, vom Kunden erwartem, und das aus Gründen möglichen Regresses, dass bei einer gesetzlichen Betreuung die Geldgeschäfte ausschließlich mit dem Betreuer abgewickelt werden, ob es dem Betreuten passt oder nicht.

      Andererseits steht im Gesetz, dass die Betreuung zusammen mit dem Betreuten geführt werden soll, aber zu seinem Wohl. Sollte der Betreute nicht in der Lage sein, sein bzw. bei deiner Mutter ihr Wohl zu erkennen und zu realisieren, ist es nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Betreuers, den willen der Betreuten zu ignorieren und so zu agieren, dass es ihr tatsächlich zugut kommt. Allerdings eben auch nur zum Vorteil der Betreuten. Im Rahmen der gesetzlichen Betreuung wird das Recht auf Selbstschädigung eben über die Auslegung des Begriffs Wohl eingeschränkt.

      Also kannst du durchaus mehr managen, als es auf den ersten Blick aussieht. Und das was du bislang gemanagt hast, war auch völlig ok.
      Weiter so und viel Erfolg
      Heinz
    • OK! Danke für die gute und verständliche Erklärung zu den Vollmachten. Dann weiß ich jetzt, dass der Spielraum, um Entscheidungen zu treffen, doch größer ist als angenommen.

      Ich habe mir sozusagen einen "4-Stufenplan" aufgestellt, wie ich weiter vorgehe. Dies betrifft in erster Linie den Ausgleich des Dispos, die Zahlung der rückständigen Rechnungen, Dauerauftrag bzw. Abbuchungsauftrag für die folgenden Altenheim-Rechnungen einrichten. Wenn der Dispo ausgeglichen ist, werde ich nur einen kleineren Spielraum lassen für "Notfälle" und ich habe mir bei der Bank einen Online-Zugang geben lassen, um die beiden Konten im Blick zu haben und evtl. sofort reagieren zu können, wenn dort Beträge abgehoben werden, die nicht schlüssig sind (vermutete Gelder für den "jungen" Mann) und natürlich auch, ob mtl. die rückständigen Rechnungen (incl. einer kleinen Ratenzahlung wegen den Aussenständen) bezahlt werden oder ob sich da wieder ein weiterer Rückstand aufbaut.

      Das habe ich vor, meiner Mutter beim nächsten Besuch zu erklären und ihr ok dafür zu bekommen (ich kann nicht abschätzen, ob sie das abnickt) anonsten versuche ich, mit der Bank, soweit es geht, diese Dinge so zu organisieren. Dann schau' ich mir das 2 - 4 Monate an (wenn möglich!) ob meine Mutter das so hinbekommt und wenn es NICHT funktioniert, dann werde ich mich um einen gesetzlichen Betreuer für finanzielle Angelegenheiten kümmern. Dann wäre leider doch Ende Banane.

      Diese "Selbständigkeit", meinen Vorschlag für die Vorgehensweise mit der Kontoführung umzusetzen, wollte ich meiner Mutter noch mal lassen, um zu sehen, ob sie mitzieht und sich an die Abmachungen hält (ich kann das ja durch den Online-Zugang immer sehr zeitnah verfolgen) oder ob sie mir das Blaue vom Himmel vorlügt, was sie ja leider in den letzten Jahren gemacht hat.

      Lieber Heinz, danke für Deinen Hinweis, das das bisher gemanagte völlig ok war. Man bewegt sich ja in einer menschlichen und emotionalen Konfliktsituation, dass man über den Kopf der Mutter mit diesen ganzen Institutionen spricht und ihr da auch nicht immer die ganze Wahrheit sagen kann, dass man das tut :-(((. Aber ohne diese vielen Gespräche hätte ich die Informationen gar nicht bekommen weil sie sie mir ja nur sehr bedingt gegeben bzw. auch vorenthalten hat.

      So, da wird jetzt wohl die Zeit ein bißchen arbeiten müssen, um zu sehen wie es weiter geht.

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • hallo Anna-Bella,

      sehe gerade, dass du auch schon so früh auf bist. Zunächst finde ich deine Vorgehensweise wirklich sehr rücksichtsvoll und nachsichtig.

      Im letzteh Absatz deines Beitrags tippst du etwas sehr Entscheidendes an, was viele bewegt, deren Eltern mit der Zeit dement werden - die Veränderung der Beziehung. Dass die Eltern, die einen groß gezogen und erzogen haben, sich im Wesen verändern, ist mitunter schon eine Katastrophe. Schließlich waren sie natürliche Autoritäten, wenn es denn gut gelaufen ist. Und ihren lebenseerfahrenen Rat konnte man bei den eigenen Überlegungen zumindest mal in Erwägung ziehen wenn man sie nicht sogar beherzigte. Aber dann werden die Alten anders. Ihr Wesen verändert sich. Es gibt ein altes Rätsel aus dem Drama von König Ödipus, was ist das, was anfangs auf vier, dann auf zwei und schließlich auf drei Beinen läuft? Klar doch. Und in dem Lauf von Krabbeln zum aufrechten Menschen hin zum gebeugten gehbehinderten Alten steckt viel Weisheit. Im Alter werden wir wieder wie Kinder, hilfebedürftig. Manche verlieren den Verstand, sind orientierungslos oder verlieren auch in Beziehungen die Orientierung und machen Dummheiten wie kleine Kinder.

      Aber dann sind wir da, die Nachkommen. Wir stehen im leben und auf unser Beinen und unseren Mann bzw. Frau, managen und entscheiden. Und dann sind da die Eltern, für die es nun gilt, Entscheidungen zu treffen und sie auch zu entmündigen, für sie zu entscheiden. Aber - und das ist die große Herausforderung, die liebevolle Zuwendung, den Respekt vor dem Vater und der Mutter zu verlieren. Es gibt da noch eine nette Geschichte die mir einfällt, nämlich als das Enkel für ihre Eltern auch einen Holzteller schnitzt, nachdem die Eltern den Großvater an den Katzentisch gesetzt hatten, weil er so schlabberte und den Porzelanteller zerschlagen hatte. Als dann den Eltern durch ihr Kind der Spiegel vorgehalten wurde, haben sie ihr Verhalten gegenüber dem Großvater überdacht.

      Ich bin in Gedanken bei dir, da ich alsbald ähnliche Schwierigkeiten mit meiner Mutter bekommen werde. Körperlich ist sie noch sehr fit mit ihren 75 aber sie wird schon reichlich eigenartig. In diesem Sinn viel Erfolg. Als Supervision erfahrener kann ich dir nur wünschen, dir auch wegen dieser Schwierigkeiten Rat bei Profis zu holen. Es gibt z.B. in wohl allen Städten inzwischen sog. Demenzcafes, wo Angehörige ihre dementen oder verhaltenseigenartigen Verwandten oder Partner mal vorübergehend in Betreuung geben können, damit die pflegenden und umsorgenden Angehörigen sich mal ausspannen und ausquatschen können. Auch wenn deine Mutter ne Kante weg ist, würde ich an deiner Stelle mal sone Stelle aufsuchen und mit einem Profi deine Situation besprechen, gar nicht mal vorrangig die finanzielle, weil du dass schon perfekt regelst, sondern vielleicht einfach mal ein Blick auf die veränderte Beziehung. Ich kenne solche Gespräche und finde sie immer wieder hoch spannend, was ich da immer wieder über mich selbst erfahre, aber auch über das Menschsein an und für sich.

      In diesem Sinn weiterhin viele Erfolg
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      ganz schnell noch, wir snd gerade dabei wegzufahren in einen Kurzurlaub bis Donnerstag (passt mir zwar jetzt gar nicht mehr - war aber schon lage gebucht!) wollte ich mich kurz melden. Damit Du dich nicht wunderst, wieso ich die nächsten Tage nicht reagiere/antworte.

      Danke für Deine einfühlsamen Worte und ich melde mich wieder, wenn wir zurück sind.

      Liebe Grüße
      anna-bella
    • Hi anna-bella,

      dein thema ist nun hier, hast gefunden oder? ;)

      lg mondstaub
      versuche das ignorieren dejnigen, die vorehr gut zu dir waren, zu vergessen,auch wenns wehtut, aufgrudn der verletzung des vorigesn vertrauens, das nchit wert und schmerzt um so mehr, dessen niveou!menschen sind die schlimmeren kreaturen, ncih die tiere. bitte leute macht euch ein eigenes bild von jemanden, und und nich durch andere was euch gesgat wird! :verysad:
    • Hallo Heinz,

      eine schöne Geschichte mit dem Enkel und dem Holzteller, die hat mich doch ein bißchen berührt. Ich werde mich dann auch mal um eine entsprechende Beratung vor Ort kümmern, wenn ich wieder ein bißchen mehr Zeit zur Verfügung habe.

      Ja, das mit dem veränderten Verhalten der Eltern ist ein Problem. Dass sie ein bißchen "verschroben" werden, damit arrangiert man sich ja, aber mit so einer gravierende Persönlichkeitsveränderung, wie bei meiner Mutter, komme ich nur bedingt klar und manchmal muß ich mich zwingen, einen entsprechenden Tonfall anzuschlagen, damit sie die Dringlichkeit der Situation versteht.

      Ich habe noch eine Frage, auf die ich bisher noch keine aussagekräftige Antwort gefunden habe. Vielleicht kennst Du die Thematik als Betreuer:

      "Verarmung des Schenkers". Rückforderung geschenkter Beträge vom Sozialamt, sollte meine Mutter/Vater Sozialhilfe (egal in welcher Form beanspruchen müssen).

      Wie würde es bei meiner Situation aussehen, wenn die Geldgeschenke noch keine 10 Jahre her sind.
      Würde in so einem Fall dieser § zur Anwendung kommen?


      529 BGB

      Ausschluss des Rückforderungsanspruchs

      (1) Der Anspruch auf Herausgabe des Geschenkes ist ausgeschlossen, wenn
      der Schenker seine Bedürftigkeit vorsätzlich oder durch grobe
      Fahrlässigkeit herbeigeführt hat oder wenn zur Zeit des Eintritts seiner
      Bedürftigkeit seit der Leistung des geschenkten Gegenstandes zehn Jahre
      verstrichen sind.


      Oder müsste ich mit Rückforderungen rechnen? Das würde dann auch mich in diesen finanziellen Strudel mitreißen. Ich darf gar nicht daran denken.

      Am Freitag habe ich erfahren, dass dem "netten Mitbewohnern" von der Hausverwaltung eine Zwangsräumung zum 07.06.2013 angeordnet wurde. Die dafür zuständige Dame hat mich angerufen und gefragt, ob ich bei meiner Mutter alles blockiert hätte (finanziell), was ich dann damit beantwortet habe, dass das was in meinem derzeitigen Ermessen lag, getan habe.

      Es ist jetzt wohl das dritte Mal, dass er mit der Miete wieder 2 Monate im Rückstand ist und in der Vergangenheit hat er immer am allerletzten Tag persönlich die ausstehende Miete vorbeigebracht (tja, da weiß ich schon, wer das finanziert hat). Sie will die beiden auf jeden Fall raus haben, auch zum Schutze der Mitbewohner. Aber er hat es immer wieder knapp geschafft, die Außenstände zu begleichen.

      Sie befürchtet, dass er jetzt wieder bei der Mutter versucht, das Geld einzutreiben (die Befürchtung teile ich mit ihr), noch dazu, wo jetzt aktuell die beiden Renten auf die Konten überwiesen sind. Sollte sie sich dazu hinreißen lassen, wie immer, wird das ganze Desaster nur noch schlimmer. Insoweit ist es mir ja nicht möglich, ihr den Zugriff auf das Konto für Barabhebungen zu sperren, so kurzfristig wie es jetzt erforderlich gewesen wäre sowieso nicht. Die Renten sind am 31. d. M. überwiesen worden! Ich ahne wieder Schlimmes! Am Dienstag bin ich wieder vor Ort und werde sehen, wass ich tun kann.

      Ganz lieben Dank für Deine bisherige Unterstützung und Empfehlungen

      anna-bella
    • hallo Anna Bella

      das Rückforderungsrecht geht unter Privatleuten nach BGB, das Recht der Kommune, im Fall sozialer Bedürftigkeit geht nach SGB. Den Paragraphen werde ich noch raussuchen. Aber zuvor muss die Bedürftigkeit deiner Mutter bzw. deines Vaters festgestellt werden. Dafür würden die Renten z.B. deines Vaters umgeleitet und kommen dem Heim direkt zu. Bei deine Mutter würde die Rente, solange sie noch selbständig wohnt, angerechnet. Doch bevor eine soziale Bedürftigkeit zulasten er Gemeinschaft geht, wird die Unterhaltspflicht und -fähigkeit der Angehörigen, insb. der Kinder geprüft, also deine eigene. Und erst wenn du der Kommune bescheinigst, selbst nicht ausreichende Mittel zur Verfügung zu haben, deine Mutter finanziell zu unterstützen, wird im Wege des Bewilligungsverfahrens für soziale Unterstützung deiner Mutter geprüft, was sie in den letzten 10 Jahren verschenkt hat, Und das kann die Kommune in Anrechnung stellen. Das sieht so aus, dass solange die Geschenke nicht zurückgegeben wurden, eine soziale Bedürftigkeit nicht bewilligt wird. Sollte aber, wie im Fall deines Vaters Heimkosten entstehen, so geht die KOmmune in Vorleistung und fordert es von den Beschenkten heraus. Und da des ein Hoheitsträger ist, also die Kommune, hat sie auch vereinfachte Rechtsmittel, die Forderungen geltend zu machen.

      Ich hoffe und wünsche dir nur, dass das Grauen alsbald ein Ende hat. Ich an deiner Stelle hätte inzwischen die Verfügungsgewalt über ihre Konten bereits vollständig an mich gezogen.

      Viel Erfolg weiterhin
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      danke für Deine schnelle Antwort.

      Ich hab' verstanden. Werde evtl. so oder so zahlen müssen. Letzendlich, sollte das andere (Schenkung bzw. "Unterhaltsberechtigter durch sein sittliches Verschulden bedürftig geworden...") gerichtlich zu meinen Gunsten entschieden werden (werde mir dann natürlich einen RA nehmen) würde der Elternunterhalt greifen.

      Ich habe in der Zwischenzeit den Online-Zugang zu den Konten und was ich da heute gesehen habe (Barabhebungen) im April u. Mai hat bei mir blankes Entsetzen ausgelöst. Im Schnitt hat dieser Betrüger sich in den beiden Monaten (weiter konnte ich das nicht zurückverfolgen) jeweils zwischen 1.000 bis 1.500 € geliehen. Diese Gelder von den Barabhebungen hat sie nie und nimmer für sich gebraucht. Sie kommt eigentlich mit ganz wenig (einige Hundert Euro - wenn überhaupt) im Monat aus.

      Ich halte sie bald nicht mehr für Zurechnungsfähig! Es dreht mir den Magen um! Morgen fahre ich los und werde dann sehen, wie ich entscheide bzw. welche Maßnahmen ich dann vor Ort treffe.

      Ich werde dann weiter berichten. Und: nochmals Danken für Deine Hilfe.

      Viele Grüße
      anna-bella
    • Hallo Heinz,

      wollte einen kurzen Zwischenstand abgeben:

      Erstmal war ich mit der Mutter auf der Bank und habe eine Rg. des Altenheimes mit meinem Geld beglichen, damit da etwas finanzieller Druck rauskommt. Die Verwaltung des Altenheimes ist vorerst bereit, da ein bißchen mitzuspielen, dass wir im Rückstand sind. Ich habe gesagt, dass wir bis Herbst/Ende des Jahres dann wohl wieder auf dem Laufenden sind.

      Bei meinem Besuch hat der "junge Mann" mir fast glaubhaft versichert, dass er nun die Angelegenheit in Ordnung bringen will und mir hoch und heilig versprochen, sich nichts mehr von der Mutter zu leihen und meine Mutter ganz dramatisch gebeten, ihm auch nichts mehr zu leihen.

      Er hatte einen Antrag besorgt, mit dem seine EU-Rente ab 01.07.2013 auf mein Konto überwiesen werden soll (damit ich die "Kontrolle" über die Geldeingänge habe) und ich es dann auf das Kto. meiner Mutter zurücküberweise. Außerdem habe ich eine Vereinbarung (auf seinen Wunsch) formuliert, dass er soundsoviel Geld in 64 Monate zurückzahlt. Sollte meine Mutter vorher ableben, gehen die Zahlungen an mich weiter. Das haben wir alle Drei unterschrieben.

      Den Antrag der Deutschen Rentenversicherung auf Änderung der Zahlweise/Konto haben wir dann direkt bei der Deutschen Rentenversicherung in der Stadt unter Vorlage der Personalausweise unterschrieben.

      Ich habe mich nunmehr anwaltlich beraten lassen und auch mit meiner Bank gesprochen, da es ein paar Probleme geben könnte hinsichtlich der Bank (Leistungsempfänger und Kontoempfänger unterschiedlich), außerdem Drittkonto (Gläubiger können ihre Pfändungsanspruche mir gegenüber geltend machen). Mit einer schriftlich fixierten Abtretungsvereinbarung (oder auch einer Vereinbarung vor dem Notar) wäre ich angeblich abgesichert.

      Noch eine Variante, die am unkompliziertesten wäre, allerdings wieder etwas unsicherer, da die Rente in diesem Fall wieder direkt an den Schuldner ausbezahlt wird:

      Der Schuldner will gemeinsam mit meiner Mutter am Montag bei der Bank von meiner Mutter sein Konto (mir einigen Hundert Euro im Minus) wieder beleben, darauf seine EU-Rente überweisen lassen und dann per Dauerauftrag auf das Konto meiner Mutter überweisen.

      Dies wäre natürlich am unkompliziertesten, da ich mir NICHT hunderprozentig sicher bin (trotz RA-Beratung), ob eventuelle Gläubiger nicht doch in mein Konto pfänden könnten. Es ist nämlich dadurch möglich, dass dann der Schuldner einen "Herausgabeanspruch mir gegenüber hat", den dann die Gläubiger pfänden könnten, wobei die EU-Rente allerdings unter der Pfändungsgrenze liegt. Lt. den Aussagen des "jungen Mannes" hat er angeblich keine Gläubiger. Muß mich aber dann fragen, wieso er im Mai 2012 wieder die eV ablegen musste. Das ist doch nur der Fall, wenn die Gläubiger den aktuellen Vermögensstand wissen wollen!

      Jetzt warte ich mal ab, wie die Sache am Montag mit der Bank läuft. Sollte das so funktionieren, werde ich trotzem für meine Mutter mit dem Schuldner eine Abtretungsvereinbarung abschließen - nur zusätzlich zur weiteren Sicherheit -. Wenn er kein Konto bekommt, muß wieder die andere Variante (EU-Rente direkt an mich ausbezahlen) in Betracht gezogen werden.

      Ich bin sehr verhalten hinsichtlich des ganzen Engagement des Mitbewohners. Er scheint extrem bemüht zu sein, die Sache jetzt in Ordnung zu bringen (er kann wirklich seeeehr überzeugend sein - ein Naturtalent, Andere einzuwickeln). Ich kann nur hoffen, dass er es diesmal auch durchzieht.

      Viele Grüße
      anna-bella
    • Liebe Anna Bella,

      super - ganz toll, wie du das angehst und ich wünsche dir vielErfolg. Aber Papier ist sehr geduldig. Und wie du ja selbst schreibst, es kann sogar sein, dass es anfänglich funktioniert, aber dann doch wieder Irritationen entstehen. Und nichts ist so zuverlässig wie das 'Vergessen.Nur Inkassobüros vergessen nie. Die Tage noch habe ich erfahren, dass jetzt das Inkassounternehmen, 6 Jahre nachdem ich die Betreuung nicht mehr habe und 10 Jahre nachdem sie den Titel erworben haben, sich jetzt an die Erben gewandt haben, die Bürgschaft samt Zins und Zinseszins einzufordern.

      Und der junge Lebenskünstler wird gewiss noch andere Gläubiger haben und hier wie auch dort getrickst haben. Aber wie du die Angelegenheit angegangen und auf den Weg gebracht hast - Chapeau - ich kann noch was von dir lernen.

      In diesem Sinn viel Erfolg
      Heinz