Sendung Das Erste: Maischberger Entmündigt?

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    • hallo Leo,

      ich habs nicht gesehen und hätte es wohl auch nicht mir angesehen, hätte ich es gewusst. Maischberger ist gut für nen Aufmacher. Und Berichte von Betreuern und Betreuungen, unter denen Betreute leiden oder gar grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich geschädigt wurden, gab es bereits reichlich. Die Frage ist, was kann verallgemeinert werden? Es wäre z.B. interessant, ob denn dieser Bericht auch die Entwicklung des Betreuungsrechts berichtet hat, also wie es noch vor 1991 war oder was sich die Justizminister der Länder bei der Reform 2005 gedacht haben? Wir und viele andere Betreuer unterschiedlichster Organisationen wie BdB, VfB, Bund deutscher Betreuer, Vormundschaftsgerichtstag e.V. haben gegen das unsägliche Gesetz gewettert. Aber die dumpfbackigen Politiker haben sich nichts angenommen davon und zum Verstand sind sie auch nicht gekommen. Sie hofften. mit dem Gesetz die Kosten zu senken, die aber praktisch gleichgeblieben oder gar gestiegen sind. Fakt ist aber, dass das Vergütungssystem die Arbeit schlicht erschwert. Die sog. Mischkalkulation geht bei Betreuungen nicht auf und schon gar nicht beim Betreuungswechsel von ehrenamtlichen auf berufliche Betreuung. Die Stundenzahl bleibt gleich, auch wenn es wie bei einer Neubetreuung oft vieles zu richten gibt. Oder bei der Urlaubs- und Krankheitsvertretung.

      Das hat zwar nur sekundär was mit Macht zutun aber ist nicht unerheblich. Wo nämlich die Arbeit effektiviert werden muss aus Kostengründen, wird sie auch vereinfacht. Wo gehobelt wird fallen Spähne. Und - hat die Tante vom Fernsehen die Problematik differenziert? Ich vermute nicht. War halt mal wieder ein Aufmacher. Vergiss es.

      Heinz
    • Meinungsmacher

      danke Heinz,

      kurz dazu
      es ging mir lediglich darum, über einen Beitrag zum Thema zu informieren.

      Um sich eine Meinung bilden zu können, muß man wissen und Erfahrungen sammeln.
      Ich kannte eben solche Beiträge noch nicht, da ich so gut wie nie fernsehe.

      Vielleicht hat es ja jemand gesehen und schreibt dazu auch seine Meinung?

      Leo
    • hallo Leo,

      ich habe dann doch mal reingeschaut. Es ging in dem Beitrag um eine 'Entmüdigung' der Ehefrau durch die Betreuung ihres Mannes. Es ging also um das bekannte Lied, wie weit müssen Angehörige, wenn sie für den Partner die Betreuung übernehmen, gegenüber dem Gericht Rechnung legen über gemeinsame Konten, Einnahmen und Ausgaben. Hier ging es um eine gemeinsame Reise.

      Wie befürchtet fand ich die Diskussion wenig ergiebig und recht emotionalisiert - diese arme Frau, die doch für ihren Partner nur das Beste wollte, wie kann ein Gericht ihr so zusetzen?

      Alsbald habe ich dann umgeschaltet, weil ich es wenig interessant fand. Ob es sachlich ausgewogen und hinreichend informativ war, kann ich deshalb gar nicht sagen. Fakt ist, dass Angehörige sich von der Rechnungslegung befreien lassen können. Brisant wird es natürlich, wenn das Gericht die Befürchtung hat, dass die Angehörige sich auf Kosten des Partners gut gehen lässt.

      Meine Frage wäre gewesen, weshalb hat dieses Ehepaar sich nicht vorab für eine private Betreuungsvollmacht entschieden? Und war ihr Mann noch geschäftsfähig, weshalb hat er nicht seiner Frau auch im Rahmen der gesetzlichen Betreuung Vollmachten erteilt? Und sollte er geschäftsunfähig gewesen sein, weshalb hat sich diese Frau nicht informiert über die Risiken und rechtlichen Umstände der Betreuung? Sie wird vom Gericht benannt worden sein, hat also zumindest ein Gespräch mit Richter oder Richterin gehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Frau überhaupt auf nichts hingewiesen wurde. Dann hat sie den Ausweis erhalten und hatte auch dort ein Gespräch mit der Rechtspflegerin. Auch dort wird auf diverse Pflichten hingewiesen. Dann gibt es die Betreuungsstelle für Erwachsene mit der Queraufgabe, die BetreuerInnen zu betreuen und dann gibt es Betreuungsvereine, die auch Informationen geben allgemeiner Art durch Vorträge oder auch nach Termin Einzelberatung.

      Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch mal was schief läuft auch bei Gericht und bei den Beratungen. Aber summa summarum schien mir das Ganze schon recht exotisch und konstruiert. Ich empfehle den Beginnern immer, sich vorort in ihrer Stadt sich zu erkundigen ob nun bei Kolleginnen und Kollegen, die auch beruflich Betreuungen führen oder Ehrenamtliche, um sich mit den Gegebenheiten vor Ort beim zuständigen Gericht vertraut zu machen. Jedes Gericht tickt anders. Und Betreuungsangelegenheiten sind Ländersache, also auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Und diese Bedingungen sind letztlich entscheidend, wer muss wann wie informiert werden, welche Genehmigungen werden wann benötigt, was erwarten die Rechtspflegerinnen in den Berichten, dem allgemeinen und dem Vermögensbericht, wie detailliert muss die Rechungslegung sein oder reicht der Schlüssigkeitsnachweis und und und.

      Ein gutes Verhältnis zum Betreuungsgericht ist für ehrenamtliche wie berufliche Betreuer letztlich Gold wert. In diesem Sinn viel Erfolg
      Heinz