Konto für Testamentsvollstreckung bei Behindertentestament

    • Konto für Testamentsvollstreckung bei Behindertentestament

      Hallo,

      vielleicht kann mir jemand bei dieser Detailfrage helfen:

      Wenn ein Testamentsvollstrecker - eingesetzt über ein Behindertentestament - ein Konto für die Verwaltung des Anteils der behinderten Person (Vorerbe) eröffnet, was muss denn hier beachtet werden?
      • Läuft das Konto auf den Namen des Testamentsvollstreckers oder auf den des Vorerben?
      • Falls ersteres: Muss dann der Testamentsvollstrecker die Zinsen versteuern?
      • Was ist bei einem solchen Konto zu beachten? Irgendwelche besonderen Einschränkungen/Kontoarten/ etc. nötig?
      Die örtliche Bank kennt zwar "betreute Konten", aber weiß zu Testamentsvollstreckungs-Konten nichts zu sagen...
      Danke im voraus.
    • hallo hbildste,

      ich bin über deinen Beitrag etwas verwundert und muss einfach mal nachfragen-
      das Behindertentestamten, so kenn ich es, ist entweder ein für einen oder von einem Behinderten verfasstes Testament. Ich kenne es von der Lebenshilfe, wo Angehörige ein Testamt verfassen, so dass das behinderte Kind in den Genuss kommt, ohne dass der Landschaftsverband im Wege der Heimkostentilgung das Erbe aufzehrt.

      Ein Testamentvollstrecker ist eigentlich jemand, der lediglich das Testament vollstreckt, also dafür sorgt, dass das Testament eröffnet wird und das Vermögen aufgeteilt wird. Er ist nicht ein Betreuer des Erben und auch kein Nachlassverwalter.

      Nun kann es aber sein, dass der Erbe jemanden mit der Vollstreckung des Testaments privat bevollmächtigt hat, der dafür sorgen soll, dass der Behinderte Erbe auch das Erbe bekommt. Die Frage ist jetzt, wem ist dieser vom Erben eingesetzte Testamtensvollstrecker Rechenschaft pflichtig? Aus der Antwort ergibt sich dann auch, welche Rechte dieser Bevollmächtigte hat und welche Möglichkeiten.

      Wie gesagt, es gibt den vom Gericht bestellten Testamtensvollstrecker, der auch dem Gericht gegenüber verpflichtet ist. Es gibt aber auch die privat bevollmächtigten.

      Ist der TV vom Gericht eingesetzt muss er natürlich das Geld zum Wohle des Betreuten anlegen. Heißt, Nutznießer und somit auch Kontoinhaber ist der Erbe. Und das Erbe muss auch soweit wie die Anlage es zulässt auch verzinst werden und auch darüber ist der TV Rechenschaftspflichtig. Anders natürlich bei dem privat Bevollmächtigen und Beauftragten. Der kann das Erbe auch auf ein eigenes Konto einzahlen. Aber das müsste sich dann auch aus dem Testamtent ergeben.

      Also wäre es vorteilhaft zu wissen, wer diesen Testamentsvollstrecker eingesetzt hat.
      In diesem Sinn
      Heinz
    • Hallo heinz,

      es handelt sich hier um ein Testament mit dem Behinderten als Vorerbe und dessen Geschwistern als Nacherben. (Ich vermute, das ist häufig/normal so).

      Als "Testamentsvollstrecker" wird im konkreten Testament die (private) Person bezeichnet, die - solange der behinderte Vorerbe lebt - dessen Erbanteil betreut, die Erträge aus dem Erbe für den Behinderten einsetzt und letztlich die Erbschaftssumme für die Nacherben verwaltet und sichert. Rechenschaft legt der TV gegenüber den Nacherben ab. Evtl. nennt man das auch "Dauertestamentsvollstreckung"(?)

      Ist das damit klarer geworden?
    • hallo hbildste,

      es ist sehr viel klarer geworden. Die Frage ist jetzt nur noch, wer ist der TV? Ein Angehöriger oder ein nicht Verwandter, der der Familie nahesteht. Und wie das Verhältnis des TV zu den Nacherben ist. Ich denke, einiges regelt sich übers Testament und manches über rechtliche Bestimmungen, aber ganz entscheidend ist letztlich die Beziehung.

      besten Gruß
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      TV ist ein Geschwister und somit auch einer der Nacherben. Aber für die ursprüngliche Frage sollte das keinen Belang haben, glaube ich.
      Auf wessen Namen muss das Konto laufen, den des TVs oder den des Vorerben? Und was für eine "Art" Konto braucht man? Irgendwas Besonderes? Ein Konto mit einem Betreuungsvermerk ist dies ja wohl nicht, das hat die behinderte Person ja schon, das müsste ja was anderes sein.
    • hallo hbildste,

      mit dem TV als Angehöriger hatte ich mir schon sowas gedacht. Und nun ist er sogar Nacherbe. Juristen sprechen von einem offensichtlichen Interessenkonflikt. Der TV hat als Nacherbe ein Eigeninteresse und die anderen Nacherben ebenfalls. Eine echte Interessenvertretung des behinderten Vorerben ist das nicht. Das muss ich mal in aller Deutlichkeit sagen, sorry.

      Nun kann es sein, und davon gehe ich aus, dass ihr ein ganz tolles innerfamiläres Verhältnis aller zu allen und insb. zum Vorerben habt. Auch nehme ich mal an, dass dieses Behindertentestament von einem Notar verfasst wurde also durchaus deren Rechtsverbindlichkeit anzunehmen ist. Dieser Notar oder vielleicht auch Anwalt könnte auch auch auf ausdrückliche oder sog. konkludente Regelungen im Testament hinweisen, wie der Nachlass zu verwalten ist, also welches Konto anzulegen ist.

      Ich verstehe dich so, dass der TV insb seinen Geschwistern gegenüber Rechenschaftspflichtig ist. Dann ist es einerlei, wie er das Geld des Vorerben anlegt. Der Vorerbe soll alles Erforderliche erhalten. Sollte ein Konto auf den Vorerben angelegt werden, kann es sein, dass es gegenüber einem Sozialhilfeträger als Vermögen des Behinderten anzugeben ist. Lautet das Konto hingegen auf den TV, dann ist es erst einmal sein Vermögen, auch wenn es im sog. Innenverhältnis, also dem Verhältnis des TV zum Vorerben dem Vorerben zusteht. Das ist ja auch praktisch der Sinn und Zweck des Behindertentestaments, dass der Anspruch des Behinderten aufs Erbe nicht sozialisiert wird und der Vorerbe praktisch vom Erbe ausgeschlossen ist und wegen und aufgrund seiner Behinderung dann einen weiteren Nachteil erleidet als seine nicht behinderten Geschwister.

      Ein bestimmtes Konto muss es nicht sein. Bei einem Vermögen von mehr als 10tsd € sollte jedoch an ein Festgeld oder Tagesgeld Konto gedacht werden. Das hat von den langfristigen Geldanlagen zwar den geringsten, im Vergleich zu den kurzfristigen Anlagen jedoch den höchsten Zinssatz, wenngleich der Zins derzeit eh recht gering ist.

      Aber eine Nachfrage bei verschiedenen Geldinstituten oder auch einem vertrauenswürdigen Vermögensberater ist da schon hilfreich. Bei einem Vermögen im 6stelligen Bereich wäre auch an verschiedene Fonds zu denken oder auch an eine Rentenversicherung. Soll heißen, dass auf das Vermögen des Vorerben Vater Staat evtl. noch was dazutut.

      Sollte euer Bruder zudem noch aufgrund von Contergan behindert sein, sollte dahingehend nochmals besonders geschaut werden, da deren Rente zukünftig erhöht wird und der Freibetrag erheblich ist. Mir ist ein Fall bekannt, wo die Mutter am Existenzminimum knappst, während ihr behinderter Sohn aufgrund von Rentenansprüchen vermögend ist und seine Mutter nur minimal unterstützen darf.

      Noch ein Aspekt fällt mir zu den Nacherben ein - die ungeteilte Erbengemeinschaft. Ich hoffe für alle, dass die Vergütung für den TV im Verhältnis zu den Geschwistern geklärt ist. Ansonsten würde ich als TV und Miterbe die Erbengemeinschaft zusammen rufen und innerfamiliär noch so ein paar Punkte vertraglich klären. Erbangelegenheiten haben in der Regel den Keim eines Zerwürfnisses in sich. Wenns ums Geld geht, brechen oft Familienbanden auseinander. Ich an deiner Stelle, wo du dir schon Gedanken zu allem machst, würde mir auch weiterhin juristischen Rat suchen bei dem, der in Erbangelegenheiten versiert ist. Üblicherweise sind Erbangelegenheiten ein Minenfeld. Man kann es aber auch vermeiden, wenn alle einsichtig sind und niemand das Gefühl hat, von anderen übervorteilt zu werden.

      In diesem Sinn viel Glück und Erfolg
      Heinz