suche kompetenten Rat zum Betreuungsverfahren

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    • suche kompetenten Rat zum Betreuungsverfahren

      Hallo,

      da wir uns keinen Anwalt leisten können, erhoffe ich mir hier Hilfe.

      Mein Bruder ist sehr depressiv. Ich begleite ihn schon seit einem Jahr. Habe ihn gerettet, indem ich ihn notdürftig von Thüringen zu uns nach Hessen geholt habe. Er war auch in einer Klinik. Leider hat er noch keinen Mut, um alleine neu anzufangen, mit Wohnung usw. Er ist auch auf Grund seiner Krankheit arbeitslos geworden, ist weiterhin arbeitsunfähig.

      Wir hatten uns Tipps beim SPDI des Landkreises geholt. Leider nicht sehr hilfreich. Im Gegeteil, die fallen uns wohl nun noch in den Rücken. Zu meiner Entlastung sollten wir einen Berufsbetreuer beim Amtsgericht beantragen. Das wollen wir auf keinen Fall. Wir schaffen das innerhalb der Familie. Sonst bekommt mein Bruder ja auch keine Hilfe, er hat ständig Schmerzen. Er soll immer nur Medikamente nehmen und schon wieder in eine Klinik gehen. Wir suchen ja nach einer guten Klinik, wollen ihn aber nicht wieder in die erstbeste abschieben.

      Nun wollen die vom SPDI zu einem Hausbesuch kommen, in Sachen Betreuungsverfahren beim Amtsgericht. Wie gesagt, wir haben nicht vor eine Betreuung zu beantragen, mein Bruder ist nicht gefährdet. Wir nehmen außer ärztliche Hilfe keinerlei Hilfe in Anspruch.

      Müssen wir die Leute herein lassen, wir haben doch in unserem Haus Hausrecht?! Wie können wir dem Amtsgericht plausibel machen, dass eine Betreuung unnötig ist? Mit dem SPDI wollen wir nichts mehr zu tun haben.

      Wir haben eben kein Vertrauen in unser Rechtssystem, sonst würden wir offensiv zum Amtsgericht gehen.

      Als mein Bruder vor über einem Jahr wirklich gefährdet war, da hätte er "verrecken" können, es hatte niemand interessiert. Ist so, ehrlich!
      Nun, wo wir es alleine managen, wollen die uns fertig machen.

      Wäre für Ratschläge dankbar.

      Freue mich auf Antwort
    • hallo Schleiperle,

      erst einmal vielen Dank für deinen Beitrag und dein darin geäußertes Vertrauen bzw. Zuversicht. Doch dürfen auch wir hier keine Rechtberatung geben. Aber - wir können deinen Sachverhalt so behandeln, als wäre es ein allgemeiner. Und du kannst dann schauen, was für dich passt und was nicht.

      Dann habe ich deinen Beitrag in den Bereich der Angehörigen verschoben. Ich hoffe, es ist dir recht.

      Der Sozialpsychiatrische Dienst ist mitunter halbamtlich, also dem Gesundheitsamt angegliedert und hat auch ordnungsrechtliche Befugnisse. Aber - auch hier ein aber - hast du vollkommen Recht - du hast das Hausrecht und musst die Leute vom SPD nicht reinlassen. Es gibt auch keine Gefahr in Verzug. Da aber der SPD bereits sensibilisiert ist, solltest du umsichtig und vorsichtig agieren. Denn der SPD kann das Gericht derart aktivieren, dass das Gericht, auch ohne richterliche Anhörung einen gesetzlichen Betreuer im einstweiligen Verfahren bestellt, der dann als Vertreter deines Bruder sich Einblick nehmen darf und das zur Not auch mit der Polizei. Aber soweit muss es nicht kommen, wenn du dem SPD und dem Gericht den Wind aus den Segeln nimmst. Und das ginge problemlos mit einer privaten Vollmacht. Mach dich kundig so z.B. [url]http://www.verwaltung.bayern.de/portal/cl/1058/Gesamtliste.html?cl.document=1928150[/url]

      das ist eins der verständlichsten und doch kompetentesten Broschüren zur Vorsorgevollmacht. Da kannst du dann für deinen Bruder eine Vollmacht erstellen, die er dann unterzeichnet und sein Hausarzt, der ihm trotz Depression den Vollbesitz seiner geistigen und psychischen Kräfte bescheinigt, zu verstehen, was er unterschrieben hat. Und diese Vollmacht stellt er, also du für ihn, dann auf dich und vertretungsweise auf deine Frau aus.

      und dann handelst du nach § 1901c BGB dejure.org/gesetze/BGB/1901c.html und teilst es umgehend dem Gericht mit. Ich würde an deiner Stelle recht fix agieren, denn letztlich ist es ein Wettlauf mit dem SPD, nämlich vor denen bei Gericht den Sachverhalt samt Vollmacht mitzuteilen, so dass der SPD einfach der Hase und ihr der Igel seid.

      Aber dann ist da noch ein anderer Aspekt, nämlich eure bzw. deine Geeignetheit. Sicherlich bist du aus deiner Sicht und wohl auch aus Sicht deines Bruders kompetent, dich für ihn zu verwenden. Aber wie du schon angedeutet hast, gibt es Geister, die Unruhe stiften. Auch das solltest du nicht zuleicht nehmen. Denn das Gericht ist absolut unabhängig und kann recht schnell den 'fachlichen' Empfehlungen des SPD folgen, die meinen, dass das Wohl deines Bruders nicht hinreichend durch Familienangehörige gewahrt ist und dass das Wohl besser durch einen Fremden gewahrt würde, obwohl das nach den heutigen gesetzliche Bestimmungen (Budgetierung der Zeit und Vergütung) der blanke Hohn ist, meines Erachtens.

      Also würde ich an deiner Stelle meine Geeignetheit für die Vertretung und Vollmacht dem Gericht darlegen, dass du genügend Zeit hast, finanziell abgesichert bist, nicht verschuldet bist und auch sonst unbescholten bist, notfalls mit Führungszeugnis. Ich würde mich auch ganz naiv stellen und dem Gericht all mein soziales Engagement mitteilen und mich als Gutmensch präsentieren. Das mag etwas dick aufgetragen wirken, aber besser zuviel als zu wenig und nachher das Nachsehen zu haben. Eine zweite Chance gibt es nicht.

      Und sollte, was aber wohl eher unwahrscheinlich sein, das Gericht trotz privater Vollmacht und einer eigenen Präsentation die innerfamiliäre Regelung nicht akzeptieren, hast du dann im Widerspruchsverfahren gute Chancen, auf all das hinzuweisen, was du dem Gericht zur Kenntnis gebracht hast und das Gericht wohl wissend, das Ermessen dann fehlerhaft ausgeübt hat.

      In diesem Sinn viel Erfolg
      Heinz



    • Schnelle Antwort von Heinz - ein herzliches Danke

      Hallo Heinz,

      ich bin außer mir vor Freude. Unsere Anfragen, die wir an die verschiedensten Stellen mit Kompetenz gerichtet hatten, wurden oftmals ignoriert. Ich habe eben kein Vertrauen mehr in unsereMedizin, Grichtsbarkeit usw. Nun ja , man kann sich ja nicht mal mehr mit seinen Verwandten und Bekannten aussprechen. Bei psychische Problemen hört es ganz auf, man vereinsamt regelrecht. Ich bin ja gerne alleine, mein Bruder kann das nicht so ab.

      Ich hatte mal bei SPDI erwähnt, ich sei auch etwas depressiv, ich fühlte mich überfordert, weil wir ja keinen Wohnraum für den Bruder haben. Ich wollte auch meinen Mann nicht so viel zumuten.

      Sollen wir mal den Schritt nach Vorne wagen, einen Termin beim Amtsgericht machen, damit wir den SPDI den Wind aus den Segeln nehmen.
      Mein Bruder ist ja nicht vermögend, also keine "gute Partie", um sich zu bereichern. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, wäre so eine Betreuung ja nicht schlecht. Hat er ein Mitspracherecht? So eine Betreuung in leichten Fällen ist doch sicher nur befristet. Denn Mein Bruder ist ja nicht dement oder geschäftsunfähig. Er ist nur von Muttern sehr verwöhnt, ist etwas linkisch und unselbständig.

      Lieber Heinz, recht vielen Dank bis hierher.

      Es grüßt
      Schleiperle
    • hallo Schleiperle,

      danke fürs Lob. Es freut mich, wenn ich helfen konnte oder kann.

      Depression ist eine Krankheit, depressiv ist eine Gemütsregung. Wer von uns war nicht schon mal down und frustriert? Manche sind es regelmäßig im Winter oder bei anhaltend schlechtem Wetter. Eigentlich nicht der Rede wert, denn dafür gibt es Sonnenstudios oder schon mal Johanniskraut oder einfach einen ausgiebigen Spaziergang. Danach schmeckt der Kaffee oder der Kakao noch mal sogut.

      Das mit dem Wohnraum und Platz für deinen Bruder ist da schon eine gründliche Überlegung wert. Das mit dem Termin bei Gericht ist nicht verkehrt. Doch würde ich abwarten, bis das Gericht für sich selbst Handlungsbedarf erkennt. Solange noch ein Betreuungsverfahren überhaupt nicht initiiert ist, weiß das Gericht mit einer Aussprache nicht viel anzufangen. Schließlich weiß die Geschäftstelle nicht einmal, wer von den Richtern oder Richterinnen überhaupt zuständig wäre. Und sich bei Gericht über den SPD zu beschweren, weil man die Befürchtung hat, dass die im Hintergrund was spinnen könnten oder würden, nu dafür ist das Gericht auch nicht offen und auch recht schnell eingeschnappt.

      Aber so eine Vollmacht wäre schon ein erster Schritt. Ich habe über viele Jahre in Fragen Patientenverfügung und Betreuungsvollmacht beraten. In familiären Angelegenheiten kommt schnell der Verdacht auf, dass da jemand übervorteilt werden könnte. Und da sind Gerichte sehr sensibel für. Wenn also in der Vollmacht der Passus eingefügt ist, dass dein Bruder sich des Insichgeschäfts sehr wohl bewusst ist und im Bewusstsein dessen dir die Möglichkeit einräumt, auch zu deinem Gunsten aber du seinen Lasten zu agieren, ist der erste Einwand ausgeräumt.

      Der zweite Einwand ist, dass du es auf sein Einkommen oder Vermögen absehen könntest. Solltest du vom SPD oder vom Gericht den Hinweis erhalten, dass eine Betreuungsverfahren erwogen wird, dann legst du die Vollmacht vor und versicherst, a) selbst finanziell unabhängig und in geordneten Verhältnissen zu leben und b) das Wohl deines Bruders schon dadurch zu wahren, dass er sich in der Familie geborgen und wohl fühlt und eine Fremdbestimmung durch das Gericht oder einen externen Betreuer eben dieses Wohl nicht nur nicht wahrt sondern massiv gefährdet, also eine gerichtlich bestellte Betreuung schlicht kontraproduktiv und gegen den Sinn des Gesetzes sei.

      Aber wie gesagt, damit würde ich warten, bis sich das Ganze konkretisert und nicht mein Pulver schon zu früh verschießen.
      Dann würde ich aber auch dem Gericht mitteilen, wie dein Bruder untergekommen ist, ob er ein eigenes Zimmer hat oder aber zumindest eine Gelegenheit, sich zurück zu ziehen, auch wenn er auf eine Gästebett schläft oder so. Mit dieser Info ans Gericht demonstrierst du, dass du a) dir vorab zum Wohle deines Bruders Gedanken gemacht hast, also dich in deinen Bruder und seine Bedürfnisse hineingedacht hast und b) eine Lösung des Problems konstruktiv angegangen bist. Vielleicht ist es noch nicht optimal. Das schadet überhaupt nicht, dem Gericht mitzuteilen, dass ihr noch dabei seid und dies und das geplant habt und es dann und so realisieren wollt. Entscheidend ist fürs Gericht die Schlüssigkeit. Ist das, was ihr dem Gericht - oder besser noch dein Bruder dem Gericht mitteilt - überzeugend. Alles andere und vor allem die Einschätzung des SPD ist dann nachrangig.

      Die werden sich dann darauf berufen, dass sie ja nur ihrer Pflicht nachgekommen sind. In diesem Sinn weiterhin viel Erfolg. Ich würde mich freuen, wenn du uns wissen lässt, wie es weitergeht. Würde mich schon sehr interessieren.
      vielen Dank
      Heinz


    • Betreuung des Bruders: Haben einen kleinen Erfolg und freuen uns

      Hallo Heinz, Hallo Micha,

      kleine Leute haben auch mal Glück!!! Ich hatte Euren Rat befolgt, wir hatten uns die diversen Verfügungen ausgedruckt, wollten auch zum Arzt damit. Durch den Rat meiner Freundin habe ich Mut gefaßt, bin mit meinem Bruder zum Notar. Er hat uns eine Generalvollmacht aufgesetzt, hat alles genau vorgelesen und erklärt. Bevor uns der Besuch "von Amts wegen" ins Haus kommt, halten wir unsere Urkunde in den Händen. Die anfallende Gebühr ist überraschend anständig. Das richtet sich nach dem Vermögen. Das hat mein Bruder ja nun so gar nicht. Er ist schon über 78 Wochen arbeitsunfähig, ist arbeitslos geworden. Da wir ein Mindestsatz berechnet. Und der ist noch günstiger als eine Erstberatung bei einem Rechtsanwalt, die leicht mal € 150 zzgl. MwSt. sein kann.

      Mein Bruder hat einen langen Leidensweg hinter sich, ist eigentlich noch mitten drin. Er ist sehr depressiv, hat Schmerzen, nur er bekommt nicht geglaubt. Immer wollen sie ihn in die psychiatrische Klinik abschieben. Ordentlich untersucht wird er nicht. Nun haben wir geforscht, um seinen Zustand beweisen zu können. Es besteht Verdacht auf Bornavirus bzw. eine Art der chronischen Borreliose. Leider nehmen die Ärzte die Anregungen nicht gerne auf. Denn die Diagnostik ist sehr zeitaufwendig, srich rechnet sich nicht sehr für den Arzt. Ich suche eine Fachärztin in Darmstadt, evtl. macht die mal den Bruder recht und link. Meistens sind diese Praxen und Untersuchungen für Privatversicherte bzw. Selbstzahler. Ein wenig für Kassenpatienten ist auch noch drin. Es ist ein Skandal. So eine über Jahre verschleppte Krankheit macht nicht wenige Menschen zum Sozialfall. Ich bin schon sehr erschüttert. Und dann fällt einem noch der Sozialpsychiatrische Dienst in den Rücken.

      Ich wünsche Euch allen beste Gesundheit und viel Kraft und Willensstärke.

      Gruß Schleiperle
    • hallo liebe Schleiperle,

      was Borreliose angeht kann ich mitreden, obwohl ich wohl eins der wenigen Exemplare bin, die recht gut damit leben können, bis jetzt. Das Damoklesschwert hängt auch über mir, dass die Borrelien sich in die Netzhaut einnisten oder die Nerven betreffen. Auch mancher grippale Infekt löst die Stromstöße im Kopf aus, dass ich meine, ich hätte einen Schlag bekommen. Bei mir ist es jetzt 5 Jahre her, dass ich und zwar von der einzigen Zecke die ich überhaupt bislang gehabt habe, gebissen und infiziert wurde.

      Das mit dem Hausarzt verstehe ich nicht. Ich geh zu meinem Arzt, der nimmt mir Blut ab, wofür ich nicht einmal nüchtern sein muss, schickt es ein und nach einer Woche hat der den Befund und der sehr exakt mit samt der aktiven Borrelien, den Antikörpern und den Verbindungen. Derer gibt es mehrere.

      Was ich auch empfehlen kann, ist eine Uniklinik mit einer Abteilung für Reisekrankheiten. Bei mir war es die in Essen. Sehr kompetent. Denen habe ich meinen Befund mitgenommen. Aufgrund dessen wurde ich in einem Gespräch über alle Risiken detailliert aufgeklärt. Das war eine junge Onkologin - soll heißen - Borreliose ist mitunter ein interessantes Forschungsgebiet, da es nicht heilbar ist und dagegen keine Schutzimpfung gibt wie gegen die andere Infektion durch Zecken mit Hirnhautentzündung, wogegen man sich impfen lassen kann.

      Und Antibiotika wirken nur akut nach der Infektion. Bei mir fiel es auch erst Jahre später aufgrund eines Lymphdrüsengeschürs auf. Es hätte nicht viel gefehlt und es wäre Lymphdrüsenkrebs gewesen. Aber ich hatte Glück. Meine Zeit war noch ist oder ist immer noch, wie mans nimmt.

      Also auch dir und euch den Tipp, probiert es bei einer Uniklinik. Die habe mitunter mehr Möglichkeiten und auch mehr Fachwissen. Die Kollegin meines Hausarztes wollte mich auch schon einer 6 wöchigen stationären Antibiotika Kur unterziehen und machte mir ein schlechtes Gewissen. Sie war halt nicht auf dem neusten Stand der Forschung.

      Es gibt aber auch einige interessante Gerichtsentscheidungen zur Berufskrankheit von Borreliose. Das mag vielleicht bei euch nicht der Fall sein, also eine Infektion in Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Aber es ist gerichtsbekannt, dass aufgrund von Borreliose eine Arbeitunfähigkeit und zwar eine bleibende attestiert wurde. Und das könnte sehr wohl für euch interessant sein. Zur Not mal etwas im Netz surfen. Wenn ihr noch Fragen habt, nur zu. Übrigens - in dem Zusammenhang auch so ein leidiger Irrtum - zuviel Vitamin C würde der Körper ausstoßen. Das stimmt, bezogen auf den Bedarf. Borreliose Kranke haben einen hohen Vitamin C Bedarf. Zeitweilig nahm ich bis zu 3 Gramm - ganz recht Gramm, nicht Milligramm am Tag. Und der Urin verfärbte sich nicht. Mitunter bekommt ihr magenfreundliches, sog. verkapseltes hochdosiertes Vitamin C beim Heilpraktiker. Denn zuviel Vitamin C belastet den Magen.

      In diesem Sinn viel Erfolg und Wohlergehen
      Heinz