Dauerstudentin von Existenznot bedroht

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    • hallo Alexa,

      danke für die Rückmeldung, dass wir dir weiterhelfen konnten.
      In einem Punkt muss ich mich wohl korrigieren, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt: natürlich kann zu Therapiezwecken niemand zwangsweise untergebracht werden.

      Es finden aber therapeutische Gespräche statt, wenn jemand zum Schutz vor sich selbst also nach Betreuungsrecht (bei Gefahr für andere gilt Ordnungsrecht) untergebracht wird oder wenn jemand aufgrund einer Diagnose und auf eigenen Wunsch die Hilfe der Klinik sucht und um Behandlung bittet.

      So habe ich es erlebt, dass ich den Willen der Betreuten derart respektiert habe, dass sie sich - für mich voraussehbar - in eine schier ausweglose Situation manövrierten. Sodann schlug ich die stationäre Behandlung vor und half, dorthin zu kommen. Da es keine Alternative gab, willigte dann der Betreute kleinlaut ein.

      Das ist dann keine zwangsweise Unterbringung sondern nur der Logik der Umstände geschuldet.

      Dir viel Erfolg und hoffentlich eine einvernehmliche Lösung mit deiner Betreuten.
      Heinz
    • Liebe Kollegen,

      vielen Dank für die schnellen Antworten und Ideen. Ich werde nochmal versuchen, mit meiner Betreuten zu sprechen, um möglichst eine einvernehmliche Regelung zu finden. Eine Unterbringung zu Therapiezwecken ist rechtlich nicht möglich, sodass diese Option leider ausscheidet.

      Mal sehen, wie die Sache ausgeht...

      Also nochmal vielen Dank!!! Ich werde Eure Lösungsvorschläge in meinem weiteren Vorgehen berücksichtigen.

      Liebe Grüße
    • hallo Alexa,

      ohne Micha oder dir zu widersprechen, würde ich die Angelegenheit vielleicht anders angehen. Du schreibst von einer Paranoia und Schizophrenie. Wurde es diagnostiziert und mit der Betreuten kommuniziert? Und wie stellt sie sich zu dieser Diagnose? Dass sie keine therapeutische Hilfe annehmen will, deutet darauf hin, dass sie ihre Krankheit leugnet. Andererseits wird sie unter der Krankheit auch leiden. Paranoia heißt ja, dass sie sich verfolgt fühlt. Möglicherweise wäre ein Zugang zu ihr und für sie zum Bewusstsein der Erkrankung möglich, und zwar indem du die Krankheit derart einsetzt, dass sie von sich aus das Studium bleiben lässt.

      Ich hatte einen Betreuten mit eben dieser Diagnose und der irrigen Annahme, von überall und in der Wohnung überwacht zu werden. Ich habe mich dann auf das Spiel eingelassen. Als er merkte, dass ich ihn in seiner Krankheit ernst nahm und ihm half, mit den Wanzen und der Beobachtung zu leben, wurde er handzahm und ließ sich sogar dann helfen und ging letztlich freiwillig in die Psychiatrie.

      Auch in einer Uni werden Daten gespeichert und ausgewertet, persönliche und leistungsbezogene, die dann in Statistiken eingespeist werden " und was kann mit all den Daten geschehen? Sehr gefährlich. Wohlmöglich über AOL sogar nach Amerika transferiert. Und da hört man ja so einiges......" usw.

      Der Weg, eine Lösung bei der Uni zu suchen, erachte ich für riskant. Die Betreute selbst wird bei der Uni ihre Krankheit nicht offenlegen, weil sie sie ja leugnet. Du in Vertretung der Betreuten könntest in die Gefahr des "double bind" kommen, also mit der Uni so und mit der Betreuten anders zu reden. Mein Lösungsansatz beinhaltet das zwar auch, doch versteckter. Eine psychisch Kranke bekommt das mit und speichert ein solches Geschehen in ihrer Paranoia ab, was das Vertrauen zwischen euch belasten wird.

      Sodann gibt es die Frage des Einkommens. BaföG dürfte schon lange passé sein. Wovon hat sich bislang gelebt? Und wie stellt sie sich selbst vor, wovon sie leben möchte? Ich an deiner Stelle würde entweder mit der Betreuten oder nach Rücksprache mit ihr dann aber für sie das Konto in ein sog P-Konto einstufen lassen. Das bedeutet, es ist unweigerlich ein Habenkonto, kann also nicht ins Soll gehen. Alle sonstigen Abbuchen werden unweigerlich abgeblockt. Sollte die Betreute nicht bei der Exmatrikulation mitziehen, würde ich sie ggfls. in die Bredouille laufen lassen, um sie gegebenenfalls auch einer therapeutischen Hilfe, notfalls auch per Richteranordnung der Psychiatrie zuzuführen.

      Wenn das Konto leer ist, greift die Behauptung, dass möglicherweise die Uni - in der Rolle des Buhmanns - dafür gewiss gesorgt habe. Dann wäre die Möglichkeit mit widerwilligen Einverständnis der Betreuten die Exmatrikulation zu veranlassen und den Antrag beim Jobcenter zu stellen.

      Es kann aber auch bedeuten, dass deine Betreute erst einmal eine Runde in der Psychiatrie macht, um therapeutisch und medikamentös eingestellt zu werden. In der Zwischenheit kannst du den Antrag auf ALG II oder gar auf Erwerbsminderungsrente stellen. Sollte die Rente aufgrund der Krankheit durchkommen, kann deine Betreute bis zum Lebensende studieren und sich dann erneut einschreiben. Wen störts?

      Ich würde also einen ebenso schwierigen Weg einschlagen, der aber mehr Optionen offen lässt. Dabei würde ich darauf achten, dass die Betreute in mir einen Verbündeten in ihrer Krankheit sieht. Ich würde es vermeiden, gegen sie zu arbeiten. Dann schon eher ohne ihr Wissen und die Ergebnisse meiner Arbeit der Uni oder sonstwem zuschreiben.

      Gewiss gibt es auch hier moralische Bedenken. Einerseits steht zu oberst das Wohl der Betreuten und das kann sie aufgrund und infolge ihrer Krankheit nicht selbst definieren. Das heißt, über ihr Wohl entscheiden auf jeden Fall andere, ob Ärzte, Richter, Rechtspfleger und nicht zuletzt du. Sodann würde ich, schon um die Arbeit mit ihr zu vereinfachen, darauf achten, nicht selbst in ihren Augen zum Feind ihrer Paranoia zu werden. Und schließlich heiligt der Zweck die Mittel, indem ihr Auskommen irgendwie auf Dauer gesichert wird.

      In diesem Sinn viel Erfolg
      Heinz
    • Hallo Alexa,

      das ist wirklich eine sehr verfahrene Situation! :huh:
      Aber ich denke, dass ich den gleichen Weg wie Du gehen würde. Nämlich über die Uni. Vielleicht kann man, zusammen mit der Uni, einen Weg finden, dass man ihr ausredet, welch gesellschaftliche Stellung von einem Abschluss an der Uni wirklich ausgeht. Evtl. gibt es, mit Rücksicht auf ihre Erkrankung, ja sogar einen "Weg zurück - Vorschlag".
      Will heißen, dass sie sich finanziell erst mal konsolidieren soll und ihr dann der Weg zurück an die Uni nicht verwehrt wird.
      Was dann im Endeffekt wirklich geschieht, sei dahingestellt.
      Aber es besteht für Sie die Möglichkeit. Vielleicht hilft ihr das schon weiter?!

      Liebe Grüße
      Micha
    • Dauerstudentin von Existenznot bedroht

      Hallo,

      ich (Berufsbetreuerin) bin neu in diesem Forum, habe folgendes Problem und wäre für Eure Ideen und Hilfen sehr dankbar:

      Meine Betreute (31 Jahre) leidet unter paranoider Schizophrenie, ist der festen Überzeugung, dass nur ein abgeschlossenes Hochschulstudium gesellschaftliche Anerkennung findet und studiert schon seit 10 Jahren (bei Scheitern eines Studiengangs schreibt sie sich für ein neues Fach ein). Fakt ist, dass meine Betreute aufgrund ihrer derzeitigen psychischen Situation nicht in der Lage ist ein Studium erfolgreich abzuschließen. Psychiatrische Hilfe, Therapie etc. lehnt sie ab. Das Problem ist nun akut, dass sie nur noch wenig Geld auf dem Konto hat (kein Vermögen, kein Einkommen) und meines Wissens nach Sozialhilfen für aussichtslos Studierende nicht gewährt werden. Ich hatte nun die Idee, mich an die Uni zu wenden und die Exmatrikulation zu bewirken, um dann ALG II beantragen zu können. Dies wäre jedoch ein Schock für meine Betreute und sie würde sich mit Sicherheit komplett von mir distanzieren, das Vertrauensverhältnis wäre zerstört und ihr Krankheitsbild würde sich ev. verschlimmern. Andererseits kann ich doch auch nicht tatenlos zusehen, wie meine Betreute in den Dispo rutscht und dann ihre Miete etc. nicht mehr zahlen kann.

      Wie würdet Ihr vorgehen?