Vergütung als angestellter gesetzlicher Betreuer

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Vergütung als angestellter gesetzlicher Betreuer

    Einen freundlichen Gruß an alle und im Voraus schon einmal Dankeschön für hilfreiche Antworten.

    Ich bin eigentlich als Freiberufler (u.a. als Pädagoge im Bereich Erwachsenenbildung) unterwegs und interessiere mich schon eine Weile für das Thema "gesetzliche Betreuung".

    Ich habe evtl. die Möglichkeit, als angestellter gesetzlicher Betreuer für einen kirchlichen Träger zu arbeiten. Ich habe aber nicht verstanden, wie das mit dem Verdienst aussieht, da ich aus den ganzen Berufseinordnungen nicht schlau werde.

    Ich bin zwar Geisteswissenschaftler mit einem Magister Artium würde aber nicht als solcher eingruppiert werden, sondern eine Vergütung wie ein Sozial-Pädagoge zu erwarten haben. Dazu würde man mir außerdem keine Berufserfahrung anrechnen können, da ich noch nie für den ÖD gearbeitet habe (bisher ca. 15 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft plus Freiberuflichkeit). So weit so gut oder schlecht, aber wieviel wäre das in etwa? In welche Vergütungsgruppe käme ich? Da noch ein weiteres Gespräch folgen soll, würde ich gerne vorher wissen um welches Gehalt es geht.

    Beim Arbeitgeber handelt es sich um einen der Caritas zugeordnetem Fachverband.

    Ich vermute dass ich zum AVR Tarif Anlage 3 gehören würde, Stufe 1, aber in welcher Vergütungsgruppe?

    Kann das jemand sagen?

    Vielen Dank !
  • hallo Schmuggler,

    vermutlich hast du bereits mehr Informationen als ich, da ich nie als Betreuer angestellt war und schon gar nicht bei der Caritas.

    Aber ob der kirchliche Tarif überhaupt im Bereich des Betreuungswesens greift, erscheint mir fraglich. Ich kombiniere so -

    neuerdings können nicht mehr Vereine oder Einrichtungen Betreuungen übernehmen und sie an die Angestellten delegieren, sondern die Angestellten können nur persönlich als Betreuer benannt werden, auch wenn sie organisiert angestellt sind. Daraus folgt, dass die Betreuer auch ihre eigenen Rechnungen gegenüber dem Gericht erstellen. Für sie gilt folglich dieselben Vergütungsbestimmungen wie für freiberufliche. Heißt, die Vergütung richtet sich auch nach dem Alter der Betreuung, ob neu oder schon über ein Jahr alt, nach eigenständigem Wohnen oder stationärer Unterbringung und nach vermögend oder nicht. Im Schnitt werden nach einem Jahr pro Betreutem 4 Stunden im Monat vergütet. Das Stundenhonorar richtet sich nach der Ausbildung und den Kenntnissen des Betreuers, max. 44 € all inkl.

    Als Angestellter wirst du ein Festgehalt erhalten, das sich jedoch nach eben deiner Ausbildung und deinen Befähigungen und deinen Aufgaben richtet. Erkennt das Gericht deine akademische Ausbildung nicht als für Betreuungen geeignet an, käme nur eine geringere Vergütungsstufe in Betracht. Da du deine Ansprüche ans Gericht aus den Betreuungen an den Verein für das Festgehalt abtrittst, refinanziert sich der Verein auch nur in der Höhe, wie das Gericht deine Ausbildung akzeptiert. Es kann also sein, dass sich dein Gehalt eben nach deiner Ausbildung richtet. Wohlmöglich auch nach deiner Verwendung, für wieviele Betreuungen du vorgesehen bist. Oder aber ob du noch andere Aufgaben übernehmen sollst, wie z.B. sog. Querschnittsaufgaben wie die Betreuung und Fortbildung von ehrenamtlichen Betreuern und Betreuerinnen oder dgl.

    Ich weiß, dass ich dir damit keine exakte Antwort gebe, aber wohlmölglich kann ich dich auf ein paar Umstände hinweisen, die bei der Vergütungsverhandlung entscheidend sein könnten, nämlich, dass du dir deiner Ausbildung und dem grundsätzlichen Vergütungsanspruch gegenüber dem Gericht bewusst bist und du dich nach dem Umfang des Einsatzes bei der Caritas erkundigst, wieviele Betreuungen sie dir zu übertragen gedenken oder erhoffen und ob du darüber hinaus noch weitere Aufgaben wahrnehmen sollst zumindest bis du eine beachtliche Anzahl an Betreuungen erhalten hast, die deinem Gehalt entsprechen. Ich vermute, dass du nach dem kirchlichen Tarif wohl mit um die 1,5 bis 2tsd € netto wirst rechnen müssen.

    Mit bestem Gruß
    Heinz
  • Das ist hier wie mit den Rechenkünsten der Regierung. Die haben auch nie den Unterschied zwischen Netto und Brutto begriffen.
    Der Nettobetrag, d.h der den man dann in der Tasche hat lässt sich nie voraussagen, der hängt von Faktoren wie Alter, Kinder, verheiratet usw. ab.
  • Erst mal vielen herzlichen Dank, gerade auch Dir Heinz, für Deine ausführliche Antwort.

    Das Vergütungssystem habe ich mir schon angesehen, aber in der Tat, was ein angestellter Betreuer, einem Soz.Päd ohne Berufserfahrung gleichgestellt bei der Caritas, oder von mir aus auch bei einem anderen Träger erhalten würde, erschließt sich mir nicht. Zwar habe ich eine lange Liste im Netz gefunden, die alle möglichen Berufs-, Ausbildungs- und Tätgkeitsfelder auflistet die bei der Caritas arbeiten/vorkommen könnten, aber schlau bin ich nicht draus geworden.

    Ich weiß mittlerweile übrigens von zwei Betreuungsvereinen, dass sie ohnehin nur noch Akademiker einstellen, weil diese eben die höchsten Sätze abrechnen können. Mit einem Ausbildungsberuf oder gar ohne Ausbildung ist eine Anstellung wohl kaum möglich und bei uns in der Gegend, so habe ich gehört, vergeben die Gerichte wohl auch nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen (best. Anzahl ehrenamtlicher Betreuungen nachweislich durchgeführt) Aufträge an selbständige Betreuer.

    In dem ersten Gespräch mit dem Leiter des Verbandes, teilte dieser mir mit, dass ich gerne auch die Betreuung der Ehrenamtler und evtl. im Bereich Fortbildung/Seminare (da ich ja als Trainer/Berater arbeite) arbeiten könne, er wünscht sich von mir gerne als GF des Verbandes eine Entlastung.

    Bin dankbar für jeden weiteren Anhaltspunkt, gerade auch was die Vergütungsgruppe (egal ob Caritas oder ÖD oder ...) angeht. Ausgehend von dem dortigen Bruttoanteil kann ich in Verbindung mit der Anzahl der Klienten (ich soll erst mal 20 bekommen) und meiner Familiensituation das Gehalt berechnen.

    Werde aber mal diese Liste im Netz in Ruhe durchgehen und mir einen Rahmen anschauen, in dem eine Vergütung liegen könnte.

    Nochmals vielen Dank!
  • Hallo Schmuggler,

    die Frage nach der Eingruppierung ist eine, die man im Vorstellungsgespräch stellen darf, wenn sie nicht ohnehin angesprochen wird. Mir wurde bisher in jedem Informationsgespräch oder Vorstellungsgespräch die Eingruppierung genannt und man wurde auch aufgefordert, nachzufragen, falls man unsicher ist, wie das Bruttogehalt aussieht. Warum fragst Du nicht?
  • Vielen Dank für den Hinweis.

    Natürlich ist mir klar, dass ich in dem nächsten Gespräch danach fragen kann und werde. Dennoch hätte ich vorher gerne schon mal näheres gewußt. Der Leiter des Verbandes, mit dem ich ein informelles Gespräch hatte sagte mir halt ich würde wie ein Soz.Päd. eingestuft. Da aber noch das "offizielle" Gespräch, mit Teilnahme eines Vorstandmitgliedes, aussteht wollte ich ihn auch nicht drängen mir das Gehalt genau mitzuteilen.

    Mir ist weiterhin klar, dass die Einkommen im Sozialbereich eher "unten" anzusiedeln sind, dennoch möchte ich nicht zu unangenehm überrascht sein, wenn nach einem netten Gespräch das Gehalt einen bitteren Beigeschmack hinterläßt.

    Ich habe mal nachgeschaut: Irgendwo zwischen S8 und S12 vermute ich wird das Einkommen liegen, wohl kaum drüber. Netto ist der Unterschied für mich zwischen S8 und S12 kaum sichtbar. Der eigentliche Gehaltsunterschied ist zwischen den Stufen (Dauer der Beschäftigung im ÖD) festzustellen, so verdient man als Berufsanfänger erheblich weniger als jemand, der schon eine Weile für den ÖD arbeitet. Ich habe zwar ca. 15 Jahre Berufserfahrung würde aber wohl trotzdem in Stufe 1 anfangen und das obwohl meine Berufserfahrung der Tätigkeit eines gesetzlichen Betreuers sehr zu Gute kommt. Auch das Lebensalter scheint nicht berücksichtigt zu werden.

    Die Art der Tätigkeit würde gut in mein berufliches Konzept passen, und ich könnte weiterhin freiberuflich tätig sein, aber die Einkommenshöhe ist für mich möglicherweise ungünstig.

    So werde ich jetzt einfach mal auf die nächste Einladung zum nächsten Gespräch warten und gehe halt von dem aus, was ich herausgefunden habe, kann mich also nur positiv überraschen lassen :thumbsup: