Hausverkauf meiner Demenzkranken Mutter

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  • Hausverkauf meiner Demenzkranken Mutter

    Hallo, vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Ich bin Betreuerin meiner demenzkranken Mutter. Sie lebt seid einem Jahr in einem Heim in einer Demenzgruppe. Ich muss jetzt leider das Haus meiner Mutter verkaufen um die Kosten decken zu können. Laut Aussage des Gerichts brauche ich ein Gutachten über den Wert des Hauses und eine Bescheinigung des Arztes über den Gesundheitszustand meiner Mutter.Reicht ein Schätzgutachten oder muss es ein sehr genaues Gutachten mit Wärmeisolation und solchen Dingen sein? Dieses Gutachten kostet zwischen 3-und 5000€. Falls jemand schon einmal ein Haus einer Betreuten verkauft hat wäre ich über infos sehr dankbar insbesondere bzgl. Gutachten, aber auch andere Infos sind sehr willkommen. Vielen Dank und schönes Wochenende. knollbold
  • hallo Knollbold,

    als Berufsbetreuer musste ich mal ein Haus verkaufen unter ganz widrigen Umständen. Gebaut 1784 mit echtem Fachwerk, also Lehm, wo der Schwamm drin steckte, aber alles unter Denkmalschutz und der Boden kontaminiert durch eine vormalige Zinkhütte und die Deppen der Stadt hatten das in ihrem Gutachten natürlich nicht berücksichtig, weshalb das Gutachten praktisch für die Tonne war, aber natürlich die Vorgaben des Gerichts beeinflusste, war ja von der Stadt. Also ich weiß, wovon ich rede.

    Als Beteuerin kannst du den Wert des Hauses nach der Versicherungssumme bestimmen. Du kannst aber auch ein Geldinstitut mit der Verwertung beauftragen. Ich würde es mir als Betreuer so einfach wie eben möglich machen. Entscheidend ist aber, dass es sich ja um deine Mutter handelt. Heißt, in den ganzen Überlegungen steckt natürlich auch Familienrechtliches und wohl auch Erbrechtliches. Wer würde das Haus erben, wenn die Differenz zu den Heimkosten die Unterhaltspflichtigen, sprich die Kinder oder du aufbringen würdest?

    Ich an deiner Stelle würde als erstes mal die Pflegeberatung der Stadt konsultieren und mir vorrechnen lassen, was an das Heim zu zahlen ist. Die Heime machen nämlich oft ihr eigenes Ding, heißt sie rechnen zu ihren Gunsten. Also sind sie nicht anders zu behandeln als ein Finanzamt. Und dann würde mir die Beratung bei einem Anwalt auch 100 oder 200 Euro kosten lassen, der mich über die Rechte und Pflichten als Angehöriger informiert und mich berät, wie die Situation als Familie am besten zu gestalten ist und das völlig unabhängig vom Betreuungsgericht. Dem Betreuungsgericht ist die Gemengelage eh bekannt und wenn die merken, dass du zu deinem Gunsten die Betreuung führst, wird wohlmöglich ein Ergänzungsbetreuer beauftragt, der dir sowieso auf die Finger schaut.

    Doch würde ich an deiner Stelle erstens nicht alles, was das Heim oder das Gericht vorgibt, als non plus ultra hinnehmen. Ein bisschen ziviler Ungehorsam ist in unserer Zeit mehr als angebracht. Und zum andern sollte deine 'Arbeit' als Betreuerin, die du ja ehrenamtlich führst, dich nicht als mögliche Erbin übervorteilen.

    Also mein Rat, informiere dich über deine Rechte und Pflichten gut. Sollte dann doch das Haus zum Verkauf anstehen, weil es sowohl für deine Mutter wie auch für dich die beste Möglichkeit ist, dann frage doch die Stadt, ob sie das Haus zur Deckung der Heimkosten kaufen möchte. Auch eine Versteigerung käme in Betracht. Ich habe es damals so gehandhabt, doch obwohl die Stadt wegen der Heimkosten fürchterlichen Druck gemacht hatten, wollten sie weder das Haus erwerben noch versteigern, aber vom völlig verfehlten Denkmalschutz auch nicht abrücken. Zum Glück hatte ich eine sehr fitte und weise Rechtspflegerin, die mir grünes Licht gab, als sich dann doch ein Käufer für etwas mehr als ein Viertel des von der Stadt geschätzten Wertes fand. Aber solche Rechtspfleger gibt es nicht immer.

    Dir bei der Suche nach dem rechten Weg für deine Mutter und für dich viel Glück und ERfolg
    Heinz






  • Späte Antwort - aber vielleicht hilfreich

    Hallo Knollhold, ist manchmal eine bittere und immer eine sehr emotionale Sache wenn Vermögen wie hier das Haus der Mutter zur Finanzierung der Pflege veräußert werden muss. Der Frage nach einem Gutachten, den damit verbundenen Kosten klärt noch lange nicht über den wirklichen Marktwert der Immobilie auf. Oftmals entstehen zwischen privaten = emotionalen Werteinschätzungen innerhalb der Familie, gutachterlichem Verkehrswert und dem realen Marktwert den letztlich der Käufer bezahlt erhebliche Unterschiede. Dazu kommt der Faktor Zeit der von den örtlichen Marktverhältnissen, den Lagebedingungen und dem jeweiligen Zustand der Immobilie bestimmt wird. Du kannst einen Makler einschalten der den klassichschen Weg geht, über Monate eine Besichtigung nach der anderen einzeln durchzuführen. I.d.R. wird der zunächst gewählte Angebotspreis in der Folge immer kleiner bis letztlich der finale Käufer Dir mitteilt was er bereit ist zu zahlen. Dann gibt es den Weg ein professionelles Bieterverfahren durchzuführen, welches zum gewählten Zeitpunkt und in den ersten 3 Wochen danach ein klares Bild wiedergibt, was die Marktteilnehmer/Käufer bereit sind für die Immobilie zu bezahlen. Das dauert insgesamt rd. 3 Monate. Darüber hinaus ist die freiwillige Immobilienauktion ein weiterer Weg zur Vermarktung. Bei dieser wird ein vom Auktionator geführter Bieterwettstreit erzeugt und geführt der zeitnah zum Erfolg führt. Interessant ist dabei, daß nur Bieter für einen Zuschlag in Frage kommen die bereits eine 10% ige Sicherheit im Auktionstermin nachweisen und schon eine Finanzierungsbestätigung dabei haben. Ggfs. können sogar Gutachterkosten gespart werden, sofern der zuständige Rechtspfleger der Ansicht des BGH folgt: ....das Ergebnisse bei einer Versteigerung immer den tatsächlichen Verkehrs- bzw. Marktwert des versteigerten Guts widerspiegelen. Die Verfahrenslaufzeit ist rd. 8-10 Wochen. Apropos, die von Heinz angesprochenen Versteigerung über die Amtsgerichte liefern nach aktuellen Statistiken erst nach rd. 2 Jahren erste Ergebnisse. Ich hoffe Dir haben diese Ausführunge ein wenig geholfen.
    Beste Grüße
    Dietmar Bremer