Amnesie - Gedächtnisverlust

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    • Amnesie - Gedächtnisverlust

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      Von Andrea Westhoff


      Der Gedächtnisverlust ist der Stoff aus dem gerne Krimis
      gemacht werden. Denn wenn ein Mensch nicht mehr weiß, wer er ist oder
      was er getan hat, scheint alles möglich. In der Realität dagegen ist die
      Amnesie eine neuropsychologische Störung, die nicht nur den Betroffenen
      selbst das Leben schwer macht.

      ....Das Vergessen kann in unterschiedlicher Weise auftreten, erklärt
      Professor Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und
      Psychotherapie der Charité:

      "Es gibt
      zum Beispiel typischerweise retrograde Amnesien nach einem
      Schädel-Hirn-Trauma. Wenn man stürzt und auf den Kopf fällt und hat sich
      eine schwere Gehirnerschütterung oder gar eine Gehirnquetschung,
      contusio, zugezogen, dann kann es auftreten, dass die Menschen die
      Ereignisse vor dem Umfall nicht mehr erinnern, also rückwirkend
      bestimmte Erinnerungen nicht zugänglich haben."

      Oder der
      berühmte Fall des Clive Wearing: Bei dem Musiker löschte eine
      Herpesvirusinfektion im Gehirn nicht nur seine gesamte Vergangenheit
      aus, sondern auch die Fähigkeit, neue Erinnerungen zu speichern. Hier
      spricht man von anterograder Amnesie......

      .....Amnesien gehören zu den neuropsychologischen Störungen und haben
      verschiedene, in den allermeisten Fällen organische Ursachen:
      Kopfverletzungen, epileptische Krampfanfälle oder schwere
      Beeinträchtigungen wie bei einem Schlaganfall; aber auch eine
      infektionsbedingte Hirnhautentzündung oder ein Tumor können einen
      Gedächtnisverlust bewirken, ebenso wie Vergiftungen durch Alkohol oder
      Drogen - der berühmte "Filmriss". Nicht ganz geklärt ist die Ursache bei
      den angesprochenen "globalen", plötzlichen Amnesien:

      "Man
      geht davon aus, es könnte eine plötzliche Durchblutungsstörung sein von
      Hirnarterien, die eher aus dem Nackenbereich aufsteigen und dann für
      das Gedächtnis relevante Regionen wie den Hippocampus mit Blut
      versorgen."

      Das kann ausgelöst werden durch extreme
      körperliche Anstrengung oder Anspannung, also Stress, und auch durch
      eine plötzlich auftretende seelische Belastung. Schwere traumatische
      Erlebnisse können ebenfalls zu einem teilweisen Gedächtnisverlust
      führen......

      ...."Der Hippocampus ist eben wahrscheinlich
      nicht einfach ein Speicher, in dem alles drinsteckt, was wir so erlebt
      haben, sondern man muss sich das eher so vorstellen wie eine
      Steuerzentrale."

      Hier werden alle Informationen
      "emotional bewertet" - und das meiste dabei gleich wieder verworfen,
      also vergessen - der Rest wird mit bereits gespeichertem Wissen
      verglichen und erst jetzt im Langzeitgedächtnis "abgelegt". Aber auch
      das ist nicht ein Ort im Gehirn, sondern es gibt mehrere "Gedächtnisse"...

      .....und mitunter, beklagen Amnesie-Betroffene, fehle es auch an Verständnis.
      Misstrauen schlägt ihnen nicht selten entgegen. Dazu der Psychiater
      Professor Andreas Heinz von der Berliner Charité:

      "Natürlich
      kann man simulieren, das ist so, aber eigentlich ist es ein typisches
      klinisches Bild, und die Amnesie betrifft nicht einen einzelnen Bereich:
      'Ich bin gestern zu schnell gefahren, aber komischerweise habe ich
      genau dafür eine Amnesie, ansonsten weiß ich aber, wer ich bin, wo ich
      wohne, was ich tue und wie ich mich jetzt am besten um die Bestrafung
      drücke', das ist keine Amnesie."