Was für eine Unverschämtheit

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    • hallo Mutabor,

      du magst Recht haben, dass bei solcher 'Qualitätsicherung' der Verdacht von einem Geschmäckle aufkommt, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird und ein Anwalt einen Sonderbonus hat. Das wirft natürlich die Frage auf, wie agieren die von der Betreuungsstelle und dem Gericht. Ich hab es erlebt, dass ein Mitarbeiter der Betreuungstelle nahezu einen Fanclub hatte, der sich regelmäßig traf und sich austauschte und nur Erlauchte dort hinein kommen konnten. Eine Kollegin hatte mich mal zu dem Treffen mitgenommen. Und da der Beamte der Betreuungsstelle mich aber nicht persönlich in seinen Kreis aufgenommen hatte, kam er zwar zum Treffen, sah mich, gab seine Informationen in die Runde und verschwand und dann wurde ich gebeten, doch nicht mehr zu den Treffen zu erscheinen.

      Es war ja klar, dass dieser Beamte der Betreuungsstelle die Anfragen nach Betreuungen 'seinen' Fans zuschob und andere Betreuer und Betreuerinnen in dem Bezirk bei der Empfehlung ans Gericht ignorierte. Zum Glück gehörte ich nicht in seinen Zuständigkeitsbereich und wurde nachher auch durch Empfehlungen direkt vom Gericht ernannt und hatte mit der Betreuungsstelle dann auch nicht mehr viel zutun.

      Aber da Betreuungsrecht Ländersache ist und die Vergabe und die Kontrolle von Betreuungen teilweise sogar von Amtsgericht zu Amtsgericht divergiert, kann man das ja nicht verallgemeinern, auch nicht den Verdacht, dass Anwälte einen Sonderbonus haben.

      Heinz




    • Wie gesagt, mir ist das Verhalten mancher Anwälte durchaus bekannt. Aber normalerweise bekommt man hier bei "uns" - klingt blöd - die Betreuung spätestens nach 3 Monaten entzogen.



      Ich bin mittlerweile an drei verschiedenen Betreuungsstellen gemeldet. Wenn ein Vermögensverzeichnis nicht bei Gericht eingeht, wird der Betreuer noch 2 oder 3 mal zur Abgabe aufgefordert. Dann wird die Betreuungsstelle zur Überprüfung eingeschaltet. Sie spricht dann mit den Beteiligten, also Betreuter (wenn er sich äußern kann), Heim, usw. mit allen Stellen und verlangt vom Betreuer einen Bericht oder Nachweise, um welche anstehenden Angelegenheiten er sich gekümmert hat. Dann erstellt die Betreuungsstelle einen Bericht für das Gericht. Wenn sich herausstellt, dass nichts oder zu wenig unternommen wurde, wird dem Betreuer die Betreuung zwangsweise entzogen.


      Deshalb meine ich: Wie konnte es sein, dass man so lange zuschaut? Bei jedem anderen Betreuer hätte es spätestens im Mai einen Betreuerwechsel geben müssen. Ich werde doch auch regelmäßig überprüft.



      Aber, nach meiner persönlichen Erfahrung unterschätzen gerade junge Anwälte die Betreuertätigkeit. Zitat eines mir gut bekannten Anwalts: "Betreuungen kann jeder machen. Wenn das sogar die Sozialen hinkriegen, läuft das bei mir so nebenbei mit. Ist sowieso nicht viel Arbeit nund die Vergütung ist sicher." Nach meinem bisherigen Informationsstand wusste der betreuende Anwalt wohl tatsächlich noch nicht viel darüber, wie man einen Antrag stellt und was man dafür braucht. Er konnte sich bestimmt nicht eingestehen, dass er etwas blauäugig an die Sache herangegangen ist. Und die anderen Zuschauer dachten, der kriegst es schon noch hin.
    • hallo Mutabor,

      ich sehe nicht, was ich missverstanden haben sollte.

      Ich finde es gut, dass dir Bedingungen der Vergütung, aber auch die Anforderungen bei einer Übernahme einer bestehenden Betreuung bewusst sind. Das ist nicht selbstverständlich, auch nicht für Berufsbetreuer. Schließlich kommt so schnell ja niemand auf so'n Quatsch. Aber wie sagt schon der alte Jurist - man kann gar nicht so dumm denken, wie es kommen kann.

      Die Umstände des Anwalts erinnern mich an eine Schilderung innerhalb einer Supervision, wo von einem Richter berichtet wurde, der ebenfalls die schleichende Erkrankung nicht sah und leugnete. Da kamen auch schon mal unbearbeitete Akten in den Keller. Und die Kläger und Beklagten wunderten sich, dass sich über Monate nichts tat. Bei den bekanntlichen Mühlen auch nicht verwunderlich.

      Deine Entrüstung erinnert mich an ein Unfallopfer, dass völlig entsetzt ist über die Dusseligkeit des anderen, der doch den Unfall hätte kommen sehen und hätte bremsen müssen und können. Weshalb hat er das nicht gemacht? So etwas Bescheuertes und Unverantwortliches.

      Nun, der Anwalt hat auch die Betreuung vor die Wand gefahren bzw. ließ es schleifen. Wie gesagt, das ist ärgerlich, aber menschlich und in Justistenkreisen durchaus normal. Ansonsten gäb es eben nichts zu klagen.

      Ich habe eine Betreuungen mal an einen Anwalt abgegeben, der meinte, dass er es überhaupt nicht einsähe, den Betreuten im Krankenhaus aufzusuchen oder im Altenheim. Ich bekam noch noch Jahren Post von den Gläubigern des Betreuten. Es gibt also auch Anwälte, für die ist diese Haltung kein peinliches Versehen, für das sie sich mit Überlastung entschuldigen, sondern eine Selbstverständlichkeit und wie Juristen sagen - systemimmnanent. Da machste nix.

      besten Gruß
      Heinz















    • Hallo Heinz,



      da hast du einges völlig missverstanden.



      Ich erwarte nicht, dass ein Anwalt alles kann oder weiß. Ich habe über 10 Jahre mit und für Anwälte gearbeitet bevor ich selbst Betreuungen übernommen habe. Mir ist völlig klar, dass die auch nur ihr Fachgebiet kennen und ich weiß, was man erwarten kann. Und jeder macht auch Fehler oder ist mal mit einer Sache hinterher.


      Hier geht es doch darum, dass ein Betreuer seinen Fall abgeben muss, wenn er merkt, dass er - warum auch immer - der Aufgabe nicht gerecht werden kann. Ob das nun ein persönlicher Schicksalsschlag ist oder ob er fachlich mit einem Auftrag überfordert ist. Er hätte schon lange seine Fälle abgeben können. Statt dessen richtet er weiter Schaden an und will die Betreuung trotzdem noch so lange wie möglich behalten. Das ist nicht gerade verantwortungsbewusst.


      Mir macht auch niemand Druck. Im Gegenteil. Ich erhalte viel Unterstützung und Verständnis, gerade auch vom Heim. Mein Vermögensverzeichnis werde ich wie immer machen und auch sonst werde ich nur meine Arbeit machen. Dass Betreuer unterbezahlt sind, war mir vorher klar. Trotzdem ist es meine Pflicht, noch größeren Schaden zu vermeiden.



      Unabhängig sind Betreuer ganz und gar nicht. Zumindest so, wie ich es bisher kenne, gibt es eine Art "inoffizielle Personalakte" :whistling: bei der Betreuungsstelle. Und je häufiger sich Beschwerden oder Versäumnisse dort herumsprechen, desto seltener wird man für Betreuung vorgeschlagen. Ich halte auch das Wort "selbständig" im Zusammenhang mit diesem Beruf für eine Farce. Man hat nur einen Auftraggeber und man ist von der Gunst der Betreuungsstellen nicht selten abhängig. In einem anderen Fall habe ich mitbekommen, wie der Ruf einer Betreuerin gezielt bei der Betreuungsstelle ruiniert wurde. Diese Betreuerin hat dann so wenige Betreuungen bekommen, dass sie sich nach einer anderen Tätigkeit umsehen musste, um ihre Existenz zu sichern.
    • hallo Mutabor,
      schön, dass du dir hier Luft machst. Das ehrt uns. Doch darf ich annehmen, dass du auch unsere Ansicht dazu lesen möchtest.

      Nun, ich kann deine Entrüstung gut verstehen. Vor allem, das es ja ein Anwalt ist und von dem darf man doch wohl einiges erwarten. Darf man das? Nur weil er Anwalt ist? Was ist, wenn auch er Hilfe braucht, aber es wohlmöglich sich selbst noch nicht eingesteht und es leugnet? Viele, deren Akku zu Ende geht, wollen noch irgendwie funktionieren und haben Angst, sich und anderen einzugestehen, dass sie eigentlich ausgebrannt sind oder überfordert.

      Nun hatte der Anwalt einen Auftrag und eine Verantwortung, der er ganz offensichtlich nicht gerecht geworden ist. Das ist ärgerlich. Zweifelsohne. Noch ärgerlicher ist aber, dass der Gesetzgeber annahm, wenn man denn eine Betreuung von einem 'Kollegen' oder 'Kollegin' übernimmt, dass dann praktisch nichts zu tun sei und dann auch nur 3 Stunden im Monat zu vergüten sind. Und in den 3 Stunden kann man praktisch nichts machen. Da steckt ja auch die Fahrzeit zum Heim und Telefonate und dgl. drin und nicht einmal das Sortieren der Unterlagen.

      Deine Entrüstung müßte sich ansich gegen unsere arroganten Justizminister und die deppenhaften Politiker richten, denen das schnurzpiep egal ist.

      Ich will den Anwalt nicht in Schutz nehmen, aber jeder hat ein Recht, krank und behindert zu sein, mit und ohne Betreuung. Ob Anwalt oder Lehrer oder Altenpflegerin, spielt letztlich keine Rolle.

      Aber noch ein Aspekt ist mir wichtig: Was meinst du tun zu müssen und in welcher Zeit? Meinst du, alles, was der Anwalt verschusselt hat, schnellstmöglich korrigieren zu müssen? Wer erwartet das von dir? Du von dir selbst? Weshalb? Und wenn das Gericht von dir erwartet, jetzt aber hurtig den Bericht und das Vermögensverzeichnis und und und zu regeln und mitzuteilen - weshalb meinst du nicht auch dir das Recht nehmen zu können, halblang zu machen, sutje, immer mit der Ruhe. Gut Ding will Weile haben. Es hetzt dich niemand, es sei denn du dich selbst.

      Aber so ein Heim kann man manchmal ganz schön nerven. Ich kenn das, auch aus Sicht des Heimes, weil ich eine Zeitlang in der Mitgliederversammlung eines Heimes war. Da gibt es ein eigenes System, das sich bis in die Verwaltung durchschlagt und die natürlich sich rechtfertigen muss, den Betreuer oder die Betreuerin Beine gemacht zu haben. Dagegen zu halten ist mitunter schwieriger als bei Gericht Verständnis zu bekommen, dass nicht alles hopplahop geschieht.

      Aber auch die in der Verwaltung des Altenheims haben keinen Spaß daran, Druck zu machen. Sie geben ihn nur weiter, den sie selbst bekommen. Aber BetreuerInnen sind in einer komfortablen Position - sie sind nicht angestellt, haben keinen Chef und auch keine Personalakte, wo eine blöde Beurteilung reingeruscht ist. Deshalb können Betreuer auch gegenüber dem Druck, der ihnen gemacht wird, recht schnodderschneuzig sein und den Druck einfach ins Leere laufen lassen.

      Entscheidend ist letztlich, dass mit der Zeit, und das kann durchaus auch erst nächstes Jahr sein, so langsam die Angelegenheiten ins Lot kommen. Schließlich bekommst du auch nur 3 Stunden im Monat vergütet. Und damit kann man wirklich keine Wunder erwarten.

      In diesem Sinn ruhig Blut. Steter Tropfen höhlt den Stein. Mit Ausdauer und Geduld wirst du die Angelegenheit in der angemessenen Zeit erledigt bekommen. Was angemessen ist, bestimmst du.

      Besten Gruß
      Heinz
    • Was für eine Unverschämtheit

      Jetzt muss ich mir hier ein bisschen Luft machen. Ich werde zur Zeit von chaotischen Fällen überrollt.



      Ich habe in dieser Woche eine laufende Betreuung übernommen, die ein Berufsbetreuer (Rechtsanwalt) führte. Ich bin schockiert!


      Es handelt sich um eine alte Frau, die aus einer verwahrlosten und vermüllten Wohnung ins Heim kam. Das war im Januar. Seitdem wurde nichts mehr gemacht. Ich meine wörtlich NICHTS. Das Heim hat sich bemüht, sich um alles zu kümmern. Sie haben dem Betreuer regelmäßig den Antrag auf Pflegestufe geschickt oder gefaxt. Er hätte nur seine Unterschrift darunter setzen müssen und zurückfaxen. Dann hätte sich das Heim um alles gekümmert. Nicht einmal das wurde erledigt.

      Der Antrag auf Sozialhilfe ist seit einem halben Jahr unvollständig. Die Wohnung wurde nicht gekündigt und schon gar nicht geräumt. Im Februar befand sich dort Ungeziefer, ich bin gespannt, wie es jetzt aussieht. Das Heim arbeitet auf Pflegestufe 3 und bekommt kein Geld. Die Betreute zahlt immer noch jeden Monat Miete. Das Heim hat Zuzahlungen von über 400 € ausgelegt, natürlich gibt es auch keine Zuzahlungsbefreiung. usw ... Der Anwalt wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass man jetzt das Gericht informieren müsste, so könne es nicht mehr weitergehen. Er bat einmal um Verständnis, da er in persönlichen Schwierigkeiten stecke. Er war so gut wie nie erreichbar und hat auch auf kein Schreiben reagiert.



      Nun wurde mir vor 3 Wochen mitgeteilt, man suche eine neue Betreuerin, da der alte Betreuer seine Fälle abgeben möchte. Was für ein Chaos ich vorfinden würde, konnte ich mir nicht vorstellen.



      Nun habe ich eine dringliche E-Mail an meinen Vorgänger geschrieben und drei Minuten später rief er mich zurück. Er hat sofort einen Termin zur Übergabe ausgemacht und ich habe beinahe im Vorbeigehen eine Kiste mit Ordnern in die Hand gedrückt bekommen, begleitet von der Aussage, seine Frau sei schwer erkrankt und mit dieser einen Betreuung (seine Frau) sei er völlig ausgelastet. Was ihn viel mehr interessierte, war, ob ich Anwältin oder Sozialpädagogin sei.



      Nun kämpfe ich mich durch das Chaos und stelle fest, dass es noch nicht einmal ein Vermögensverzeichnis gab (seit Januar!!!) und die Tatsache, dass die Wohnung noch nicht gekündigt ist, ist auch noch nicht das Schlimmste. Es wurde noch gar kein Antrag auf Genehmigung zur Wohnraumkündigung gestellt.



      Ich bin sprachlos. Mich würde mal interessieren, ob man auch so lange zugeschaut hätte, wenn der Betreuer nicht Anwalt wäre. Das mag eine Unterstellugn sein, aber meiner Meinung nach wäre der Mann auch ohne kranke Frau überfordert gewesen. Zum Glück kann er sich selbst um seine Frau kümmern. Was wäre denn, wenn sie so einen gesetzlichen Betreuer erwischt hätte wie ihren Mann?


      Ich bin stinksauer. :cursing: