"Als Depperte Abgestempelt" (Der Spiegel, Nr.23, 04.06.2012)

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    • "Als Depperte Abgestempelt" (Der Spiegel, Nr.23, 04.06.2012)

      Die Sendung im ARD haben einige gesehen, dass aber am gleichen Tag im Spiegel ein Artikel zum Thema erschien, möchten wir hier noch nachtragen. Die Rechtlichen Betreuer (m/w) werden dort alle in einen Topf geworfen und als fahrlässige, unzulängliche Raffgierige dargestellt...aber lesen Sie selbst. Der Artikel liegt im Anhang dieser Nachricht.
      Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens ein paar Leserbriefe in der nächsten Ausgabe erscheinen.

      Liebe Grüße
      Ihr IKOME-Team
      Institut für Kommunikation und Mediation Dr. Barth
      PD Dr. habil. Gernot Barth
      Hohe Str. 11
      04107 Leipzig

      Tel.: 0341/22541350
      Fax: 0341/22541351
      Mail: betreuungsrecht@ikome.de
      Internet: ikome.de
    • Aber wusstet Ihr das noch nicht? Wir Betreuer sind doch alle nur da, um unsere "Schäfchen" in den Ruin zu treiben! :thumbdown:
      Dieser Artikel erinnert mich sehr an die Ausländerdebatten, welche wir in Deutschland so schön medial ausgelebt haben...
      Da gab es kriminelle Ausländer (im Promillebereich gesehen zum Ausländeranteil in Deutschland), aber es wurden die restlichen 99,999% zwangskriminalisiert.
      Da hat die Spiegel-Redaktion wirklich gut recherchiert! Aber ich denke, dass dieses Schmierenblatt wohl auch keiner kaufen würde, wenn im Artikel gestanden hätte, wie vielen Menschen die Betreuer tagtäglich (quasi) den "Hintern" retten. Oder?
      In diesem Sinne freue ich mich sehr darüber, ein latentes kriminelles Risiko für die Menschheit zu sein und trotzdem tagtäglich helfen zu können!
    • HI Micha
      HAbe mir den Artikel auch durchgelesen. klar s wird hauptsächlich über solche fälle berichtet. denn das wollen die Leute lesen. wo es mal gut läuft und das gibt es sicherlich auch (obwohl es mir auf grund meiner jetzigen Erfahrungen schwer zu glauben scheint) wir wenig wenn übberhaupt berichtet. weil es eben nicht so spektakulär ist. shclimm denn es macht wieder mal ein einseitiges Bild.Ich dnek es müsste dringends mal ein berufsbild für betreur her den man dnan richtig erlernen müsste, shcützt dann vileeihct auch nicht so vor Missbrauch aber dann kann eben nicht jeder HInz und KUnz Betreur werden.
      lg momo


      mann braucht im leben eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.:O))
    • Den Beruf zu schützen, würde sicher nicht vor Missbrauch schützen, aber es wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Wir erleben hier tagtäglich, wie viele diesen Beruf nicht kennen und denken, es geht um die Besorgung von Einkäufen oder pflegerische Tätigkeiten. Und das sind Menschen, welche anderen helfen sollen/wollen, sich beruflich neu zu orientieren. Sie sind nicht nur bei der Agentur für Arbeit angestellt, sondern in allen möglichen Einrichtungen dieser Art... :hmmmm:
      Unseres Erachtens wird es schwierig bleiben, den Beruf zu schützen, solange der Gesetzgeber vorsieht, dass dieser hauptsächlich im Ehrenamt ausgeführt werden soll. Wie dies zu bewerten ist, kann ja jeder selbst überlegen ;)

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Institut für Kommunikation und Mediation Dr. Barth
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    • hallo allseits,

      ich freu mich über diese doch betrübliche Diskussion. Aber somit haben die Beiträge schon mal was bewirkt. Ich bin mir sicher, dass diese oder ähnliche Diskussion auch anderswo beführt wird. Es gibt halt allerwegen Zündstoff und das berechtigterweise, da die Erwartungen recht unterschiedlich sind.

      Doch ein paar Dinge sollten durchaus richtig gestellt werden - nicht jeder Hinz und Kunz kann (Berufs-)Betreuer werden. Das war mal der Fall in den 90.ern, doch heute sieht das Gesetz schon eine beachtliche Differenzierung vor, die bei genauem Besehen aber das Dilemma aufzeigt - wer es nicht gelernt hat, bekommt einen geringeren Stundensatz, wenngleich die Anzahl der vergüteten Stunden dieselbe ist. Heißt, auch ein gelernter Betreuer arbeitet nicht schneller oder effektiver.

      Nun sind wir bei Ausbildung - inzwischen kann man das Fach an der Fachhochschule auch studieren und darin einen Hochschulabschluss erlangen. Mann und Frau kann sich auch privat weiterqualifizieren und wie wir hier lesen auch mit Zertifikat.

      Die Frage ist was ist das Zertifikat wert? Der Berufsverband BdB hat sich schon vor der letzten Gesetzesänderung die Qualifizierung und Zertifizierung auf ihre Fahnen geschrieben, zum Teil mit eben solchen durchsichtigen Motiven der Gelddruckerei, wo vom BdB favorisierte Ausbildungsbetriebe zertifiziert wurden und Berufsbetreuer ähnlich wie bei den Ärzten gezwungen werden sollten, jährliche Fortbildungen zu besuchen, ansonsten ihre Berechtigung als BetreuerIn verlieren würden.

      Hat sich aber so nicht realisert. Weshalb nicht? Weil, wie zutreffend festgestellt wurde und ja auch im Gesetz steht - zunächst die Angehörigen und sonstige Ehrenamtliche ran sollten. Und nur wenn die nicht dasind oder nicht wollen oder nicht können und auch sonst sich niemand kostenneutral findet, sollen als ultima ration die Berufsbetreuer-Innen ran. Aber bitteschön möglichst auch so preiswert wie eben möglich. Und da Berufsbetreuer ihren Lebensunterhalt erwirtschaften wollen, das Stundenkontigent aber nicht erhöht wird, auch nicht hinsichtlich der Qualifikationen oder der Berufserfahrung - ist es eigentlich wurscht, wer wie die Betreuung führt. Aber das darf natürlich niemand so sagen. Denn wir leben ja in einen Sozialstaat, der bei näherem Besehen so sozial auch nicht ist. Aber Hauptsache der Schein wird gewahrt. Wohlmöglich noch mit Zertifizierung.

      Das eigentliche Problem ist, wie ich ja hier schon ausgeführt habe, dass der Gesetzgeber gerne am Art. 12 GG vorbei den Berufsstand der Berufsbetreuer wieder aufgehoben hätte und die Betreuungen samt und sonders den Kommunen und ihren Beamten und Beamtinnen aufgehalst hätte. Doch dann wäre die Situation keineswegs besser gewesen. Im Gegenteil. Wenn Feierabend, dann auch Büroschluss und verschlossene Türe. Ich weiß, dass es auch Berufsbetreuer gibt, denen das Wohl der Betreuten am Herzen liegt und die dafür sorgen, dass die Betreuten ihr Auskommen haben und versorgt sind und die auch mal ins Krankenhaus fahren oder auch mal was aus der Kleiderkammer organisieren oder dgl., die nicht nur auf die Anzahl der vergüteten Stunden schielen und die nicht nur rechtlich sondern auch mal persönlich betreuen.

      Aber medial sind halt solche Stories nicht der Bringer. Das Konsumverhalten vieler, vorwiegend auf schlechte Nachrichten anzuspringen, wie wir ja an den Beispielen nur zu deutlich sehen, bringt die gewünschten Emotionen der Entrüstung. Leider sind aber die vielen Beteuer und Betreuerinnen, ob beruflich oder ehrenamtlich, die mit viel Herzblut und Einsatz ihre Arbeit machen, schwer dazu zu bewegen, von sich in solchen Foren zu schreiben und zu berichten.

      Entscheidend ist aber auch hier die Perspektive, der Standpunkt und das Sehen wollen. Wer nur die Missstände im Blick hat, wertete die anderen mitmenschlichen Geschehnisse eher als Ausnahme. Wer hingegen die Missstände als wenn auch beklagenswerte Ausnahme definiert, hat aber auch die vielen anderen Betreuungen und Betreuten und Betreuer im Blick, mit der Tendenz zu Helden des Alltags.

      In diesem Sinn

      Heinz
    • Hallo Heinz,

      vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag.
      "Ungelernte" verdienen in jedem Beruf weniger. Das würden wir nicht so sehr als die Crux des Berufsbetreuers ansehen.

      An welcher Fachhochschule bekommt man einen Hochschulabschluss im Betreuungsrecht? Falls Sie das Angebot von Kompetenzvorsprung meinen: dort kann man ein Hochschulzertifikat "Berufsbetreuer/in (FH)" erlangen. So steht es in deren Broschüre. Das ist kein Hochschulabschluss, sondern ein Zertifikat. Es hat somit keine Auswirkungen auf die Vergütung.
      Unseres Wissens gibt es nur einen Hochschulabschluss in diesem Bereich in Deutschland: Bachelor of Arts im Studiengang "Betreuung und Vormundschaft" der Steinbeis-Hochschule Berlin, Akademie für öffentliche Verwaltung und Recht. Mit diesem Abschluss erhält der Berufsbetreuer die höchste Vergütungsstufe.

      Zu Ihrem Beitrag über den BdB e.V. Unser Institut ist nicht von diesem zertifiziert, sondern vom TÜV-Süd nach AZAV zertifiziert. Der BdB e.V. erkennt die Qualität unserer Aus- und Weiterbildungen an und vergibt dafür Qualitätspunkte für deren Qualitätsregister. Die Aufnahme dort ist freiwillig.

      Eine Diskussion, auch über schlechte Nachrichten, ist m.E. wichtig. Schlimm wäre es, solche verzerrten Darstellungen der Medien hinzunehmen. Und wenn wir "nur" feststellen, dass es in jeder Branche schwarze Schafe gibt und diese (hoffentlich) eine Ausnahme sind. Somit werden die gewürdigt, welche Ihren Beruf gewissenhaft ausüben.

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Institut für Kommunikation und Mediation Dr. Barth
      PD Dr. habil. Gernot Barth
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    • hallo IKoMe Team, sehr geehrter Dr. Barth,

      vielen Dank für manche Konkretisierung und Richtigstellung. Doch der Reihenfolge nach
      ""Ungelernte" verdienen in jedem Beruf weniger. Das würden wir nicht so sehr als die Crux des Berufsbetreuers ansehen."

      Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, jedoch nicht im Bereich der gesetzlichen Betreuung. Es ist ein systemischer Anachronismus, den Vorrang für gesetzliche Betreuung den Angehörigen und den Ehrenamtlichen einzuräumen und die ultima ration der Berufsbetreuung in der Notwendigkeit und Vergütung (finanzielle Wertschätzung) zu diskreminieren nach dem Motto, das was ihr studiert habt oder im Rahmen unfangreicher Fortbildung und Qualifizierung samt Zertifizierung gelernt habt, kann im Grunde jeder Vater, jede Mutter, jedes Kind, jeder Ehepartner. Für diese Tätigkeit ist, um die Anforderungen des Gesetzes zu erfüllen, keinerlei besondere Befähigung erforderlich.

      Im Gesetz fehlt jede Zuweisung, unter welchen Umständen ausschließlich eine berufliche Betreuung angeordnet werden muss und welche Qualifizierung für diese besonderen Betreuung erforderlich ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, wer etwas auf sich hält und sich als Berufsbetreuer qualifiziert und fortbildet und sich und seine Arbeit durch besondere Kenntnisse und Fähigkeiten auszeichnet, macht es letztlich zum eigenen Vergnügen, erfüllt jedoch keinerlei gesellschaftliche oder gesetzliche Erfordernisse.

      Dieser Anachronismus wird noch dadurch fortgeführt, dass eine von Angehörigen oder sonstigen Ehrenamtlichen über eine Jahr mehr oder weniger erfolgreich geführte Betreuung aufgrund eines besonderen Umstandes einem Berufsbetreuer übertragen wurde, dieser lediglich den verminderten Stundensatz abrechnen kann. Das bedeutet, wenn ein Betreuuerwechsel erforderlich wurde und das Gericht die Notwendigkeit hierzu erkannt hat, ansonsten könnte die Betreuung ja durch den Angehörigen oder Ehrenamtlichen fortgeführt werden, so besteht auch wahrscheinlich ein erhöhter Handlungsbedarf. Dennoch tut der Gesetzgeber so, als sei bereits alles Erforderliche getan und der oder die Nachfolgerin bräucht nur gelegentlich nach dem Rechten sehen.

      Ebenso widersinnig ist die Regelung bei einem Betreuerwechsel von einem zum anderen Berufsbetreuer und nicht zuletzt in der Urlaubsregelung und Vertretung im Krankheitsfall. Die Vergütung von im Schnitt 4 Stunden pro Monat pro Betreuung lässt im Grunde eine Urlaubsvertretung und Vertretung im Krankheitsfall nicht zu. Denn wer will schon jemanden umsonsten vertreten oder aber im Notfall tatsächlich und dann wohl mehr als 4 Stunden vertreten?

      Das heißt, das Betreuungsrecht trieft nur so mit Geringschätzung vor beruflicher Betreuung. Früher hieß es, wer nichts wird wird Wirt. Bis zur Gesetzesänderung 2005 galt das auch für Berufsbetreuung. Im Grunde gilt es auch noch heute, doch statt bei der Vergabe von Betreuungen die Besten zu bevorzugen, gilt die Sicherung des Bestehenden. Das heißt, bevor Berufssuchende und Berufsanfänger berücksichtigt werden, werden die Berufsbetreuer bei der Vergabe berücksichtigt, die auf die Sicherung ihres Lebensunterhalts vertrauen.

      Deshalb würde mich, und wohl nicht nur mich, es brennend interessieren, ob und in wie weit Zahlen und Statistiken über den 'Erfolg' von Zertifizierten Auskunft geben können, also in welchem Zeitraum nach der Zertifizierung sie den Status des Berufsbetreuers erlangten und sich als solche etablierten.

      Andererseits ist die Zahl der vermögenden Selbstzahler überschaubar. Die meisten Betreuten sind vermögenslos und die Vergütung für die gesetztliche Betreuung fällt in den Landeshaushalt. Wie die Länder finanziell bestellt sind, ist hinreichend bekannt. Allein die fehlenden Rückstellungen für Pensionen der in den 80ern bei den geburtenstarken Jahrgängen zuhauf beamteten, wird die Landeshaushalte in den nächsten 15 Jahren bis zum Viertel belasten, so der Demograph Prof. Raffelhüschen aus der Rürup Kommission. Heißt, der Staat zieht sich auch bei der Finanzierung von bedürftigen Betreuten zunehmend zurück.

      Für die Qualifizierung und Zertifizierung von beginnenden Berufsbetreuern und - Betreuerinnen bedeutet es, dass die Zeit, bis sie die notwendige Zahl an Betreuungen erhalten, um als Berufsbetreuer überhaupt abrechnen zu können, schlicht nicht mehr überschaubar und unkalkulierbar ist. Es wäre demzufolge auch interessant zu erfahren, ob in Wege der Weltwirtschafts-, Immobilien und Bankenkrise die Zahl der Betreuungen insg. und im Vergleich der Betreuungsgerichte zueinander zurück gegangen sind oder nicht. Wo also qualifizierte und/oder zertifizierte Berufsanfänger-Innen am ehesten mit einer entsprechenden Berücksichtigung rechnen können.

      Mit dem Studiengang zum Betreuer meinte ich natürlich sämtliche Studiengänge der Sozialarbeit an den entsprechenden Fachhochschulen, wo im Wahlfach Betreuung gewählt werden kann. Ich bin als Jurist Absolvent einer Hochschule, habe mich aber schon zu Studienzeiten über den Standesdünkel unter den Unis und Professoren mokiert, der sich natürlich auch aus den staatlichen Förderungen für Unis nährt. Als wenn ein Prof einer Uni was Besseres wäre, als einer einer der Fach-Uni oder eine Uni systemrelevanter wäre als eine Fachuni? Aber selbst an der Hochschule gab und gibt es unter den Prof fürchterlichen Dünkel.

      Sie verweisen, dass es nur einen Studiengang gibt, der die höchste Vergütungsstufe rechtfertigt. Diese Aussage ist in der Form missverständlich. Jeder mit einem abgeschlossenen Studium, und dazu zählt auch das Studium an einer Fachhochschule, in einem Fach mit für Betreuung verwertbaren Kenntnissen, rechtfertigt die volle Vergütung. Das bedeutet, auch ich als Jurist habe die volle Vergütung erhalten, nicht aber Rechtspfleger, die wohlmöglich schon als solche beim Betreuungsgericht gearbeitet haben. Wohl aber Sozialarbeiter, die Sozialarbeit oder Sozialpädagogik erfolgreich studiert haben. Ja selbst Betriebs- und Volkswirte können die volle Vergütung verlangen, sollten sie sich in die Niederungen des Sozialen bemühen wollen.

      Abschließend noch ein paar Erklärungen zum BdB. Ich habe vor der Reform die Verhandlungen zwischen dem BdB und VfB und damals noch dem Verein deutscher Berufsbetreuer hautnah miterlebt. Der BdB hatte das Ziel - und hat es vielleicht noch? - als Schiedskammer zu fungieren. Der BdB wollte das Monopol nicht nur in der Betreuungssoftware. Die Gerichte sollten alle eine Software vom BdB verwenden und alle Betreuer, sodass die Berichte und Vermögensverzeichnisse und Rechnungslegung ähnlich der der elektronischen Steuererklärung online übersandt werden könnte. Doch wie die elektronische Steuererklärung wurde auch aus der vereinheitlichten Software nichts.

      Weiter wollte der BdB, dass nur die Betreuer und Betreuerinnen anerkannt werden und Betreuungen erhalten, die qualifiziert und zertifiziert sind. Die Erfordernisse hierfür wollte der BdB festlegen. Leider oder glücklicherweise - je nach Sicht - haben sich die Gerichte auch darauf nicht eingelassen. Zumal es Bestandschutz gab und gibt für die bislang Tätigen. Der BdB wollte zudem, dass nur die Betreuer die jährliche Anerkennung im Rahmen fortschreitender Zertifizierung erhalten, die wie die Ärzte jährliche Fortbildungen besuchen und Nachweise erbringen. Ansonsten sollten die nicht gefügigen Betreuer nicht mehr bei der Vergabe berücksichtig werden und somit die Grundlagen ihrer Arbeit verlieren. Auch das konnte der BdB bislang nicht verwirklichen. Welche Bedeutung deshalb das von Ihnen erwähnte Qualitätsregister hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

      Bei den erforderlichen Fortbildungen sollten natürlich nur die Schulen in der Erwachsenenbildung berücksichtigt und deren Zertifikat anerkannt werden, die wiederum vom BdB zertifizierten worden wären. Insofern war der Wunsch des Gelddruckens schon der Vater des Gedankens. Alle insb. der BdB hätte von solchen Erfolgen profitiert. Aber nicht einmal eine Erhöhung der Vergütung der Berufsbetreuer im Wege der Mehrwertsteuer konnte der BdB gegenüber dem Gesetzgeber durchsetzen.

      Deshalb ist es nichts Besonderes, vom BdB anerkannt zu sein, sondern wenn schon durch TÜV - Süd zertifiziert, so ist die Anerkennung vom BdB nahezu eine Selbstverständlichkeit und hinsichtlich der Monopolbestrebungen des BdB ein Eingeständnis des Scheiterns.

      Doch stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu bei der Bewertung von schlechten Nachrichten, dass sich hierdurch vielleicht etwas ändert. Doch bin ich eher pessimistisch und von der Politik enttäuscht. Zudem erachte ich, dass das Betreuungsrecht dem Gesetzgeber derzeit und wohl auch zukünftig relativ egal ist. Da gibt es andere und wohl auch objektiv gewichtigere Baustellen.

      Zusammenfassend kann ich nur sagen, wer sich entschließt, Berufsbetreuer- In zu werden, sollte es sich sehr gut überlegen und die Erfolgsaussichten mit ganz spitzer Feder kalkulieren. Es gibt eine ganze Reihe von Unwägbarkeiten, die einen Wechsel in diesen Bereich sehr schnell scheitern lässt. Die Zeit, in der Übergangsgeld seitens der Agentur für Arbeit gezahlt wird, wurde verkürzt. Mit der Ausbildung und Zertifizierung ist nur dann eine Perspektive gegeben, wenn das Angestelltenverhältnis erstrebt wird. Wie groß die Zahl der freien Stellen in diesem Bereich ist, ist kaum bekannt. Sich selbständig zu machen verlangt einen langen Atem. Und von einigen wenigen Betreuungen ist der Lebensunterhalt nicht zu finanzieren. Und ob die AfA über einen nicht überschaubaren Zeitraum den Lebensunterhalt sichert im Hinblick auf eine fehlende Garantie, in einem bestimmten Zeitraum als Berufsbetreuer-In tätig werden zu können, möchte ich auch bezweifeln.

      Dennoch bin ich in Gedanken und mit allem Mitgefühl bei denen, die sich auf den Weg machen oder auf dem Weg sind und wünsche allen viel Erfolg, vor allem aber, die noblen Absichten und Ziele, Menschen zu helfen und zu begleiten, trotz aller Schwierigkeiten mit den Behörden und den Gerichten nicht aufzugeben.
      In diesem Sinn
      Heinz
    • Hallo Heinz,

      ich stimme Ihnen zu, dass die Crux eher darin liegt, dass der Beruf nicht geschützt ist und es somit keine einheitlichen Regelungen gibt. Angesichts der teilweise immer komplexeren Störungsbildern, ist sicherlich der Einsatz eines Berufsbetreuers als Ultima Ratio nicht gerechtfertigt, weil Angehörige komplizierte Betreuungen teilweise gar nicht auffangen können. Der Berufsbetreuer hat einfach mehr Erfahrungen.
      "Im Grunde gilt es auch noch heute, doch statt bei der Vergabe von Betreuungen die Besten zu bevorzugen, gilt die Sicherung des
      Bestehenden. Das heißt, bevor Berufssuchende und Berufsanfänger berücksichtigt werden, werden die Berufsbetreuer bei der Vergabe berücksichtigt, die auf die Sicherung ihres Lebensunterhalts vertrauen."
      Ob das so ist, können am ehesten Betreuungsrichter beantworten.
      Neben Weiterbildungen und dem Besitz eines Zertifikats, spielt die persönliche Geeignetheit und natürlich der Bedarf die vorrangige Rolle. Von daher sind Statistiken hier wenig aussagekräftig. Unsere Absolventen, die es angestrebt haben Berufsbetreuer zu werden, sind über kurz oder lang alle in Arbeit. Sie kommen aus der gesamten Republik.
      Die Zahl der Erstbestellungen steigt jährlich. Das Bundesministerium für Justiz veröffentlicht dazu Zahlen. Ich habe die Datei angehängt. Lediglich von 2009 zu 2010 gab es eine minimale Senkung.
      Ich detailliere meine Aussage: Es gibt einen berufsbegleitenden Studiengang, mit dem man quasi auf dem zweiten Bildungsweg bzw. wenn man schon in Arbeit ist, direkt (nicht im Nebenfach) 'Betreuung und Vormundschaft' studieren kann.
      Welche Bedeutung das Qualitätsregister des BdB e.V. hat, muss der Verein selbst darlegen. Die Mitgliedschaft dort ist meines Wissens freiwillig. Neulich haben mir Seminarteilnehmerinnen erzählt, dass sie jährlich Fortbildungsnachweise bei Gericht oder der Behörde einreichen. Ich habe es so verstanden, dass es kein Muss, aber schon notwendig ist. Ich weiß nicht, ob das überall so ist.

      Wir wünschen allen eine angenehme Woche
      Ihr IKOME-Team
      Institut für Kommunikation und Mediation Dr. Barth
      PD Dr. habil. Gernot Barth
      Hohe Str. 11
      04107 Leipzig

      Tel.: 0341/22541350
      Fax: 0341/22541351
      Mail: betreuungsrecht@ikome.de
      Internet: ikome.de
    • Sehr geehrtes IKOME Team,

      vielen Dank für die aufschlussreichen Hinweise und Ausführungen. Sie machen Mut und zuversichtlich, dass die berufliche Betreuung weiterhin sowohl durch die Gemeinschaft (wie die Agentur für Arbeit) gefördert als auch qualitativ gefordert wird.

      Sicherlich gibt es hier wie anderswo auch reichlich Gründe, Missstände zu erkennen und zu benennen und zu beheben. Doch sind ihre Ausführungen und Hinweise ein willkommener Kontrapunkt zu manchen Beiträgen hier im Forum, wo eher, wenn gleichwohl berechtigt, auf die Defizite im System von gerichtlich angeordneter Betreuung hingewiesen wird und den Eindruck fördert, es wäre mehr zu beklagen als zu loben.

      Gleichwohl weiß ich aus eigener Erfahrung noch als Berufsbetreuer nach Betreuuungsrecht, wo viel Schatten ist, ist auch viel Sonne und manche helfen und begleiten und unterstützen mehr, als andere sich vorstellen mögen oder können.

      Dass die Zeiten rauher werden und die Gelder allerwegen weniger, ist bekannt und manches Provisorium und manche vorläufige Regelung ist recht langlebig. Um so mehr sind Bestrebungen von Nöten, auch für das Selbstverständnis der Berufsbetreuer und -betreuerinnen, dass die Arbeit und das Engagement adäquat anerkannt und wertgechätzt wird. Ich danke Ihnen, dass Sie hierfür Sorge tragen. Ich wünsche Ihnen im Namen des Forums weiterhin viel Erfolg und viele zufriedene Absolventen, die in ihrer Arbeit und im Erfolg mit und bei den Betreuten ihren zeitlichen wie finanziellen Einsatz für die Aus- und Weiterbildung bestätigt bekommen.

      In diesem Sinn
      Heinz-Ludwig Balzer