Mitbetreuen aus der Ferne

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    • Mitbetreuen aus der Ferne

      Hallo @all,



      im Moment stürzt vieles auf mich ein, was ich zwar einerseits erwartet habe, mir aber nicht klar war was wie passieren kann und wird.

      Ich versuche mal, ein einigermaßen klares Bild der Situation zu erstellen



      Meine Mutter (achtundsiebzig) lebt alleine seit meine Schwester vor 19 Jahren ausgezogen ist. Nach und nach hat sie sich zum (geordneten) Messi entwickelt, sammelt Zeitungen die in Stapeln großteils mit Tüchern verpackt sind und Kleidung der letzten 50 Jahre. Zunehmend ging es ihr gesundheitlich schlechter, was sie aber schon seit jungen Jahren sagte so dass sie selbst die Ärzte nicht wirklich ernst nahmen, gröberes hat ja auch nie gefehlt. Unsere vielfachen Angebote, ihr zu helfen hat sie ausgeschlagen, uns seit Jahren nicht mehr in die Wohnung gelassen. Dann im Februar hat sie sich selbst den Notdienst geholt und wurde ins KKH gebracht, Wasser in der Lunge, Blutpfropf im Herz Herzrhythmusstörungen, die Ärztin sagte mir sie könne eigentlich nicht mehr ohne Hilfe alleine bleiben, entließ sie aber. Unsere Bittan an Mutter, Hilfe anzunehmen lehnte sie ab. Tägliche Anrufe damit sie aufsteht, Medikamente nimmt und um zu sehen wie es ihr geht, aber keine Zugeständnisse ihrerseits, Hilfe zuzulassen. Ich dürfte sagt sie, aber ich bin weit weg, habe selbst noch ein Schulkind und einen Enkel den ich zeitweise und auch spontan mitbetreue.

      Dann am Ostersonntag hat sie einen Panikanfall bekommen und wieder den Notdienst gerufen, wieder in die Klinik - eine andere. Dort hat mich dann die Ärztin angerufen, es wurde auch eine Psychiaterin zugezogen, dann wurde Betreuung beantragt. Unter anderem wohl wegen Paranoia, sie hört nicht zu, weiß alles besser und jeder 3. Satz ist, der liebe Gott wird es schon richten. Durch mein Zutun, Gespräch sowohl mit Ärztin, Psychiaterin, Sozialdienst und Pflegedienst hat man sie unter der Auflage entlassen dass sie den Pflegedienst zur Medigabe, Stützstrümpfe anziehen (was ihr große Probleme machte wöhrend unserer 6-wöchigen tägl. gespräche) 1 x wöchentlich duschen/Haare (was sie über Wochen vernachlässigt hat), zur Tafel gefahren werden und nach und nach ein wenig ausräumen und entsorgen de "Mülls" aus ihrer Wohnung, den sie aber nicht als solchen sieht und sich wehrt. Nun täglich Telefonate dass der Pflegedienst - die alle - verrückter sind als man es von ihr behauptet, man ihr die Medis weggenommen hat und die täglichen mitbringt, sie div. Medis vermisst, andere bekommt die sie nicht kennt, sagt dass "Die" das falsch machen, sie hat noch keinen Schlüssel abgegeben (wird sie freiwillig auch nicht), das Chaos wird eher Größer ist mein Eindruck. Nun möchte ich heute Nachmittag mit dem Pflegedienst telefonieren.

      Meine Mutter hat bereits Post vom Amtsgericht, bekommt in nächster zeit einen Termin für eine Anhörung. Man hat bei mir nachgefragt ob ich es machen würde. Ja, auch wenns schwer fällt und ich weiß dass ich dann Entscheidungen "Für" meine Mutter treffen werden muß die ihr nicht gefallen werden. Soweit möglich möchte ich dass sie in ihrer Wohnung bleiben darf, am Freitag hat sich der Vermieter angekündigt - bleibt abzuwarten was der sagen wird ...

      Es gäbe noch vieles zu sagen aber das würde Euch sicher noch mehr überfordern als es mich schon tut.

      Wo ich jetzt Fragen habe, auch wenn ich rechtlich noch nicht die Betreuerin bin: Mit Pflegediensten hab ich keine Erfahrung, was kann/darf ich erwarten, anregen, möchte nicht Gegener sondern Unterstützer sein - im Sinne meiner Mutter, aber auch denen gegenüber die hier sicher gute Arbeit machen wollen, was aber nicht immer geht.

      Hat jemand evtl. ähnliche Erfahrungen?. Oder bin ich eher falsch bei Euch? Sind hier eher die beruflichen Betreuer? Wenn ja, kennt Ihr ein Forum wo ich eher hingehöre mit meiner Thematik?

      So, mehr als genug Fragen gestellt fürs erste. Danke fürs lesen.

      Lieber Gruß,Happyness
    • hallo happyness,

      einen netten Nickname, den du dir gewählt hast. Möge er dir und deiner Mutter und dem ganzen Drum und Dran Glück bringen.

      Eine verzwickte Situation. Als systemischer Berater (Familienberater) und langjähriger Berufsbetreuer, nunmehr in der Jugendhilfe als Familien- und Erziehungshelfer tätig, kann ich dir einiges zu deiner Situation sagen. Wichtig ist jedoch, dass du den Blick für deine und für die Situation deiner Mutter bekommst, der dir als angemessensten erscheint. Denn ein - so und so und deshalb und nicht anders - gibt es hier nicht.

      Ich will es für mich mal so umschreiben - du bist hin und her gerissen. Einmal deine persönliche Situation und deine Verpflichtungen und das doch ein paar Stunden von deiner Mutter entfernt. Dann aber auch deine Sorge und auch dein Pflichtgefühlt für deine Mutter. Dass du dennoch die Betreuung für deine Mutter übernehmen willst, ist bewundernswert, aber auch nicht unproblematisch. Dieses Hier und Dort wohlmöglich auch noch gleichzeitig zu sein, wird dich noch oft annerven, befürchte ich.

      Doch scheinbar lässt sich das Gericht darauf ein. Bei solch einer Distanz und persönlichen Verpflichtungen entscheidet das Gericht schonmal zu gunsten eines Berufsbetreuers. Aber das sollte nur die ultima ratio sein und wäre deiner Mutter und letztlich auch dir nicht dienlich. Denn eine fremde Person hätte nicht das Vertrauen deiner Mutter und auf Dauer auch nicht deins.

      Denn schon Pflegedienste aber auch Ärzte brauchen mitunter die Ansage und das mit viel Authenzität. Wie ich hier im Forum berichtet, Pflegedienst- Abrechnungen
      ist eine Kontrolle des Pflegedienstes nicht unangebracht, erst recht, wenn die, für Entscheidungen zuständige Person etwas weiter weg wohnt.

      Doch als Systemiker möchte ich auch nicht verhehlen, dass ich für die Haltung deiner Mutter - der liebe Gott wirds schon richten - viel Sympathie empfinde. Wir müssen uns immer wieder klar machen, in welch einem Kontext stehen wir, was halten wir für richtig und unter welchem Einfluss stehen wir.

      Da gibt es das Gericht und die Rechtspfleger und die denken verständlicherweise in den Kategorien der Gesetze und Formalien. Da ist der Vermögensbericht und die Rechnungslegung oftmals wichtiger, als das Wohlergehen und das persönliche Wohl der Betreuten, auch wenn es anders im Gesetz steht.

      Dann sind da die Ärzte, die auch noch einer über 90jährigen, wie bei meiner Schwiegeroma, einen künstlichen Darmausgang legen wollten, aber auf die Frage, ob sie es denn auch bei ihrer Oma machen würden, beschämt ihren Übereifer einstanden. Oder wie ich es in zwei Fällen erlebte, einem Wachkoma Patienten die Beine amputierten, um den Kreislauf zu stabilisieren.

      Und dann sind da die Pflegedienste, die im Minutentakt arbeiten und schauen müssen, dass sich die Arbeit auch rechnet und ausreichend refinanziert wird. Die Pflegekassen machen so schon genug Ärger, weil sie mitunter wegen jeder kleinsten Formalie die Zahlung verweigern oder hinauszögern.

      Nun ist deine Mutter praktisch an ihrem Lebensende angekommen und verliert langsam aber stetig die Orientierung, was sie wirklich zum Leben braucht, und das ist bei einem Messi recht viel. Aber auch dieses Behalten Wollen ist seltenst wirklich bezogen auf konkrete Gegenstände, als vielmehr das Gefühl, nicht loslassen zu können. Vielleicht kommt noch die Angst vor dem Tod hinzu oder aber das Gefühl, allein gelassen worden zu sein. Du wirst es wissen oder gewiss noch feststellen, ob und weshalb.

      Dann aber mit einer Haltung von Recht und Ordnung daran zu gehen, ist meines Erachtens verfehlt. Andererseits soll ihr Wohl gewahrt werden. Sie selbst definiert ihr Wohl anders, als die Menschen in ihrem Umfeld. Als Tochter und als Betreuerin deiner Mutter hast du aber auch Sorge zu tragen, dass ein Minimum an Pflege und medizinische Versorgung zu ihrem Wohl gewahrt wird. Heißt konkret, die Pflege durch einen Pflegedienst muss realisierbar sein. Also soviel wie dafür nötig aus der Wohnung an Müll entsorgen. Doch für ihr seelisches Befinden bedeutet es, dass ihr Einziges, was sie hat, nämlich das Gefühl von Schutz, genommen wird. Der Müll kann auch als Schutz dienen.

      Ich an deiner Stelle würde mit meiner Mutter - hoffentlich erlebe ich nicht Ähnliches, nur wohnt sie kaum 60 km entfernt - mit ihr mal einen Nachmittag Zeit nehmen und versuchen festzustellen, woran ihr Herz wirklich hängt und dass diese Gegenstände so platziert werden, dass sie sie sogleich sieht und findet. Dann würde ich sie für 2-3 Wochen in Kurzzeitpflege geben, wo sie praktisch wie im Urlaub in einem Altenheim vorübergehend wohnt. In der Zeit würde ich die Wohnung entrümpeln und grundreinigen, Pflegebett besorgen, Rollator, Stolperfallen entfernen und dies und das. Nach der Zeit würde ich mir dann Zeit nehmen, mit der Mutter den Wiedereinzug in ihr neues Heim zu feiern. Das bedeutet für sie zunächst einen Schock und in dieser Zeit braucht sie Beistand. Wichtig werden dann die Gegenstände, an denen sie wirklich hängt. Sie muss das Gefühl bekommen, dass sie auch ohne den Müll nicht schutzlos ist, nicht verlassen, bestohlen wurde, sondern von Ballast befreit ist und auch loslassen kann. Es wäre auch ein Schritt vorgezogener Sterbebegleitung. Loslassen müssen wir allesamt irgendwann. Und manche(r) tut sich dabei recht schwer.

      Den Pflegedienst würde ich mir gut anschauen. Es gibt wirklich engagierte und in hohem Maß empathische und verantwortungsbewusste, die sich nicht scheuen, mich auch sogleich über Auffälligkeiten zu informieren. Möglicherweise wäre ein töglicher Anruf zur festen Zeit eine Verabredung wert, um praktisch auf dem Laufenden zu sein und zu bleiben. Ich habe dann die Wahl, das Gehörte als banal oder bedenklich einzustufen und entsprechend zu reagieren und Anweisungen zu erteilen. Das würde den Eindruck vermitteln, auch über die Distanz die Regie zu behalten, doch einfach wirds nicht. Im Grunde bleibst du ständig in Bereitschaft.

      Die Alternative wäre tatsächlich dauerhaft ein Heimaufenthalt. Doch die psychische Belastung wäre für deine Mutter noch wesentlich größer. Das Gefühl bestohlen und erneut verlassen zu sein, könnte sogar traumatische Ausmaße annehmen. Der Schritt und die Bereitschaft zum Heim muss, bei aller Demenz und Schrulligkeit letztlich von ihr selbst kommen. Uns Angehörigen bleibt leider der Part, mit anzusehen, wie schwer sie sich tut und wohlmöglich sogar leidet. Hilflosigkeit ist hier ein Schlüsselbegriff und für dich oftmals Grund, eben über deine Haltung, Position und Bewertung der Situation deiner Mutter, aber auch über deine eigenen Gefühle und Ängste und wohlmöglich Übertragungen nachzudenken. Wie du deiner Mutter hilfst, das Leben mit den Jahren immer mehr loszulassen, in dem Maße arbeitest du ebenso an deinen Empfindungen und Vorstellungen, was du für dich selbst irgendwann noch wie erleben möchtest oder auch nicht.

      In diesem Sinn wünsch ich dir viel Kraft, in den Gesprächen mit deiner Mutter stets den Rechten Ton und hilfreiche Worte zu finden und seitens von Gericht, Ärzten, Pflegedienst, Pflegekasse und dgl. verständnisvollen und mitfühlenden Menschen zu begegnen, die dich in deinem Engagement eher unterstützen als behindern.

      Viel Erfolg
      Heinz






    • Hallo Heinz,

      als erstes mal ein DANKE für Deine ausführliche und umfangreiche Antwort - Deine Gedanken aus Wissen, Erfahrung und Menschlichkeit. Meinen Nick hab ich seut vielen Jahren - ganz bewusst gewählt und er entspricht meiner grundlegenden Lebenseinstellung seit vielen Jahren :thumbup: .

      Ich will mal versuchen auf einige Deiner Aussagen/Ratschläge ein wenig weniger wirr als gestern zu antworten.



      Hier und Dort wohlmöglich auch noch gleichzeitig zu sein, wird dich noch oft annerven, befürchte ich.

      Das denke ich auch, aber meine Mutter kommt - das wird derzeit immer klarer - mit fremden nicht zurecht, vertraut niemandem und denkt sie soll in die Psychiatrie und die Medis die der Pflegedienst gibt solen sie kränker machen oder werden sie umbringen weil die das ihrer Ansicht nach falsch machen. Zusätzlich hab ich noch unterstützung durch meine Schwester, jünger und voll beruflich eingespannt, in der benachbarten Schweiz (allein)lebend aber "nur" 70 km entfernt. Die Beziehung zwischen den beiden ist zwar teils sehr kritisch, aber Mutter lässt sie zumindest nun in die Wohnung - Fremde nur unter Zwang.

      Denn schon Pflegedienste aber auch Ärzte brauchen mitunter die Ansage und das mit viel Authenzität. Wie ich hier im Forum berichtet, Pflegedienst- Abrechnungen
      ist eine Kontrolle des Pflegedienstes nicht unangebracht, erst recht, wenn die, für Entscheidungen zuständige Person etwas weiter weg wohnt.


      Das macht nicht gerade Mut :S aber das hab ich auch selbst schon befürchtet. Hab gestern die Leitende des Pflegedienstes um Rückruf gebeten denn so recht klappt das noch nicht und meine Mutter ist zunehmend unzufrieden, genervt, fühlt sich total gegängelt da sie nicht raus konnte wann sie wollte. Wobei auch die Situation des PD zu sehen ist. Ich versuch mal eine Lösung mit dem PD zu suchen und zu finden die Beiden hilft. Erfahrungen vor Ort hat meine Mutter mit einem anderen PD der vor einigen Jahren da war als sie einen gebrochenen Arm hatte. Aber dieser (wie alle anderen Menschen) machen alle alles falsch, nur sie alles richtig. Leicht wird´s nicht. Bei dem nun gewöhlten PD war sie selbst schon vorstellig, fand da eine Pflegerin sehr nett, aber die kann ja nicht immer kommen und so wechselt das wohl oft, wir haben aber erstmal die Erfahrung von nun knapp 1 Woche.



      Doch als Systemiker möchte ich auch nicht verhehlen, dass ich für die Haltung deiner Mutter - der liebe Gott wirds schon richten - viel Sympathie empfinde. Wir müssen uns immer wieder klar machen, in welch einem Kontext stehen wir, was halten wir für richtig und unter welchem Einfluss stehen wir.

      Ich hab keine Probleme dass - jeder wie er mag - glaubt, und mit diesem Denken ein gutes Leben hat. Nur, wenn die Realität dabei völlig ausgeblendet wird und alle die nicht so denken bzw. handeln wie meine Mutter es für richtig hält dann vom Teufel sind bzw. den in sich haben, dann wird es schon recht problematisch. Bei meinen täglichen Telefonaten hab ich immer wieder zu kämpfen damit denn ich lass mich da auf kein "Gespräch" ein welches nichts weiter als eine klagende Drohung sind. Ein kl. Beispiel: Unser Sohn (14) hat sich vor 1,5 Jahren bei einem Unfall mit dem Holzspalter 2 Finger der rechten Hand amputiert. Meine Mutter sagt nun mit Bestimmung und eigener Überzeugung dass wir daran schuld sind, Gott hat damit uns gestraft weil wir nicht an ihn glauben. Deshalb kann ich dies nicht so gelassen nehmen da ich hier schon einen Realitätsverlust sehe, aber nicht nur hier. Den hat sie jedoch schon seit mehr als 20 Jahren, nur jetzt wirds schon heftig manchmal ... Dennoch - sie hat ja auch Ihr Recht auf die eigene Meinung.


      Da gibt es das Gericht und die Rechtspfleger und die denken verständlicherweise in den Kategorien der Gesetze und Formalien. Da ist der Vermögensbericht und die Rechnungslegung oftmals wichtiger, als das Wohlergehen und das persönliche Wohl der Betreuten, auch wenn es anders im Gesetz steht.


      Da seh ich hier weniger Probleme da es keinerlei vermögen gibt, nur eine Rente die durch HarzIV aufgestockt ist.

      Dann sind da die Ärzte, die auch noch einer über 90jährigen, wie bei meiner Schwiegeroma, einen künstlichen Darmausgang legen wollten, aber auf die Frage, ob sie es denn auch bei ihrer Oma machen würden, beschämt ihren Übereifer einstanden. Oder wie ich es in zwei Fällen erlebte, einem Wachkoma Patienten die Beine amputierten, um den Kreislauf zu stabilisieren.


      Dazu hab ich eine Frage: Eine Patientenverfügung möchte meine Mutter ebebsoweig wie sie eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung machen wollte. In Gesprächen, die sie selten zulässt weil sie nicht darüber nachdenken möchte, hab ich versucht herauszufinden was sie im Falle X möchte. Besonders da ihr Freund nach einige HB im Pflegeheim liegt, selbst keine Aussagen mehr machen kann und weil er nicht mehr schlucken konnte (oder will) eine PEG bekommen hat. Das möchte sie nicht, aber auch nichts festlegen,"der Liebe Gott wirds schon richten".


      Sollte meine Mutter mal in diese Situation kommen und hat keine Verfügung, wer entscheidet dann? Der Betreuer (wer das auch immer ist) oder die Ärzte oder wer sonst??? So viele alte Menschen werden totgepflegt, noch lange am Leben erhalten. Das seh ich als (in einigen Fällen zumindest)unmenschliche Quälerei.

      Und dann sind da die Pflegedienste, die im Minutentakt arbeiten und schauen müssen, dass sich die Arbeit auch rechnet und ausreichend refinanziert wird. Die Pflegekassen machen so schon genug Ärger, weil sie mitunter wegen jeder kleinsten Formalie die Zahlung verweigern oder hinauszögern.

      Einen Antrag auf Pflegestufe hat man gestellt aber der wird wohl abgelehnt da es sich mehr um versorgung als um Pflege handelt, der PD kümmert sich derzeit um diese 100 € /montl. und dann muß man sehen dass es eine Zuschuss zum HarzIV gibt.

      Ich hab meiner Mutter mein Leben lang immer Geld zugesteckt, auch einige Jahre für sie bezahlt (müssen), erst nachdem ich unseren Sohn bekam und zuhause blieb ist das weggefallen. Meinen Mann möchte ich dies nicht auferlegen, er hat die Zahlunge in all den Jahren seit ich nicht mehr berufstätig bin getragen.

      Nun ist deine Mutter praktisch an ihrem Lebensende angekommen und verliert langsam aber stetig die Orientierung, was sie wirklich zum Leben braucht, und das ist bei einem Messi recht viel. Aber auch dieses Behalten Wollen ist seltenst wirklich bezogen auf konkrete Gegenstände, als vielmehr das Gefühl, nicht loslassen zu können. Vielleicht kommt noch die Angst vor dem Tod hinzu oder aber das Gefühl, allein gelassen worden zu sein. Du wirst es wissen oder gewiss noch feststellen, ob und weshalb.

      Hab mich vor ein paar jahren mit meinem Mann zusammen mit einem Berater vom Sozialpsychiatrischen Dienst besprochen der mir eine durchaus für mich nachvollziehbare Antwort gab: Meine Mutter ist ein schlesischer Flüchtling. In der haushaltungsschule auf Sauberkeit und Ordnung trainiert hat sie viele Jahre ihres Lebens so gelebt. Was jemand höher gestellter sagte war damals für sie Gesetz. Als Kind durfte ich nie mit Schuhen in die Wohnung, alles blitzte, man durfte nur langsam in der WHG gehen da es sonst zu sehr staubte usw ..

      Gehabt hat sie nie wirklich etwas, das was sie um sich sammelt sind ihr Eigentum, wie bei anderen ihre Bücher, Bilder, Autos, Schmuck, teute Möbel usw. Deshalb hält sie am kleinsten Zettelchen fest (ist wirklich so! nix darf weg). Deshalb hab ich nie dem Druck meiner Schwester nachgegeben hier etwas drastisch ändern zu wollen. Aber nun kommt langsam Ungeziefer (Küchenmotten z.B.), überlagerte Lebensmittel, Schmutz usw dazu, deshalb wird sich nicht alles vermeiden lassen. meine Schwester hat am WE schon einige Stunden was getan aber nicht wirklich viel ereicht wie es nin so vielen Stunden häte sein können

      So, erst mal Pause, hab einen Termin, später weier.

      Dank Dir!!



      LG, Happyness
    • Nun der 2. Teil zu Deiner Antwort, Heinz:



      Ich an deiner Stelle würde mit meiner Mutter - hoffentlich erlebe ich nicht Ähnliches, nur wohnt sie kaum 60 km entfernt - mit ihr mal einen Nachmittag Zeit nehmen und versuchen festzustellen, woran ihr Herz wirklich hängt und dass diese Gegenstände so platziert werden, dass sie sie sogleich sieht und findet. Dann würde ich sie für 2-3 Wochen in Kurzzeitpflege geben, wo sie praktisch wie im Urlaub in einem Altenheim vorübergehend wohnt. In der Zeit würde ich die Wohnung entrümpeln und grundreinigen, Pflegebett besorgen, Rollator, Stolperfallen entfernen und dies und das. Nach der Zeit würde ich mir dann Zeit nehmen, mit der Mutter den Wiedereinzug in ihr neues Heim zu feiern. Das bedeutet für sie zunächst einen Schock und in dieser Zeit braucht sie Beistand. Wichtig werden dann die Gegenstände, an denen sie wirklich hängt. Sie muss das Gefühl bekommen, dass sie auch ohne den Müll nicht schutzlos ist, nicht verlassen, bestohlen wurde, sondern von Ballast befreit ist und auch loslassen kann. Es wäre auch ein Schritt vorgezogener Sterbebegleitung. Loslassen müssen wir allesamt irgendwann. Und manche(r) tut sich dabei recht schwer.



      Ich vermute dass ich, würde ich meine Geschichte von jemandem anderen lesen, so oder ähnlich gedacht hätte wie Du es schreibst. Realisierbar ist es nicht da meine Mutter niemals, nicht mal für einen Tag, mich oder jemand anderen in die Wohnung ließe ohne selbst anwesend zu sein. Ich werd im Mai etwa 2 Tage vor Ort sein, d.h. den ganzen Tag jeweils bei ihr und sehen was ich da zustande bringe ... ein Tropfen zwar aber besser als nichts.

      Momentan kommt man nicht durch, es bestehen nur noch schmale Gänge, keine Sitzgelegenheit, keine Ablagegelegenheit, schwer vorstellbar dass sie dort leben kann/konnte. Manchmal würd ich derzeit einfach den Kopf in den Sand stecken wollen - aber ich tu es nicht, keine Sorge.

      Den Pflegedienst würde ich mir gut anschauen. Es gibt wirklich engagierte und in hohem Maß empathische und verantwortungsbewusste, die sich nicht scheuen, mich auch sogleich über Auffälligkeiten zu informieren. Möglicherweise wäre ein töglicher Anruf zur festen Zeit eine Verabredung wert, um praktisch auf dem Laufenden zu sein und zu bleiben. Ich habe dann die Wahl, das Gehörte als banal oder bedenklich einzustufen und entsprechend zu reagieren und Anweisungen zu erteilen. Das würde den Eindruck vermitteln, auch über die Distanz die Regie zu behalten, doch einfach wirds nicht. Im Grunde bleibst du ständig in Bereitschaft.

      Ich erwarte heute einen Anruf der Leiterin, bin mal gespannt inwieweit wir bisherige (Start)schwierigkeiten in den Griff bekommen, meiner Mutter hat sie schon gesagt dass sie mich anrufen wird, die dann gleich aus dem Häuschen war, meinte ich soll mich nicht einmischen, denkt eh jeder sie wäre verrückt. Und dass die alles falsch machen :hmmz: , muß mich da jetzt rantasten. Und hoffe es findet sich eine praktikable und passable Lösung mit der alle Beteiligten klarkommen. Gibt es ein Verzeichnis über gute und weniger gute PD? Ich hab halt Sorge dass, wenn ich zuviel Druch machen müsste es sich eher negativ auswirkt - eben weil ich nur die Aussagen meiner Mutter täglich dazu habe und sie nicht recht ernst genommen wird (teils werden kann). Hier seh ich das größte Problem.

      Die Alternative wäre tatsächlich dauerhaft ein Heimaufenthalt. Doch die psychische Belastung wäre für deine Mutter noch wesentlich größer. Das Gefühl bestohlen und erneut verlassen zu sein, könnte sogar traumatische Ausmaße annehmen. Der Schritt und die Bereitschaft zum Heim muss, bei aller Demenz und Schrulligkeit letztlich von ihr selbst kommen. Uns Angehörigen bleibt leider der Part, mit anzusehen, wie schwer sie sich tut und wohlmöglich sogar leidet. Hilflosigkeit ist hier ein Schlüsselbegriff und für dich oftmals Grund, eben über deine Haltung, Position und Bewertung der Situation deiner Mutter, aber auch über deine eigenen Gefühle und Ängste und wohlmöglich Übertragungen nachzudenken. Wie du deiner Mutter hilfst, das Leben mit den Jahren immer mehr loszulassen, in dem Maße arbeitest du ebenso an deinen Empfindungen und Vorstellungen, was du für dich selbst irgendwann noch wie erleben möchtest oder auch nicht.

      Realistisch gedacht - ja, ein Seniorenheim oder zumindest betreutes Wohnen, wäre sinnvoll, ich wüsste sie dort zumindest pflegerisch versorgt.


      Leise Gespräche darüber, erst heute, lösen die Aussage aus- lieber sterbe ich. Sie wäre ja direkt vom KKH aus in eines eingewiesen worden, der Eilantrag auf Betreuung lief ja, nun weiß das Gericht von mir dass sie mit PD-Anerkennung nach Hause durfte. So wird das mit der Betreuung länger dauern. Sie fühlt sich jetzt schon entmündigt weil sie den PD hereinlassen muss, der ihr die Medis mitbringt, was sie vorher selbst gemacht hat. Richtig? Soweit ich weiß ja, aber eben auch nur von ihr. Das Gespräch heute kam drauf weil sie den PD unbedingt loswerden will.

      Was ich selbst einmal will? Dieses sicher nicht. Ein paar bessere Voraussetzungen hab ich, aber wenn der Kopf nicht mehr richtig mitspielt entscheiden dann auch andere.

      Es gibt einen Spruch der mir sehr zusagt - wenn er auch nur das Grobe trifft: Man muß in der Jugend einen Baum pflanzen und ihn pflegen, damit man sich im Alter in seinen Schatten setzen kann.

      In diesem Sinn wünsch ich dir viel Kraft, in den Gesprächen mit deiner Mutter stets den Rechten Ton und hilfreiche Worte zu finden und seitens von Gericht, Ärzten, Pflegedienst, Pflegekasse und dgl. verständnisvollen und mitfühlenden Menschen zu begegnen, die dich in deinem Engagement eher unterstützen als behindern.

      Der rechte Ton bei meiner Mutter gelingt mir ganz gut, die hilfreichen Worte ... gibte es wohl nicht, ausser denen ihr zu sagen alles ist wie vorher.


      Gericht, Ärzte PD ... wird sich zeigen. Ich bin kommunikativ und kann auf Erfahrungen teils zurückgreifen, kenn meine Mutter eigentlich trotz Distanz ganz gut und kann sie gut einschätzen bzw. mich in sie hineinversetzen, aber weiß dass Ärzte/PD7Gericht mehr Möglichkeiten haben als ich. Ich geh Differenzen gern gesprächsbereit an und bemühe mich um Lösungen.



      Nun nochmal vielen Dank, die möglichen nächsten Fragen oder Bitten um Rat/Erfahrungen sind kürzer - versprochen 8)

      Aber ich denke in gewissem Umfang muß man wissen worum es geht, es geht ja um Menschen.



      Nun wünsch ich Dir einen positiven Tag. LG, Happyness
    • Betreueraufgabe

      Ich hab noch eine Frage: Welche Aufgaben hat man als Betreuer, welche Pflichten, welche Rechte.

      Ich hab mich zwar kundig gemacht dass es verschiedene Bereiche gibt wie z.B. Vermögensverwaltung oder Gesundheitssorge aber näheres hab ich noch nicht gefunden. Was z.B. darf/soll oder muss man konkret, was darf man nicht? Sollte es einmal unumgänglich werden meine Mutter in eine betreute Obhut zu bringen, muß dies dann ein Richter entscheiden?



      LG, Happyness
    • hallo Happyness,

      vielen Dank für die Ausführungen und die detaillierte Schilderung. Es wurde mir so plastisch, dass ich mir so manche Situation recht gut vorstellen kann. Dennoch bastele ich an einer Anregung, wie die Wohnung mit sanftem Druck entleert werden kann, denn sollte der Kammerjäger kommen, wird er nicht den Müll desinfizieren wollen. Und Mehlmotten bleiben nicht unter sich. Dann sind da kleine bis stattlichere Spinnen und Falter und Käfer und irgendwann auch mehr. Bei Kakerlaken steht das Ordnungsamt auf der Matte. Dann hat das Spiel ein Ende.

      Es gab und gibt im Fernsehen immer wieder Sendungen über Messis. Hat sich deine Mutter solche schon angesehen oder würde sie sich ansehen und wie beurteilt sie ihre Situation im Vergleich zu den dargestellten und was würde sie sagen, wenn ihr nach einem Rollkommando eine gut aufgeräumte und saubere Wohnung übergeben würde? Wenn sie auf Autoritäten fokussiert ist, wäre es eine Hilfe, wenn ein Arzt beim Hausbesuch mal ihr den Druck gibt, sollte sie sich nicht auf eine 'Räumung' einlassen, ihr mit einer Einweisung in die Psychiatrie drohen? Kann ja verabredet und gespielt sein. Oder wenn der Richter, die Richterin bei der Anhörung ihr dergleichen in Aussicht stellt? Das hat dann gewiss mehr Gewicht, als wenns die Tochter sagt.

      Du fragst konkret nach einer Bewertung von Pflegediensten. Mir nicht bekannt. Wird es aber sicherlich im Netz geben. Doch wie auch die Bewertung von Heimen sehr fraglich ist (gute wurden schlecht und schlechte gut bewertet) so wird es bei Pflegediensten nicht anders sein. Entscheidend ist deren Gesprächsbereitschaft und Kooperation. Dies lässt sich schnell feststellen, wenn der Pflegedienst zu Vorleistungen bereit ist. In der Vorbereitung des Begutachtertermins durch den MDK ist es geboten und nicht nur ratsam, wenn der Pflegedienst diesen Termin gründlich vorbereitet.

      Nach dem neuen Pflegegesetz gibt es bereits auch schon die Pflegestufe 0 für den ambulanten Bereich. Den gabs vormals nur für den stationären und bedeutete schlicht Heimbedürftigkeit. Doch bei Demenz und Schrulligkeit (Messis zählen mit dazu) kann auch eine Pflegestufe I in Betracht kommen. Da der MDK, als medizinischer Dienst der Krankenkassen, paradoxerweise für die Pflegekassen tätig wird, die ja die Kosten der Pflege übernehmen sollen, aber eher geneigt ist, keine oder geringe Pflegestufen zu erachten, ist es wichtig, denen den Gesetzestext schmackhaft zu machen oder schlicht um die Ohren zu hauen. Ich habe als Berufsbetreuer soviele Begutachtungstermine erlebt mit unterschiedlichsten Resultaten. Bei einer Begutachtung einer völlig auf fremde Hilfe angewiesenen spastisch Behinderten im Rollstuhl hieß es, sie bekomme nicht die Pflegestufe II, da sie überversorgt war. Ich hatte als Betreuer ihr eine nahezu rundum Haushaltshilfe besorgt.

      In einem anderen Fall hat ein Arzt, wohlbemerkt Humanmediziner, die Schmerzen des Alkoholkranken lediglich auf dessen Konsum zurück geführt ohne zu erkennen, dass der Betreute eine Wirbelfraktur hatte, die dann im Krankenhaus behandelt werden musste.

      Aber eine Betreute im Heim, ohne Pflegestufe mit Heimbedürftigkeit, konnte, wenn sie gut zupass war, sich völlig selbst versorgen, waschen, an- und ausziehen, essen und brauchte keinerlei weitere Unterstützung. Jedoch war sie manchesmal psychisch durch den Wind und bereitete dem Personal großen Ärger, weshalb sie mit der für die Bewohnerin zukommenden Zeit nicht auskamen. Deshalb sollte ich für die Betreute ein anderes Heim für psychisch auffällige Senioren suchen, was es aber in der Nähe nicht möglich war, da kein Platz frei war. Oder ich sollte mich um eine Pflegestufe bemühen, so dass die Zeit der Zuwendungen refinanziert werden konnte.

      Mit Hilfe der AWO und einem vom Land gefördertem Projekt wurde die Pflegedokumentation des letzten Jahres - wohlbemerkt die gesamten Aufzeichnungen der notwendigen Pflege im letzten Jahr komplett neu geschrieben, so dass der MDK keine andere Wahl hatten, der psychisch kranken, aber ansonsten noch recht fitten Seniorin die Pflegestufe I zuzuerkennen. Geht doch. Warum nicht gleich so? Damit die Pflegekassen am Jahresende stolz sagen können, wieviel Überschuss sie erwirtschaftet, sprich eingespart haben.

      Zurück zu deiner Ausgangsfrage nach einem gescheiten Pflegedienst. Lass es drauf ankommen. Wenn sie zu Vorleistung und Kooperation bereit sind, wenn sie Absprachen einhalten und erkennen, dass du dich auch von Ferne, aber mit heißem Draht um deine Mutter kümmerst und natürlich auch deinerseits den Pflegedienst nicht im Regen stehen lässt, dann würde ich eben einen solchen auswählen. Bauchgefühl ist alles.

      Viel Erfolg weiterhin.
      Heinz


    • Hallo Heinz,

      danke, hab mich da mal durchgelesen. Die Leiterin des PD hat mich noch nicht angerufen, ärgert mich. Morgen werd ich es wieder versuchen, im Büro erreicht man nie jemanden, kommt immer in der entfernten Zentrale raus, über Handy, wenn sie unterwegs ist ist ja auch keine Zeit für ein ordentliches Gespräch.

      Zufriedenstellend ist es nicht, liegt aber nicht am PD bzw. nicht nur, mit meiner Mutter wirds schwierig, hab gerade wieder telefoniert.

      Im Augenblick bin ich insgesamt verunsichert.

      Und morgen kommt der Vermieter zu meiner Mutter der die Wohnung nie sah seit 25 Jahren, dem Mutter am Telefon erzählt hat dass es ihr nicht gut geht uns sie deshalb nichts machen kann momentan, mal sehen wie der reagiert.

      Immer mehr denke ich dass eine Platz im betreuten Wohnen wohl das eheste wäre was angebracht ist, aber was bekommen ist das eine, Mutter sagt sie stirbt lieber als aus der Wohnung und ihrer Unabhängigkeit zu gehen und alle machen alles falsch, nur sie kann alles richtig. Sämtliche Ärzte machen alles falsch, alle Medis sind nicht richtig. Immer mehr versteh ich die Ärzte die Paranoia als Diagnose stellen, auch wenn es als Agehöriger andere Ansichten gibt vor allemm wenn man jemanden lange so oder ähnlich kennt. Sch.... Situation, muß für heute mal abschalten, morhgen gehts weiter.

      Dir noch einen schönen Abend,

      wünscht Happyness
    • Obwohl das Thema jetzt 2 Jahre alt ist habe ich gerade das Gefühl, hier wird meine Geschichte beschrieben

      Liebe Leser, hallo Happyness,

      Obwohl das Thema jetzt 2 Jahre alt ist, habe ich gerade das Gefühl hier wird meine Geschichte beschrieben, die ich gerade erlebe. Die Geschichte unterscheidet sich nur durch die Personen. Inhaltlich ist sie fast identisch. Es hätte mich ungemein interessiert, wie es weitergegangen ist. Genau an dem letzten beschriebenen Punkt von Happyness steht meine Familie. Gegen den Willen meiner Mutter räumen wir nun die Messiewohnung auf, damit sie überhaupt noch nach Hause kann. Wohlwissend welchen Schaden wir bei ihr anrichten, haben wir keine andere Wahl. Alternativ gibt es nur das Seniorenheim, in das sie nicht gehen möchte.
      Dieser Beitrag hat mir zumindest gezeigt, dass wir mit diesem Problem nicht allein dastehen und das macht ein wenig Mut.

      Liebe Grüße Lichtblick
    • Hallo Lichtblick,

      viel Kraft bei Euren vielfältigen Aufgaben, in denen Ihr gerade steckt.

      Wie ging es bei uns weiter: Meine Mutter hat mit mir den Vormundschaftsrichter besucht. Dieser, ein sehr menschlicher und erfahrener Richter hörte sich ihre Seite der Geschichte an, fragte vieles, auch, um herauszufinden inwieweit sie den Geschehnissen folgen kann und ihre Dinge selbst regeln kann. Er hatte mit mir vorher auch telefoniert und war sehr entgegenkommend was die Terminwahl anging da wir an diesem Tag in 70 km Entfernung unseren Sohn vom Praktikum holten - und so eine mehrfache weite Anfahrt vermieden werden konnte.

      Er lehnte dann den Antrag auf Betreuung ab, mit der "Auflage" dass sie weiterhin noch etwas vom Pflegedienst besucht würde und er riet ihr eindringlich, eine Vorsorgevollmacht zu machen mit einer Person ihres Vertrauens. Dann entließ er uns. Die Vorsorgevollmacht hatte ich bereits ausgedruckt und wir fuhren in einen schattigen Biergarten mit sehr wenigen Menschen, verzogen uns mit ihr in eine Ecke ohne Zuhörer und besprachen das Ganze ausführlich und langsam, ohne erkennbaren Druck. Mit der eindringlichen Erklärung, was ohne eine solche passieren könne. Sie war dann bereit, eine solche zu machen, eine Patientenverfügung allerdings lehnt sie bis heute ab. Nach ein paar Wochen entließ sie dann selbständig den Pflegedienst, behielt aber zumindest den wöchentlichen Fahrdienst zur Tafel - bis heute.

      Vom Ausräumen keine Spur. Der Vermieter, ein über 80-jähriger mit seiner Frau, war dann auch vor Ort, ließ sich von ihr erklären dass sie momentan so belastet wäre da sie "jahrelang ihren Gefährten gepflegt habe" ... und legte ihr auf, bis zum nächsten Besuch diverse Räume zu entrümpeln da er sonst kündigen müsse. Bis dato aber war er nicht mehr da und sie geht kaum ans Telefon um einer Anmeldung zu entgehen, ebenso verfährt sie wenn es klingelt. Wenn sie aus dem Haus geht, würde niemand glauben, wie es zuhause ist.

      So macht sie im Prinzip weiter wie bisher, und wir lassen sie gewähren solange es geht. Ob wir nun jetzt oder später ausräumen ist im Prinzip ja gleich. Gesundheitlich ist sie zwar immer mehr müde und schwächlich, solange sie aber regelmäßig aus dem Haus geht schränken wir sie nicht ein. Dem Vermieter wurde unsererseits zugesagt, dass er nicht auf dem "Müll" sitzenbleibt und wir, wann auch immer, ausräumen.

      Welcher Weg in einem solchen Fall der richtige ist, kann wohl niemand sagen, zumal selbst ähnliche Fälle doch große Unterschiede in sich haben. Ich hoffe Ihr erzielt den gewünschten Erfolg und Eure Mutter kommt damit klar. Würde mich interessieren, denn wir sind ja noch nicht am Ende des Weges. Wer weiß wie es bei uns weitergeht, hier kann von einem auf den Anderen Tag etwas geschehen, z.B. wenn der Vermieter selbst verstirbt oder die Wohnung an seine Tochter überschreibt. Wenn die dann kommt wird es sicher nicht mehr so glimpflich verlaufen und die Kündigung kommt dann vermutlich.

      Bisher tun wir das was sie zulässt und hoffen dass drastische Veränderungen ausbleiben. Jedes Ding hat 2 Seiten.

      Alle Gute Euch!



      Lieben Gruß, Gisela