Erfahrungen des Alltags

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    • Erfahrungen des Alltags

      Nun? Wie erlebt ihr euch, erlebst du dich als BetreuerIn? Vielleicht kennst du ja noch die Zeit vor der Wende, ich meine vor der Gesetzesänderung. Hat sich für dich was geändert in den letzten 4 einhalb Jahren? Oder ist dein Bezug zu den Betreuten und den Angehörigen so geblieben wie zuvor?

      Und Du, wo du erst in den letzten Jahren mit dem Job begonnen hast, entspricht die Arbeit deinen Vorstellungen von der 'Betreuung' Hilfsbedürftiger oder bist du desillusioniert oder ganz angetan?

      Wie isset?

      Heinz
    • Re: Erfahrungen des Alltags

      Hallo Heinz!
      Stimmt. Diese Frage wird viel zu wenig debattiert.
      Ich für meinen Teil (als Berufsbetreuer seit 2001 tätig), habe festgestellt, dass nach der Pauschalierung, der Kontakt zu meinen Betreuten wesentlich kürzer und auf das notwendige beschränkt, abläuft.
      Ausführliche Planung der Betreuung in allumfassender Absprache mit dem Betreuten führe ich seither nicht mehr. Ich bekomme ja leider nur die Zeit entlohnt, welche ich FÜR den Betreuten - und nicht die Zeit, die ich MIT ihm zusammen arbeite.
    • Re: Erfahrungen des Alltags

      Hallo Heinz, hallo Micha!

      wie Micha handhabe ich das seit der Pauschalierung auch.
      Ich habe meine Arbeit auf das Wesentliche beschränkt und tue nur noch "Dienst nach Vorschrift". Eben soviel, dass mir keiner an den "Karren pinkeln" kann.
      Die Ärzte haben dahingehend ein leichtes Spiel. Wenn deren Pausch.zeiten aufgebraucht sind, sperren sie einfach die Praxis zu. Wir können das leider nicht machen. Daher... Soviel tun wie muss - aber nichts machen das kann.

      Rapunzel
    • Re: Konsequenzen

      Hallo allseits,

      oh hört sich das Resignativ an: die Sachzwänge, das Unabänderliche, dem Sich-fügen-müssen, und dann das Normative des Faktischen. Das erinnert mich kollossal an 'das Leben der andern' <!-- m --><a class="postlink" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_der_Anderen">http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_der_Anderen</a><!-- m -->

      Wer den außergewöhnlichen Film kennt, fragt sich nach meiner Assoziation. Wir wissen oder ahnen, was die Betreuten brauchen und sich wünschen. Vielleicht haben wir es ja vor Jahren ja auch geben können. Da war auch Beziehungsarbeit möglich. Aber das haben die Justizminister der Länder uni sono hintertrieben. Gott seis geklagt. Und dann sind wir uns selbst noch der Nächste. Die Woche hat nicht mehr als 5 oder 6 Arbeitstage und und an denen 8, 10 oder gar auch 12 Stunden für die Arbeit. Und mehr Geld kriegen wir auch nicht dafür. Eher weniger netto vom brutto.

      Da beschämt es schon fast, dass zu Weihnachten noch Gesten und Worte für die Betreuten möglich ist, die über das 'amtliche' Verhältnis hinaus gehen.

      Mich bewegt dabei zum einen das Gebet des hl. Ignatius von wegen der Kraft, um zu ändern, was möglich ist, die Gelassenheit, hinzunehmen, was unabänderlich ist und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

      Das anderes, was mich bewegt ist der Umgang mit der eigenen Hilflosigkeit: zu sehen, was nicht richtig läuft und nicht die Möglichkeiten zu haben, es zu ändern. Ich wünsche allen, die dieses Gefühl spüren und zulassen die Kraft, auch dazu zu stehen, es sich einzugestehen und die eigene Unzulänglichkeit zu entschuldigen, statt es zu rechtfertigen.

      In diesem Sinn viel Erfolg und frohes Schaffen
      Heinz
    • Also ich bin erst seit 06/2008 Berufsbetreuer und hatte zu Beginn diesen Jahres gerade mal 6 Betreuungen. Jetzt sind es bereits 25.... Reichlich Arbeit für nicht allzuviel Geld. Da ich kein abgeschlossenes Studium habe, erhalte ich leider auch nicht den Höchstsatz von € 44,- pro Stunde. Trotzdem trägt sich das Ganze allmählich. Was mich besonders stört, ist die Tatsache, daß man bei der Übernahme einer Betreuung fast die gleiche Arbeit hat wie bei einer neuen Betreuung, aber lediglich den geringsten Stundensatz erhält. Das sind dann i.d.R. 2 Stunden pro Monat. Naja :cry:
      Trotz alledem versuche ich zumindest, den persönlichen Kontakt zu meinen Klienten aufrecht zu erhalten und auch Leistungen zu erbringen, die nicht vorgesehen sind. Immerhin erhalte ich durch die Dankbarkeit der Betroffenen einen gewissen Ausgleich dafür <!-- s:) --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":)" title="L
    • Re: Erfahrungen des Alltags

      Hallo SoigneurX,

      schön von dir zu lesen, dass du dich in deiner Lebens- und beruflichen Situation eingerichtet hast und du die Vorzüge frei-beruflicher Tätigkeit schätzt und dich privat abgrenzt. Ich bin ganz deiner Ansicht, dass BetreuerInnen mit Helfersyndrom erhebliche Schwierigkeiten bekommen oder haben. Nicht allein wegen der Diskrepanz von Aufwand und Vergütung, sondern wegen der Traurigkeit der Welt. Wer in der Sucht bleibt oder immer wieder straffällig wird oder in seiner Haltung ein Assi ist und trotz vieler Gespräche und kongruenter Anteilnahme und Bemühen zu verstehen keinen 'Erfolg' erlebt, bleibt letztlich frustriert.

      Andererseits ist die Gefahr auch nicht zu unterschätzen, dass man/frau resigniert und meint, hat ja doch alles kaum Zweck. Man begrenzt sich auf das Notwendige und lässt es laufen. Damit wird man vielen Betreuten auch nicht recht. Ich bin immer wieder erstaunt über die Relevanz der Bezüge - ein Beispiel: gerade beim Frisör gewesen und sehr freundlich frisiert worden. Ich fühlte mich, als sei ich der einzige Kunde. Klar, dass ich es nicht bin, aber der Service war so. Und sehr viel mehr als wir BetreuerInnen verdienen Frisörinnen auch nicht. Und behandelt werde ich nicht, von wegen: hat ja keinen Zweck, wächst ja eh wieder.

      Und solche Erlebnisse versuche ich in meiner Arbeit zu übertragen. Auch die Betreuten haben das Recht so behandelt zu werden, als seien sie unser einziger Kunde. Und auch wenn sich an ihrer Situation nicht wesentliches ändert, so haben sie doch ein Recht, so behandelt zu werden, als müssten sie jeden Monat wieder zum Frisör - ähm - schlechter Vergleich - aber du weißt sicher, wie ich es meine.

      In diesem Sinn weiterhin frohes Schaffen, viele dankbare Reaktionen und wenig Zoff wegen Meinungsverschiedenheiten. In diesem Sinn lass das Jahr zu Ende gehen und für das Neue eben solche Erfahrungen.

      Heinz
    • Re: Erfahrungen des Alltags

      ...genau das ist es: ich hole mir auch immer wieder Beispiele aus anderen Berufen in Erinnerung, die viel leisten und wenig verdienen. Komme selber aus der Altenpflege und habe daher schon länger den Blick vom Sinn des Ganzen auf den Erfolg im Einzelfall gerichtet. Sonst hätte ich wohl jeden Tag mindestens einen Grund, wieder aufzuhören. Wer schnell resigniert, sollte auch nicht im sozialen Bereich oder in der Pflege arbeiten.

      ...und um nochmal auf den "gesunden Egoismus" zurückzukommen: wenn es mir gut geht, gehts meinen Klienten auch gut! (es heißt ja auch so schön: Nächstenliebe fängt bei einem selber an) <!-- s:) --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":)" title="L
    • Re: Erfahrungen des Alltags

      "SoigneurX" schrieb:

      ...und um nochmal auf den "gesunden Egoismus" zurückzukommen: wenn es mir gut geht, gehts meinen Klienten auch gut! (es heißt ja auch so schön: Nächstenliebe fängt bei einem selber an) <!-- s:) --><img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":)" title="L