pro Pflege

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    • Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
      Unabhängige und gemeinnützige Initiative
      Vorstand: Werner Schell - Harffer Straße 59, 41469 Neuss
      Telefon 02131 – 150779 - E-Mail: ProPflege@wernerschell.de
      http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de


      Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
      Pressemitteilung vom 30.11.2010



      Demenz ist die zentrale pflegepolitische Herausforderung – Pflegenotstand muss das Top-Thema werden

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk macht seit Jahren darauf aufmerksam, dass im Rahmen einer Pflegereform, die diesen Namen verdient, eine Einbeziehung der Demenzkranken in den Kreis der pflegebedürftigen Menschen nach § 14 SGB XI dringend geboten ist. Im Übrigen sind leistungsrechtliche Verbesserungen, vor allem für die ambulante pflegerische Versorgung, angezeigt. Für die stationären Pflegeeinrichtungen (aber auch für die Krankenhäuser) sind Personalbemessungssysteme geboten, so dass der reale Bedarf an Pflegekräften auch aussagekräftig belegt werden kann.

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sieht die Notwendigkeit, das Stellensoll für Pflegekräfte deutlich anzuheben, so dass die vielfach beklagte „Minutenpflege“ minimiert bzw. überwunden werden kann. Dass solche pflegepolitischen Verbesserungen die Pflegekosten erhöhen werden, liegt auf der Hand. Gute und angemessene Pflege hat ihren Preis. Und darüber muss sich die Gesellschaft klar werden.

      Der am 30.11.2010 vorgestellte BARMER GEK Pflegereport 2010 macht die Problematik aus dem Blickwinkel der Demenz besonders deutlich. In einer Krankenkassenmitteilung wird die Entwicklung der Pflegenotwendigkeiten im Zusammenhang mit der Demenz näher beschrieben:

      Danach muss fast jede zweite Frau und jeder dritte Mann damit rechnen, dement zu werden. Bei der Vorstellung des Reports wurde herausgestellt, dass wir mit der Entwicklung dementieller Erkrankungen in eine neue Pflegedimension vorstoßen, die zwingend einer tragfähigen Lösung für die Pflege von morgen erfordert. Der Pflegereport liefert mit einer umfassenden Bestandsaufnahme der Pflegeversorgung in Deutschland eine gute Grundlage für die weitere Debatte.

      Gegenwärtig geht das Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) von 1,2 Millionen Demenzkranken aus. Für das Jahr 2030 prognostizieren die Wissenschaftler einen deutlichen Anstieg auf 1,8 Millionen und für 2060 auf 2,5 Millionen. Der Anteil der Demenzkranken an der Gesamtbevölkerung erhöht sich damit innerhalb von 50 Jahren um das Zweieinhalbfache von heute 1,5 auf dann 3,8 Prozent.

      Mit der Demenz sind intensivere Pflegeverläufe verbunden, professionell erbrachte Pflegeleistungen werden viel stärker in Anspruch genommen. Demente Versicherte im Alter ab 60 Jahren haben bei Pflegebedürftigkeit zu rund 20 Prozent die Pflegestufe 3. Unter allen Pflegebedürftigen ab 60 Jahren liegt der Anteil lediglich bei zwölf Prozent. Abhängig vom Alter werden zwischen 40 und 70 Prozent der pflegebedürftigen Dementen in Pflegeheimen versorgt. Unter allen Pflegebedürftigen sind es hingegen nur 28 Prozent. Der höhere medizinische und pflegerische Betreuungsaufwand verursacht erheblich höhere Kosten. So liegen die monatlichen Aufwendungen der Sozialversicherungen für einen Demenzkranken durchschnittlich um rund 800 Euro höher als bei einer gleichaltrigen nicht dementen Person.

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk begrüßt daher sehr, dass im Zusammenhang mit der Vorstellung des Pflegereports an die Koalition appelliert wird, die Neuausrichtung der Pflege zu forcieren. Bevor die Politik alternative Versicherungs- und Finanzierungsformen ins Spiel bringe, so die Krankenkasse, solle sie sich zuerst über den künftigen Leistungsinhalt und -umfang der Pflegeversicherung verständigen. Vorrangig müsse die Leistungsfrage beantwortet werden. Erst dann könne entschieden werden, ob wir überhaupt eine neue Finanzierungssäule in der Pflegeversicherung brauchen oder ob nicht die klassische Beitragsfinanzierung eine angemessene Antwort auf die Finanzierungsherausforderung gibt.

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk unterstützt diese Forderungen, weil eine Reform zunächst inhaltliche bzw. strukturelle Veränderungen aufgreifen muss. Erst dann kann die Frage der Finanzierung nach Art und Höhe beantwortet werden.

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat bereits vor Monaten dazu aufgerufen, ein „Aktionsbündnis menschenwürdige Pflege jetzt“ zu gründen, um auf einer solchen Plattform alle wichtigen Reformthemen zu bündeln und in die politische Diskussion einzubringen. Mit einer Pressemitteilung vom 29.11.2010 hat Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk noch einmal dazu aufgerufen, in einer koordinierten und zusammengefassten Interessenvertretung für die Verbesserung der Pflege-Rahmenbedingungen einzutreten. Das Bundesgesundheitsministerium wurde aufgefordert, die Interessenvertretung der pflegebedürftigen Menschen in die weiteren Diskussionen einzubinden.

      Werner Schell - Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

      +++ Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei! +++
    • Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
      Unabhängige und gemeinnützige Initiative
      Vorstand: Werner Schell - Harffer Straße 59, 41469 Neuss
      Telefon 02131 – 150779 - E-Mail: ProPflege@wernerschell.de
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      Pressemitteilung vom 18.06.2011

      Demenzkranke: Die Versorgung mit Medikamenten ist dringend verbesserungsbedürftig

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk fordert mehr Sorgfalt bei der Verordnung und Abgabe von Medikamenten

      Seit Jahren ist bekannt, dass die medikamentöse Versorgung von Demenzkranken den wirklichen Bedürfnissen dieser Menschen nur unzureichend gerecht wird. Man darf vermuten, dass allzu oft Nebenwirkungen und Risiken einfach billigend in Kauf genommen werden.

      Bereits im August 2010 wurde von Arzneimittelexperten die sog. Priscus-Liste vorgestellt, eine Zusammenstellung gefährlicher Medikamente für ältere Menschen. Diese Liste verdeutlichte, dass fast dreiviertel von 83 Medikamenten für ältere Menschen, Demenzkranke eingeschlossen, ungeeignet sind. Als konkrete Folgen der ungeeigneten Medikation wurden u.a. genannt: Sturzgefahr, Nierenschäden, Magenblutungen.

      Mit ihrem Ergebnis, dass ältere Menschen im Schnitt sechs Medikamente täglich einnehmen, von denen viele gar nicht für sie geeignet sind oder sich untereinander nicht vertragen, haben die Forscher im Verbund PRISCUS für viel Aufsehen gesorgt. Als Gegenmaßnahme entwickelten sie nun eine Liste, die Ärzten als Hilfe bei der Auswahl und Zusammenstellung von Medikamenten für Ältere dienen soll. Ob und wie die Liste wirkt, wollen sie in der zweiten Projektphase untersuchen.

      In einer Pressemitteilung der AOK Rheinland / Hamburg vom 30.03.2011 wurde unter Berufung auf die Verordnungsdaten des Jahres 2010 Zurückhaltung bei der Verordnung von Psychopharmaka angemahnt. Dazu wurde u.a. ausgeführt:

      „Die Auswertung zeigt, dass immer mehr Patienten immer größere Mengen von Psychopharmaka wie Mittel gegen Depressionen oder psychisch stimulierende Arzneien erhalten. Besonders kritisch ist dabei die stark wachsende Verordnung von Antidepressiva zu sehen. So erhöhte sich allein von 2009 auf 2010 die Zahl der antidepressiv behandelten Patienten um 21,4 Prozent, während die Verordnungsmenge der Antidepressiva um 12,8 Prozent zunahm. Hinzu kommt, dass bei den Verordnungen ein Umstieg von niedrigpreisigen zu höherpreisigen Psychopharmaka festzustellen ist. Bei den Psychopharmaka stellt sich vor dem Hintergrund, dass ein frühzeitiger und unkritischer Einsatz dieser Arzneimittel den Patienten mehr schadet als nutzt, die skizzierte Verordnungsentwicklung als besorgniserregend dar.“

      In einer Arzneimittelstudie der Barmer GEK, vorgestellt am 15.06.2011, werden weitere Besorgnisse hinsichtlich der Medikation geäußert. In der Studie heißt es u.a.:

      „Demenzkranke erhalten sechsmal häufiger Neuroleptika als Patienten ohne Demenz. Gleichzeitig ist seit Jahren bekannt, dass Demenzkranke nach Einnahme von Neuroleptika eine 1,6- bis 1,7-fach erhöhte Sterblichkeitsrate gegenüber der Placebogruppe aufweisen. Gesundheitsexperte Glaeske: Hier erhält eine Patientengruppe mit erhöhtem Sterblichkeitsrisiko Medikamente, deren Wirksamkeit teilweise nicht belegt ist und deren Folgen bei Langzeitgabe weithin ungeklärt bleiben."

      Das Thema Medikation in Pflegeeinrichtungen wird auch kritisch im Abschlussbericht „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“, vorgelegt am 17.06.2011 durch das Bundesfamilienministerium und Bundesgesundheitsministerim, angesprochen.

      Da alte und demente Patienten nicht selten unerkannt Schmerzen leiden, ist viel Aufmerksamkeit des Personals erforderlich. Denn Schmerzen können nach einer Mitteilung des Universitätsklinikums Jena vom 08.06.2011 Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe und Aggressionen hervorrufen. Wird dem nicht genug Beachtung geschenkt, können dabei selbst Brüche nach Stürzen übersehen werden oder Schmerzen durch Gelenkerkrankungen. Studien zeigen nach Angaben des Klinikums Jena, dass demente Patienten weniger Schmerzmittel erhalten als gleichaltrige kognitiv unbeeinträchtigte Patienten. Dies spricht für die häufige Verkennung des Problems.

      Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk greift die besorgniserregenden Informationen auf und fordert mehr Sorgfalt bei der medikamentösen Versorgung der pflegebedürftigen Menschen, vor allem bei den Demenzkranken. Es wird in diesem Zusammenhang u.a. erforderlich sein, die ärztliche Versorgung in den Pflegeeinrichtungen bundesweit deutlich zu verbessern und im erforderlichen Umfang die notwendigen Hausbesuche, auch außerhalb der Sprechstundenzeiten, sicherzustellen. In der 2010 vorgestellten „KV-Initiative Pflegeheim“ wurden gleichlautende Forderungen ausgeführt.

      Bezüglich der Medikation erscheinen neben der Einbeziehung des pharmakologischen Sachverstandes der Apotheken (auch mit Blick auf die mögliche Verblisterung von Medikamenten) Kooperationsvereinbarungen zwischen den Trägern von Pflegeeinrichtungen und Ärzten sinnvoll. Darin sollten u.a. die Kommunikations- und Dokumentationserfordernisse näher beschrieben sein. Fortbildungsveranstaltungen, in denen das Wissen um eine zielführende Versorgung mit Medikamenten vermittelt und stets aktualisiert wird, erscheinen ebenfalls dringend geboten.

      Es muss so auch sichergestellt werden, dass telefonische Medikationsverordnungen und weitreichende Bedarfsmedikationen möglichst vermieden werden. Medikamente müssen im notwendigen und ausreichenden Umfange verfügbar sein, dürfen aber unter keinen Umständen als „pflegeerleichternde Maßnahmen“ zum Einsatz gelangen (können). Ärzte, die sich solchen Praktiken entgegen stellen und sich allein am Patienteninteresse und am Sorgfaltsgebot orientieren, verdienen Anerkennung und Unterstützung.

      Werner Schell
      Dozent für Pflegerecht, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk


      Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
      Siehe auch die Texteinstellung unter
      Beiträge im Forum u.a. unter
      Siehe dazu die Einladung zu einer Demenz-Informationsveranstaltung am 18.07.2011 in Neuss-Erfttal, 18.00 Uhr. Näheres hier:
      wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?t=15808