Betreuung und Pflege

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    • Betreuung und Pflege

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      Pflege: Bezahlbar und legal

      Autorin: Eva Lindenau
      Viele Angehörige sind überfordert, wenn es um die angemessene Pflege ihrer Verwandten geht. Hilfe verspricht ein Pilotprojekt der Caritas, das ausgebildete Pflegerinnen aus Polen vermittelt – ganz legal und bezahlbar.


      Wir sind bei einer Familie, die für Tausende anderer Familien in Deutschland steht. Sie bleibt unerkannt, denn sie lässt sich von einer illegalen Pflegekraft helfen. Der Vater ist an Demenz erkrankt und braucht rund um die Uhr Hilfe, die die Tochter alleine nicht leisten kann. Sie erzählt: „Ich brauchte jemanden von heute auf morgen. Ich bin berufstätig. Dann ist mir diese Frau empfohlen worden, und ich habe sie genommen, weil ich in Not war, sonst hätte ich meine Arbeit kündigen können.“

      Ihre Notsituation war gleichzeitig ein Schritt in die Illegalität, denn die Rumänin, die 1.300 Euro im Monat bekommt, arbeitet schwarz. Sie zahlt weder hier noch in Rumänien Steuern und Abgaben. Erst allmählich wurde der Tochter klar, worauf sie sich eingelassen hat: „Ich bin wirklich erschrocken, wie schnell ich als unbescholtene Bürgerin in die Illegalität abrutsche.“

      Ein Problem, das viele Angehörige von Pflegebedürftigen kennen. Etwa 1,5 Millionen pflegebedürftige Menschen leben zu Hause. In circa 100.000 deutschen Haushalten arbeiten osteuropäische Frauen, die meisten von ihnen schwarz. Auch Fachleute wie der Pflegeexperte Claus Fussek sehen oft keine Alternative: „Was wollen Sie denn machen, wenn Sie Familien haben, wo du das Gefühl hast, die sind völlig am Ende, die haben keine Kraft mehr. Das ist zynisch, denen dann irgendwelche Dinge zu raten, die zwar legal, aber entweder nicht bezahlbar oder nicht praktikabel sind. Für jede osteuropäische Kraft müssen sie fünf, sechs oder sieben deutsche Pflegekräfte beschäftigen.“

      In ihrer Not suchen viele Angehörige Pflegehilfen im Internet. Dort bieten private Vermittlungsagenturen ihre Dienste an. Sie werben mit legalen Pflegehilfen aus Osteuropa. Inwieweit das den Tatsachen entspricht, ist für die Angehörigen nur schwer nachprüfbar. Viele Agenturen erklären die komplizierte Rechtslage nur dürftig.

      Strafverfahren, Nachzahlungen, Bußgelder
      Der Zoll kontrolliert selten und nur bei begründetem Verdacht. Doch wenn sich der Verdacht bestätigt, drohen den Angehörigen Strafverfahren und saftige Nachzahlungen. Klaus Salzsieder von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit verdeutlicht die Dimension: „Wenn wir so ein Beispiel nehmen, dass jemand ein ganzes Jahr gearbeitet hat, da liegen sicher so um die 15.000, 16.000 oder 17.000 Euro an Steuern und Abgaben drin. Und der gleiche Betrag - das ist durchaus möglich - wird dann nochmal als Bußgeld fällig.“

      Die Grenzen zwischen legaler und illegaler Beschäftigung sind fließend. So dürfen selbstständige Hilfskräfte zwar prinzipiell in Deutschland arbeiten. Es droht aber Scheinselbstständigkeit, wenn die Hilfskraft nur für eine Familie arbeitet und dort lebt. Klaus Salzsieder macht aber noch auf einen anderen Umstand aufmerksam: „In einigen Fällen treffen wir dann auch sogenannte entsandte Arbeitnehmerinnen an. Das funktioniert aber auch nur rechtstheoretisch. Das bedeutet nämlich, dass der Arbeitgeber hier in Deutschland kein Weisungsrecht gegenüber der Pflegekraft hat.“ Mit anderen Worten: Soll der Betreute in den Garten gebracht werden, darf die Familie die Pflegekraft nicht anweisen, sondern muss theoretisch erst bei dem Entsendeunternehmen im Ausland anrufen.

      Ganz ohne Rechtsunsicherheit funktioniert ein Modellprojekt der Caritas in Soest. Dort hat man einen legalen Weg gefunden, osteuropäische Frauen zu beschäftigen. Peter Wawrik beschreibt das Modell: „Die Familien hier in Deutschland sind Arbeitgeber. Wir vermitteln als Caritas nur, aber wir helfen den Familien, alle sozialversicherungspflichtigen und steuerrechtlichen Bedingungen zu erfüllen.“ Die Kosten für die Familie betragen 1.760 Euro im Monat. Die Hilfskräfte werden in Polen auf ihren Einsatz in Deutschland vorbereitet.

      Zurzeit ist das Modellprojekt noch regional begrenzt: „Das gibt es im Moment nur hier bei uns in der Diözese Paderborn, weil wir mit Caritas in Polen eine Kooperation für die drei Standorte Soest, Olpe und Paderborn getroffen haben. Wir sind aber nach der positiven Erfahrung dabei, das auszuweiten“, kündigt Peter Wawrik an. Mittlerweile bekommt die Caritas in Soest Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet.

      Zum Mai 2011 soll die Situation einfacher werden: Osteuropäische Arbeitskräfte haben dann freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Aber Experten fürchten: Wer schwarz arbeiten will, wird es auch weiterhin tun. Die Tochter, die wir begleitet haben, ist die Rechtsunsicherheit leid. Sie will die Pflege ihres Vaters jetzt auf legale Füße stellen.
    • echt hilfreich

      Moin Heinz,

      da werde ich gleich mal bei der hiesigen Caritas anklopfen. Ich war mehrfach schon in der Verlegenheit mit der Haushaltshilfe. Wir Betreuer haben ja nur die Möglichkeit entweder im Rahmen eines Pflegedienstes und die stellen dann die Haushaltshilfe oder im Rahmen des persönlichen Budgets, doch dann muss schon mehr als der Sozialsatz vorhanden sein. Oder dann die 400 Euro Kräfte. Aber dann ist wieder die Frage mit den Sozialabgaben und Anmeldung und Steuer und dgl., als hätten wir nicht schon Arbeit genug.

      Oder wie handhaben das die andern?

      Gruß Kalle
      und schönen Urlaub auch
    • hallo, es ist schon traurig, dass in der Familie sich immer weniger umeinander gekümmert wird. Leider ist es auch häufig nicht zu vermeiden, wenn die Verdienste immer unsicherer und geringer werden. Dennoch wünsche ich mir, dass mehr innerhalb der Familie füreinander gesorgt wird. Letztens hörte ich einen Beitrag einer Palästinenserin, die sich in Israel für den Frieden einsetzt. Sie erzählte, dass es in ihrer Kultur es überhaupt keine Kranken-, Pflege-, Arbeitlosen- oder sonstige Versicherung gibt. Da steht die Großfamilie immer zueinander und hilft, wenn jemand in Not gerät. Wir hier können es uns gar nicht anders vorstellen, als stets nach dem Staat also der Gemeinschaft aller zu fragen. Ich denke, die Zeiten werden sich auch hier ändern.

      Mairin