Arbeit und Transfergesellschaft

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      http://www.wdr.de/radio/wdr2/quintessenz/569270.phtml


      Risiko Transfergesellschaft - Informationen aus dem Beitrag von Karin Lamsfuß

      Der Eintritt in eine Transfergesellschaft - übrigens auch Auffang- oder Beschäftigungsgesellschaft genannt - ist meistens mit einem kompletten oder einem Teilverzicht auf die Abfindung verbunden. Ob sich der Verzicht lohnt, ist pauschal nicht zu beantworten und hängt auch von der Höhe der Abfindung ab: Denn die kann - je nach Betriebszugehörigkeit - durchaus fünfstellig sein. Es muss also individuell abgewogen werden. Die Arbeitsmarktexperten der GIB, der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung, haben herausgefunden, dass sich die Arbeitnehmer mehrheitlich für die Abfindung entscheiden. Somit raten sie Unternehmen, die Transfergesellschaft zusätzlich zur Abfindung anzubieten, die grundsätzlich an alle gezahlt wird.
      Wer entscheidet über die Auswahl der Transfergesellschaft?
      Zunächst handeln Unternehmensführung und Betriebsrat im Sozialplan aus, ob das Angebot einer Transfergesellschaft überhaupt gemacht wird. Generell bieten große und mittlere Unternehmen diesen Weg häufig an, kleinere weniger. Ebenfalls wird im Sozialplan festgelegt, welche Transfergesellschaft beauftragt werden soll. Tipp: Schon in dieser Phase sollten die von der Kündigung bedrohten Arbeitnehmer auf den Betriebsrat dahin gehend Einfluss nehmen, dass er das beauftragte Unternehmen auf Herz und Nieren prüft, sich Referenzen besorgt, ggf. schaut, ob die Transfergesellschaft dem Bundesverband angehört. Ist die Wahl gefallen, können die Arbeitnehmer keinen Einfluss mehr nehmen.

      Welche Leistungen erbringt die Transfergesellschaft?
      Neben der Begleitung durch den persönlichen Berater und ggf. einem anfänglichen Assessment-Center zur beruflichen Orientierung wird ein Finanzierungstopf für jeden Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Aus diesem Topf werden Fortbildungen und Bewerbungstrainings gezahlt. Dessen Höhe wird im Sozialplan festgelegt.

      Gibt es Qualitätskriterien?
      Leider kaum. Zunächst ist wichtig zu wissen: Jeder, der möchte, kann ein solches Unternehmen gründen. Besondere Qualifikationen sind nicht zwingend. Meist handelt es sich um Personalvermittlungsagenturen, aber auch Rechtsanwälte, Unternehmensberater, ehemalige Personalleiter und Betriebsräte, die sich auf diesem Gebiet versuchen. Was die entlassenen Mitarbeiter dann erwartet, ist höchst unterschiedlich: Das geht von hochengagierten Unternehmen, die umfassende Fähigkeitsprofile erstellen, coachen, fortbilden und ihre Aufgabe sehr ernst nehmen bis zu solchen, die eher verwalten als konstruktiv zu begleiten. Ob man an einen Profi gerät oder an einen, der nur Dienst nach Vorschrift macht, ist Glückssache. Orientierungshilfe können mit Gespräche mit gekündigten Mitarbeitern sein, die bereits Erfahrung mit der Beschäftigungsgesellschaft haben oder mit dem Betriebsrat.

      Erster Schritt in Richtung Qualitätssicherung:
      Beim Bundesverband BVTB, Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer e.V., haben alle momentan 16 Mitglieder ihre Mindest-Leistungen formuliert, so dass der Arbeitnehmer weiß, was ihn erwartet. Das Angebot ist verbindlich und hat einen Zertifizierungsprozess durchlaufen. Das ist der erste Schritt, diesen unübersichtlichen Markt transparenter zu machen. Wer (noch) nicht im Verband ist, muss nicht zwingend schlechte Arbeit machen, es heißt einfach nur, dass er noch keine Zertifizierung durchlaufen hat.

      Was bringt die Transfergesellschaft finanziell?
      Die Verweildauer in der Transfergesellschaft beträgt in der Regel 12 Monate (früher waren es mal 24) und hängt von betrieblichen Vereinbarungen ab. In dieser Zeit erhält der Mitarbeiter 60 bis 67 Prozent des letzten Nettogehaltes, das so genannte "Transfer-Kurzarbeitergeld" von der Arbeitsagentur, das in der Regel von der Transfergesellschaft auf 80 bis 85 Prozent aufgestockt wird. Rechtlich ist der gekündigte Mitarbeiter nunmehr bei der Transfergesellschaft angestellt. Das heißt aber nicht, dass er dort beschäftigt wird. Ist die Zeit in der dort erfolglos abgelaufen, folgt die offizielle Arbeitslosigkeit.

      Wie erfolgreich sind Transfergesellschaften?
      Darüber gibt es keine Informationen: weil sich noch niemand die Mühe gemacht hat, zu untersuchen, wie viel Menschen nach Ablauf der Transfergesellschaft tatsächlich einen Job gefunden hat, aber auch weil eine Gesellschaft, die junge IT-Profis betreut, ganz andere Erfolgsquoten haben wird als die, die ältere Ungelernte in Arbeit bringen soll.

      Alternative: Kündigungsschutzklage
      Natürlich gibt es neben der Alternative Abfindung oder Transfergesellschaft immer noch einen dritten Weg: Die Kündigungsschutzklage. Die endet zwar selten mit einer Wiedereinstellung, aber in vielen Fällen zu einer wesentlich üppigeren Abfindung. Und von der kann sich der Gekündigte selbständig Weiterbildung, Coaching und Bewerbungstraining finanzieren.

      Ärger mit der Transfergesellschaft:
      Was kann der Arbeitnehmer tun, wenn er an einen äußerst demotivierten Berater gerät? Er kann sich beim ehemaligen Betriebsrat beschweren, sofern der noch greifbar ist, bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung oder bei der Arbeitsagentur.

      Mehr zum Thema:

      Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer e.V. [bvtb.de]
      Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH [gib.nrw.de]
      Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer e. V. [bvtb.de]