Erwartungen an die BerufsbetreuerInnen

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    • Erwartungen an die BerufsbetreuerInnen

      Hallo,
      ich bin Berufsbetreuer und suche Leute die mit mir über dieses Thema diskutieren.
      Meine Kollegen und ich kommen immer wieder in den Konflikt, dass von allen Beteiligten (Richter Angehörige Behörden etc.)unerfüllbare Erwartungen an uns herangetragen werden. Was habe Ihr für Erfahrungen? Wie reagiert Ihr auf entsprechende Provokationen? wie "das ist doch Ihr Job", wöfür seit Ihr denn überhaupt da ?

      Michael, Bamberg
    • Hallo Michael!
      Ist es nicht eher so, dass von allen Beteiligten generell eine zu hohe Erwartung an uns herangetragen wird?
      Ich mache dieser Erfahrung nicht ausschließlich bei den Wohnungsangelegenheiten...
      Heime wünschen den Einkauf von uns erledigt wissen, Angehörige drängen darauf, unsere Betreuten zum Arzt zu fahren und so weiter und so fort.
      In Bezug auf Wohnungsangelegenheiten sehe ich den "Druck" eigentlich nur darin, dass wir, nach Aussagen der Betreuten, Wohnraum finden müssen. Wenn ich aber erkläre, dass ich Betreuer und kein Makler bin, kann ich oft eine rasche Klärung herbeiführen.
      Worum geht es Dir denn im Speziellen? Welche Erwartungen erfüllst Du denn nicht?
      Es wäre schön, wenn Du Dein Anliegen mal etwas konkretisieren würdest...

      Liebe Grüße aus Plauen von
      Micha
    • Aufgabenkreis Wohnungangelegenheiten

      Hallo Beurich,
      Vielen Dank für Deine Antwort.
      Ich habe mich zwischenzeitlich bei Euch angemeldet.
      Zu meinem "Diskussionsthema". Das was Du beschreibst, kann ich ohne Einschränkung zustimmen. Ich nehme bei dir aber wahr, dass Du den Druck persönlich nich so wahrnimmst. Hat man Dich noch nie (an einem Freitag) aus einem Krankenhaus angerufen und dir mitgeteilt, dass der Betreute am Freitag entlassen wird und Du dich um eine Unterkunft kümmern sollst (=ein Beispiel unter vielen). Mir kommt es eigentlich auf den psychischen Druck an, der wg. der ungeklärten oder unklärbaren Zuständigkeit (Entsprechen des Willen des Betreuten, solange zumutbar, rechtliche Vertretung ) der auf uns wirkt. Wie bewältigst Du diesen? Ich möchte, wenn dieses Thema für Dritte nicht so interessant ist, künstlich eine Diskussion bewirken. Das Thema kann auch "einschlafen"


      Michael (Gabelmann)
    • Sehr interessantes Thema!

      Hallo Michael!
      Stimmt... Ich kann den Druck, welcher an mich übergeben wird, ganz gut kanalisieren. Wenn ich mich wirklich um JEDES Ansinnen kümmern würde, müsste ich (bei derzeit 49 Betreuungen) den 28-Stunden-Tag einführen.
      Ich verweise sehr gern auf das Betreuungsgesetz und die darin manifestierten Aufgaben eines Betreuers.
      Im benachbarten Ausland ist es einfacher, denn da heißt unser Berufsbild nicht Betreuer, sondern Sachwalter. Und mal ganz ehrlich... Würdest Du auf die Idee kommen, einen Sachwalter zu fragen, ob er nicht mal für Ella Müller mal paar Socken kaufen geht? Unsere Berufsbezeichnung an sich, lässt da schon einiges zu Wünschen übrig.
      Und nun zu Deinem Beispiel. Klar wird auch bei mir zum Freitag mal jemand aus der Klinik entlassen. Aber ich habe mir zwischenzeitlich ein gutes Netzwerk aufgebaut und weiß auch, welches Heim mir sofort für die Kurzzeitpflege jemand abnimmt, ohne dass ich "vor Ort" sein muss. Verträge kann man auch montags unterzeichnen, oder?! ;)
      Darüber hinaus besitzt JEDE Klinik einen "Sozialen Dienst". Wenn die Klinik schon Freitag Nachmittag entlassen muss, dann sollen sie intern erst mal sehen, ob sie den Patienten unterbringen.
      Einen Satz, welchen ich in diesem Zusammenhang gerne nutze ist: "Was wäre denn, wenn der Patient nicht unter Betreuung stehen würde?"
      Meistens beantwortet sich das Problem dann von allein...
      Man kann von einem Betreuer nicht erwarten, dass er ohne Urlaub 365 Tage im Jahr, an jeweils 24 Stunden verfügbar ist.
      Viele Sachen regeln sich schon von allein, wenn man zum Feierabend einfach das Telefon abstellt.
      Ich habe bisher NOCH NIE erlebt, dass aufgrund meiner Abwesenheit, ein Betreuer zu Schaden kam, oder im keine Hilfe zuteil wurde.
      Es ist viel zu einfach für das Umfeld, denn die sagen: "Lass uns mal den Betreuer anrufen. Der macht das schon."

      Würde ich an deren Stelle nicht anders machen, denn es ist der Weg des geringsten Widerstandes.

      Ich finde übrigens, dass Du ein sehr interessantes Thema angeschnitten hast und habe es daher in den geschlossenen Teil verschoben.

      Liebe Grüße
      Micha
    • Vollste Übereinstimmung

      Hallo Ihr 2 Michaels... :)

      Ein wirklich interessantes Thema! Auch ich bin schon oft verzweifelt, weil ich Dinge übernehmen sollte, die definitiv nicht in mein Aufgabengebiet fallen.
      Ich verweise dann gern auf die Aussage,dass ich RECHTLICHER Betreuuer bin und kein Einkaufshelfer oder Taxifahrer. Dann kommt meist die Einsicht.
      Aber es nervt schon mächtig, wenn man so derart unter Druck gesetzt wird und mann muss schon breite Schultern beweisen, wenn man solche Anfragen abschmettert.
      Geiles Thema! Interessiert mich auch, wie es hier weitergeht...

      Liebe Grüße
      Betreuer-Vogtland
    • unterscheiden

      hallo allseits,

      was haltet ihr davon, doch zu differenzieren? Allso, das mit dem Netzwerk und den gesetzlichen Grenzen von wegen rechtlicher Betreuung und so, klingt gut. Ich denke und habe die Erfahrung gemacht, dass dies Abgrenzung auch weithin akzeptiert wird. Es ist dann immer nur die Frage, wie sag ichs meinem Kinde, also wie krieg ich das den Ärzten, Heimen, Behörden, Nachbarn oder so verklickert.

      Aber da ist noch was anderes - bei 3 Stunden im Monat, die vergütet werden, ist eh nicht viel drin an effektiver Zuwendung. Lass es mal kalkulatorisch im Wege der Mischfinanzierung das Doppelte sein, abzüglich Fahrtzeiten, Schreiben, Telefonate, Berichte und dgl., da kann von einem gesetzlichen Betreuer auch nicht ein 24 Stunden und 7 Tage Bereitschaft erwartet werden. Wer sich da beschwert, von wegen, wofür die BetreuerInnen denn da seien, möge sich doch mal an die Politiker wenden. Oder aber an den oder die Berufsverbände, wie die den Politikern insb. Justizministern der Länder zugesetzt haben - ohne Erfolg. Deren Schreiben füllen Bände.

      Auch das ist ein Umstand, der nicht unerwähnt bleiben sollte - es ist tatsächlich nicht gewünscht, dass Betreuer rund um die Uhr und jederzeit verfügbar sind. Wäre es gewünscht, sähe das Gesetz anders aus. Das heißt, die Intention des Gesetzgebers ist, das Betreuer lediglich im äußersten Notfall, sozusagen als Lebensretter fungieren, wenn praktisch gar nichts anderes geht.

      Und ich habe es erlebt, dass das soziale System sehr flexibel ist und vieles geht auch bei 1-2 Wochen Urlaub und ein paar Telefonaten vom Urlaubsort. Insofern ist der Hinweis - was wäre denn, wenn die Betreuung nicht bestünde - genau treffend.

      Das bedeutet nicht, dass Betreuung deshalb völlig überflüssig wäre, sondern der Stellenwert ist einfach ein anderer. In der Jugendhilfe gibt es den Familienberater. Der kann mitunter auch nicht verhindern, dass was anbrennt. Und BetreuerInnen sollen im Grunde auch nur beratend tätig sein. Schließlich sieht das Gesetz vor, dass die Betreuung zusammen mit dem Betreuten geschieht und nachrangig ersatzweise. Und Betreute haben mitunter ein wesentlich langsameres Tempo. Dem gilt es sich anzupassen.

      In diesem Sinn - gut Ding will Weile haben
      Heinz
    • leichter gesagt als getan

      hallo,

      ich will ja nichts sagen, aber die Realität sieht ja doch mitunter anders aus. Auch wenn ich Bescheid gebe, was zuviel ist ist zuviel, dennoch bleibt ein blödes Gefühl. Ich seh mich schon in der Verantwortung. Das ist mein Job zu helfen. Ich hab' einen Auftrag. Und da kriegt man mich leicht an die Ehre. Und wenn dann noch 'ne Beschwerde kommt, von wegen ich tät ja nichts und wäre nicht erreichbar und dgl., dann kann ich richtig sauer werden. Warum? Weil ich ja doch oft hinter meinen eigenen Erwartungen an mich zurückbleibe. Und wenn dann noch andere kommen, ich könnte ja noch dies und jenes und überhaupt, das reicht. Aber das Gefühl bleibt.

      Gruß Kalle


    • Berufsspezifische Belastung

      Hallo,
      ich finde es ganz super, dass die Diskussion in Gang gekommen ist.
      Nachdem ich das Geschäft schon seit 1992 mache und auch vorher schon Pflegschaften geführt habe, kann ich auch auf viele Erfahrungen zurückblicken. Auch ich habe mein Netz, arbeite in einem Team etc.. Dennoch merke ich immer mehr, das der bereits genannte Zwiespalt zwischen Abgrenzung und Berufsrolle etwss hinterlässt, das ich zumindest nicht so einfach abtun kann. Merkwürdigerweise gibt es zwei Gruppen von Kollegen, die einen können gut abgrenzen und wenn mann Sie befragt, erklären sie einem, wie gut sie die Problemfälle lösen und eine andere (zu der ich auch gehöre), die mit sich hadert. Auch in der Diskussion wird dies deutlich. Zu den guten Abgrenzern muss ich aber auch sagen, dass ich welche kennengelernt habe, die sich in einem Zynismus (gegenüber der Arbeit und den Betreuten) ergehen, der bei mir die Frage aufwirft, ob man nicht auch vergessen kann, warum man den Job gewählt hat.
      Vielleicht wäre es möglich und auch hilfreich für die häufigsten "üblichen" Situationen sich über gute Reaktionen auszutauschen. Eine kann ich hier bereits liefern. Hier in Bamberg bekommen wir von den Ärzten des Krankenhauses Druck allen möglichen Operationen und Untersuchungen zuzustimmen. Anfänglich ging dies sogar soweit, dass man sogar verlangte, das wir zu allen Zeiten höchstpersönlich ins Klinikum fahren uns die Aufklärung zum x-ten Mal anhören, um danach zu unterschreiben. Wir haben alles versucht, was an rechtlicher "Aufklärung" möglich war (ich gehe hier davon aus, dass die Diskussionsmitglieder die Rechtslage kennen), es half nichts. Das einzige was wir geschafft haben war, dass, wenn der Betreute der Untersuchung etc. positiv gegenübersteht, man uns die erste und letzte Seite der Zustimmung nun zufaxt, wir unterschreiben und die Seiten zurückfaxen. Aber im Grund eine schlechte Lösung. Man könnte uns eigentlich ganz in Ruhe lassen. Eine sehr erfolgreiche Lösungsmöglichkeit war dann, dem entsprechenden Arzt mit B e d a u e r n mitzuteilen, dass wir die Aufklärung nur dann unterschreiben d ü r f e n, wenn er uns ein Attest zufaxt, aus dem hervorgeht, dass der Betreute nicht zustimmungsfähig ist. Bisher war in a l l e n Fällen danach Ruhe. Nach unserer Zustimmung hat keiner mehr gefragt.
      Was mir beim Schreiben auffällt, dass es für uns "Betreuer" kein tradiertes Berufsbild in den Köpfen gibt. Einem Vor-Mund hätte man vielleicht nicht so viel zugemutet. Eine lustige Episode diesbezüglich. Eine Kollegin rief einmal bei einer Versicherung an und wies darauf hin, dass sie Herrn Müller betreue. Dir dortige Sachbearbeiterin begann daraufhin sich mit ihr über Versicherungsinterna zu unterhalten. Sie musste dann erst klarstellen, dass sie die gesetzliche Betreuerin sei. Es kam dann heraus, dass in dieser Versicherung die Sachbearbeiter sich als (Kunden-) Betreuer verstehen.

      Mit kollegialen Grüßen
      Gabelmann
    • notwendiger Sarkasmus?

      Hallo Michael!

      Danke für Deine Gedanken zu diesem Thema. Ich für mich, bin jedoch der Meinung, dass ein gewisser Sarkasmus, der Sache gegenüber, dringend notwendig ist. Wenn ich jede Situation an mich heranlassen würde, könnte ich diesen Job nicht durchstehen. So habe ich junge Erwachsene gesehen, die vor meinen Augen "eingegangen" sind, Krankheitsverläufe erlebt, die drastischer nicht hätten sein können. Mein Sarkasmus ist der "Schutzschild" meiner Psyche.
      Nicht zu vergessen... Auch mein Sport den ich betreibe, hilft mir sehr oft dabei, die im Betreueralltag aufgetretene Vorfälle, zu verarbeiten.
      Allerdings denke ich nicht, dass meine Berufswahl deshalb die falsche war... :)

      Liebe Grüße
      Micha
    • ... und nochwas zum Schreiben von "Gabelmann"...
      Ich bin der festen Überzeugung, dass die Berufsbezeichnung "Betreuer" überarbeitet werden sollte. Das beste Beispiel hast Du mit der Versicherung genannt.
      Wir Betreuer werden ja auch oft gleichgestellt mit der Tochter, die ihre Mutter im Pflegeheim "betreut".
      Dann kommen schon mal Aussagen, wie: "Also die anderen Betreuer machen das aber...!"
      Hinterfragt man, wer denn diese "Betreuer" sind, die Einkäufe erledigen, stellt sich schnell heraus, dass es Angehörige sind.
      Tja. Und bei meiner Familie würde ich auch nicht auf Zeit und Geld schauen!
      Aber wir sind ja nun mal darauf angewiesen, am Monatsende zu sehen, "Butter und Brot" in die Küche zu bekommen, oder?! ;)

      LGr.
      Betreuer-Vogtland
    • hallo Gabelmann, und alle andern,

      von mir auch eine Anekdote - wurde ins Krankenhaus gerufen, Betreute stark alkoholisiert, verwahrlost, konnte wegen Polyneuropathie nicht mehr laufen. Ich fragte in der Ambulanz nach der Betreuten und bekam zu hören, dass ich meine Frau doch gefälligst mitnehmen solle. Als ich dann den Pfleger und die Ärztin darauf hinwies, dass ich ja nur der Betreuer sei und die Betreute alleine wohne und zuhause eine Versorgung nicht gewährleistet werden kann (keine Pflegestufe, da sie ohne Suff laufen konnte), sah die Sachlage auch für die Klinik dann anders aus.

      Ich denke aber auch, dass das Bild der gesetzlichen BetreuerInnen in der Öffentlichkeit überhaupt nicht geschützt und deshalb total verschwommen ist. Wie das Beispiel mit der Versicherung zeigt, kann sich jeder praktisch Betreuer nennen. Und die Rechte und Pflichten eines gesetzlichen Betreuers sind weniger bekannt, als die Ansprüche gegenüber einer PKW Werkstatt.

      Der BdB war ja mal bestrebt, dass der Beruf des Berufsbetreuers ein Lehrberuf werden sollte, dass Betreuung ein Fachgebiet an den FHs werden sollte und dass das Image dem von Steuerberatern, Rechtsanwälten, Testamentsvollstreckern, Nachlassverwaltern u. dgl. gleichgestellt werden sollte. Doch dieses Bemühen wurde konterkarriert dadurch, dass der Gesetzgeber BerufsbetreuerInnen zu Lückenbüßern degradierte. Gesetzliche Betreuungen kann im Grunde jeder und jede führen. Zur Anerkennung als Berufsbetreuer bedarf es des Nachweises von 'verwertbaren' Kenntnissen. Ob in der beruflichen Biographie oder mit Hochschulabschluss spielt nur für die Vergütungshöhe eine Rolle, aber nicht für die Unterscheidung von Qualität.

      Also ist ein Berufsbetreuer nicht mehr als z.B. ein promovierter Chemiker i.R., der ein Ehrenamt übernimmt. Und dessen Betreuung kann mitunter genauso gut oder sogar besser sein, weil er nur eine Betreuung führt, als die von Berufsbetreuern. Somit kann der Eindruck entstehen, dass jemand praktisch 'bestraft' ist, wenn er keinen engagierten Ehrenamtler, sondern nur einen überlasteten Berufsbetreuer bekommt.

      Und somit formt sich ein Berufsbild, das uns nicht zu wundern hat, wenn man uns recht distanziert, voreingenommen oder ablehnend begegnet. Wenn wir dannnoch uns abgrenzen und Arbeitszeiten und Freizeit samt Privatem trennen, kann es genau in die Kerbe gehen, die andere schon geschlagen haben. Bedanken können wir uns bei den gewählten Politikern insb. den Justizministern, die eigentlich den Berufsstand abgeschaffen wollten, aber wegen der Grundrechtsgarantie nicht konnten.

      Was ich sagen will ist, dass BetreuerInnen recht schnell in die Rolle eines Don Quichoten kommen und gegen Windmühlenflügel ankämpfen. Und da hilft natürlich eine gute Portion Sakrasmus und Eigenhumor.

      Vielleicht noch ein Tipp bei Anrufen und Erwartungen - dass man es einfach überzeichnet, man eile und fliege und morgen könnten wir auch übers Wasser gehen. Oder wie der Sponti Spruch lautet, Wünsche werden sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger.

      In diesem Sinn dir und uns allen ein wenig mehr dickes Fell, manchmal eine Berliner Schnauze, freche Klappe, etwas Despektierlichkeit oder aber einfach den Spieß rumdrehen. Als ein Arzt vorwurfsvoll fragte, ob ich denn die 90 jährige verhungern lassen wolle, weil wegen Darmverschluss ein künstlicher Ausgang dringend geboten sei, fragte ich den Arzt, wie er entscheiden würde, wenn es seine Oma sei. Da hatte ich ihn dann im Sack.

      In diesem Sinn frohes Schaffen und viel Erfolg
      Heinz
    • Vorschlag -Entwicklung von Strategien-

      Hallo liebe Kollegen,

      ich mache (zusammen mit meinen Kollegen im Verein) Supervision. Dabei kamen wir drauf, dass die "Aufklärungs"-Arbeit im einzelnen unergiebig und ermüdend ist. Wobei wir dabei ein "Bild" entwickelt haben, das ich Euch vorstellen wollte.
      Wir müssen Dämme aufbauen, damit wir nicht (von den Ansprüchen) überflutet werden. Gleichzeitig aber Schleusen in die Dämme integrieren, damit wir trotzdem noch flexibel regulieren (handeln) können.
      Hier eine weitere Strategie aus der Supervision. Jeder vernünftige Betreuer baut während seiner Tätigkeit ein Netzwerk auf (Entrümpelungsfirmen, Dienstleister, etc.). Diese Anbieter unterscheiden sich von den anderen, dass sie wissen was ein Betreuer ist, ich bei diesen keine Zeit in "Aufklärung" stecken muss, gute Preise bekomme und mich aus der Durchführung heraushalten kann.
      Warum nicht ein bundesweites Betreuernetzwerk schaffen (durch die Mittel des Internets leicht möglich), das genau das für alle (Berufsbetreuer) leisten. Also Heime, die mitdenken und nicht wg. jedem Dreck anrufen, Banken die einen vernünftigen Mitarbeiter haben, ehrliche Dienstleister, die Wertgegenstände bei Wohnungsräumungen abliefern, etc.
      Eigentlich sollte diese Idee eigentlich von unserem Berufsverband kommen (aber die vom Vorstand sind ja mehr mit dem persönlichen Budget befasst :redeyealien: ).

      Grüße an alle

      Gabelmann (Michael)
    • Betreuernetzwerk

      Hallo Michael,
      mit Begeisterung las ich von Deinem Vorschlag zum Aufbau eines Netzwerkes unter den Betreuern.
      Interessant wäre halt nur noch die Umsetzung eines solchen...

      Ich habe ja noch eine Domain gesichert, welche sich BetreuerVZ.de benennt und momentan nur auf das Forum hier verlinkt ist.
      Wie könnte denn (in Struktur) solch ein Netzwerk ausschauen?
      Lass uns doch mal brainstormen. Heinz hat dazu auch immer ganz tolle Ideen.

      Herzliche und interessierte Grüße
      Mich
    • Hallo Micha,

      freut mich, dass Du dies auch so siehst. Vielleicht sind wir die Ersten, die auf diese Idee kommen.
      Im Sinne von gemeinsam sind wir stark, brächte dies uns und unseren Betreuten sicher Vorteile, weil ....
      Nach dem sozial-web Gedanken wäre es sicher sinnvoll, eine Platform (Webpage...) , die vielleicht an eine bestehende "einschlägige community angehängt ist, zu (technisch) zu gestalten. Gleichzeitig sollte "überall" auf die Sache hingewiesen werden.
      Als Anforderung wäre zu stellen, die Suche muss für den regionalen Benutzer leicht möglich sein, der Anbieter muss "ausgewählt" und geprüft sein (Prüfung d. Mitglieder), da gibt es natürlich Gefahren und es muss einen Raum für Bemerkungen geben.
      Bestehende Beispiel: Bewertungssystem
      kennstdueinen.de/

      Grüße Michael
    • hallo allseits,

      wo ich erwähnt wurde, von wegen Ideen, will ich mal Stellung nehmen.

      Erst einmal, Gabelmann, meinen Hut vor dir gezogen. Supervision ist sicherlich noch nicht Standard bei BetreuerInnen. Ich habe es mir als weitestgehender Einzelkämpfer auch geleistet, allerdings weniger als TeamSupervision, als vielmehr Fallsupervision also bezogen auf besondere Betreute. Hats echt gebracht. Kann ich auch nur empfehlen.

      Nun zu deinem Bild von den Dämmen und Schleusen. Das bezogen auf Ansprüche. Wir hier im Bergischen Land haben reichlich Talsperren. Und gehe ich über die Brucher Talsperre bei Marienheide, dann schwabbt hier das Wasser nahe meinen Füßen und da geht es steil in die Tiefe, wo noch ein Rinnsal als Fluss sich entwindet.

      Ich persönlich habe das mit den Ansprüchen nie so bedrängend empfunden. Ich habe mich auch selten in der Situation gesehen, mich rechtfertigen zu müssen. Für mich waren die, die mit gesetzlicher Betreuung Probleme hatten, durchweg uninformiert. Die Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit Patientenverfügung und Betreuungsvollmacht legt im Grunde die Haltung nahe, dass der sich praktisch bei mir entschuldigen muss, diesen Berufsstand mit seinen Aufgaben, Rechten und Pflichten nicht zu kennen. Also zeigte ich mich eher generös und nachsichtig, nach dem Motto, man kann ja auch nicht alles wissen. Doch das schlechte Gewissen hab ich den andern natürlich belassen. Gesetzliche Betreuungen muss man kennen, basta.

      Wo es zu dumm wurde, so bei einem stellvertretenden Leiter einer Filiale einer deutschen Bank, der meinte, ich müsse beim Einwilligungsvorbehalt die Einwilligung der Kontoinhaberin/Betreuten einholen oder die Erlaubnis vom Gericht, konnte ich nicht anmich halten und fragte, wo er denn seine Bänkerlehre gemacht habe oder ob es doch eine Bäckerlehre gewesen sei.

      Doch nun zu deinem Vorschlag eines Netzwerkes. Grundsätzlich tolle Idee. Und man kann nur etwas möglich machen, wenn auch das Unmögliche gedacht wird. Trotzdem würde ich es zunächst auf das Örtliche beschränken. So'ne Internetadresse ist nicht das Problem. Vielmehr ist es die Arbeit der Prüfung und Auswahl.

      Das geht natürlich nur, dass BetreuerInnen vorort ihre Erfahrungen mit bestimmten Betrieben ins Netz stellen. Was interessiert mich ein Hausmeisterservice in Pusemuckel, wenn ich beim Betreuten 'ne Wechselschaltung legen lassen will oder Umzugshelfer suche oder Einkaufshilfe oder Putzhilfe oder oder.

      Der nächste Aspekt ist, wie objektiv sind die Beurteilungen? Wenn ich mit dem Pflegedienst klar komme, heißt das noch nicht, dass mein Kollege meine Kollegin das auch kann. Dann gilt es bestimmte Rechte zu wahren. Sobald es um Empfehlung geht, sind wir nicht weit vom unlauteren Wettbewerb und ein Anbieter, mit dem man es weithin nicht kann, fühlt sich benachteiligt und prozessiert. Oder aber es schreiben die eine Beurteilung, die selbst davon profitieren - der Mann einer BetreuerIn hat selbst den Hausmeisterservice. Ne, ist klar.

      Und schließlich müssen sich Leute bereitfinden, die das Ganze koordinieren und kontrollieren und organisieren. Das wird meines Erachtens der entscheidenden Punkt sein. Du wirst es sicherlich vor Ort ähnlich erleben, dass das Engagement über den Beruf hinaus recht 'überschaubar' ist.

      Trotz allem will ich dir nicht den Mut nehmen. Die Organisation der geldlosen Selbsthilfe hat auch mal so angefangen. Ich denke, bevor wir das im Großen denken, wäre es einfach eine Frage der Selbstversorgung der Betreuerinnen und Betreuer vor Ort. Vielleicht magst du dir die Mühe machen und gehst selbst Klinken putzen und checkst die Betriebe und Anbieter in deiner Stadt, klassifizierst sie entsprechend der Bereiche und sprichst dich mit anderen Beteuer und Betreuerinnen vorort ab z.B. beim regelmäßigen Treffen zum gemütliche Austausch. Wenn ihr so etwas schon habt, ließe es sich dort andocken. Wenn nicht, wäre erst einmal so eine lose Gemeinschaft zu initiieren.

      Dann könnte für diese Gemeinschaft eine Seite wie BetreuerInnen-Stadtname.de eingerichtet werden, wo dann dergleichen Infos abgelegt werden. Aber Vorsicht! Wie gesagt, wenn ihr den einen z.B. Sanitärinstallateur ganz toll findet, könnte der andere sich übervorteilt fühlen.
      Und Anwälte, die ihr Einkommen mit Abmahnungen sichern, gibt es zuhauf.

      Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen. Und wie gesagt, scheinbar 'Unmögliches' möglich machen.

      In diesem Sinn wohl an denn
      Heinz


    • "Einzelkämpfer Betreuer"

      Hallo Michael,

      da muss ich allerdings Heinz recht geben. Würde sich eine kritische Masse finden lassen, die hier die Dienstleister seiner Region aufführt?
      Wäre es nicht sinnvoller, ein Netzwerk zu schaffen (im Sinne von Facebook), wo Fragende sich Betreuer der Region anzeigen lassen können und diese direkt zu befragen?
      Oftmals denke ich, dass der "Einzelkämpfer Betreuer", manchmal gar nicht weiß, dass bei ihm "um die Ecke" ein KollegInn sitzt und eine Antwort zu seiner Frage parat hat.
      Deine Idee ist grundsätzlich hervorragend, allein der einzuschlagende Weg, müsste überdacht werden.
      Was meinst Du?

      Liebe Grüße
      Micha