Tod und aus?

    • Tod und aus?

      wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, ob es nach dem Leben irgendwie weitergeht. Vielen ist es zu hoch und denken gar nicht weiter nach. Viele bewahren sich die Hoffnung, dass es mit dem Tod nicht völlig aus ist. Und viele glauben fest daran. Na und? Interessant lesen sich die Infos über die Gedanken eines Atheisten oder Agnostikers. Wenn es Gott nicht gibt, müsste er erfunden werden?

      dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1230773/

      Julian Barnes: "Nichts was man fürchten müsste", Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010, 333 Seiten

      Dieser Groß-Essay über die Sterblichkeit im Angesicht des Unglaubens kommt weder klinisch noch mit falschen Tröstungen daher. Vielmehr rüstet er sich mit melancholischem Witz, Scharfsinn und geistreicher Eleganz, um den Schrecken des Unausweichlichen zu trotzen.


      Julian Barnes, Jahrgang 1946, ist ein äußerst vielseitiger und mit vielen Preisen ausgezeichneter Londoner Autor mit einem umfangreichen Œuvre von Romanen und Essays, in denen er britisch unterkühlte Ironie mit einer Vorliebe für französischen Esprit und aufgeklärte Vernunft verbindet. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Flauberts Papagei", "Eine Geschichte der Welt in zehneinhalb Kapiteln", "In die Sonne sehen" und "Arthur & George", ein historischer Roman über Arthur Conan Doyle.

      In "Nichts was man fürchten müsste" setzt sich Barnes mit dem auseinander, was er am meisten fürchtet: dem Tod. Mit zwanzig Jahren war Barnes Atheist, mit sechzig ist er Agnostiker, und als lebenslanger Skeptiker durchmustert er angesichts des näher rückenden Sterbedatums die Antworten der Philosophie, der Kunst und der Religion auf die letzten Fragen, die der Tod seit jeher aufwirft, und hält sie allesamt für illusionär und nicht stichhaltig.

      Er überprüft die Argumente für und gegen ein Weiterleben nach dem Tod auf ihre Triftigkeit, fragt nach dem Verbleib Gottes und sucht aus der Art, wie seine eigenen Eltern gestorben sind, Schlüsse zu ziehen auf das, was ihn erwartet und wie er dem begegnen sollte. Seine Grundhaltung: "Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn." Barnes hätte nichts gegen das Sterben, wenn man danach nur nicht tot wäre.

      Dieser Groß-Essay über die Sterblichkeit im Angesicht des Unglaubens kommt weder klinisch noch mit falschen Tröstungen daher, sondern rüstet sich mit melancholischem Witz, Scharfsinn und geistreicher Eleganz, um den Schrecken des Unausweichlichen zu trotzen.

      Barnes mischt das Anekdotische mit dem Autobiografischen, er sammelt die überlieferten Todesarten von Künstlern, hauptsächlich französischen Schriftstellern wie den Brüdern Goncourt und Émile Zola und russischen Komponisten wie Schostakowitsch und Rachmaninoff; er lässt seine intellektuellen Hausgötter (Montaigne, Flaubert, Jules Renard) ausführlich zu Wort kommen, erinnert sich an Episoden und Legenden aus seiner eigenen Familie und reichert das Ganze mit viel Hausmacher-Philosophie an, die sein älterer Bruder Jonathan, ein Philosophie-Professor in Oxford und Genf, dann per Email mit der souveränen Lässigkeit des Fachmanns zu zerpflücken liebt: "Sentimentaler Quatsch."

      Das Buch umkurvt seine Themen in weit schweifenden Kreisbewegungen, gerät manchmal außer Fokus, verliert sich in Exkursen und abseitigen Meditationen, kehrt aber immer wieder zu den Hauptfragen zurück, in immer wieder neuer Perspektive und neuen Anläufen, bleibt freilich auf viele gestellten Fragen die Antworten schuldig.

      Barnes' Blick auf seine Eltern bleibt skeptisch, auch nach deren Tod. Beide waren Lehrer, der Vater milde, wortkarg und ironisch, die Mutter geschwätzig und dominant. Barnes hat seinen Vater geliebt und bedauert, ihm das nie gesagt zu haben; und er mochte seine Mutter nicht; und seinen Bruder hält er, in aller Höflichkeit, für einen etwas exzentrischen Pedanten.

      Die Stärke dieses Buches liegt in der Fülle seiner unterhaltsam vorgetragenen, teils entlegenen Materialien und seinen pointierten Anekdoten. Die Todesangst wird es nicht beseitigen, aber mindestens für die Dauer der Lektüre besänftigen.

      Besprochen von Sigrid Löffler

      Julian Barnes: Nichts was man fürchten müsste
      Aus dem Englischen von Gertraude Krüger
      Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010
      333 Seiten, 19,95 Euro
    • mag sein, dass das Leben irgendwie weitergeht oder dann anders ist oder aus ist, jedenfalls ist es sehr tröstlich zu wissen, der Verstorbene schaut von oben auf die Erde herab.

      Wir hatten jetzt erst ein Gespräch mit meiner Schwiegermutter und dass sie sich wenig gönnt und nicht auf ihre Gesundheit achtgibt. Wenn ihr Mann nicht mehr ist, dann will sie auch nicht mehr sein. Wir haben ihr gut zugeredet, dass das ganz und gar nicht im Sinne meines Schwiegervaters ist und wenn er denn verstorben ist (82jährig und schwer krebskrank), dann würde er sich nichts sehnlicher wünschen, als wenn es ihr gut ginge und sie noch etwas Freude am Leben hat, auch ohne ihn.

      Und bei solchen Gesprächen ist es sehr hilfreich sich vorzustellen, dass es nach dem Tod irgendwie weitergehen wird. Egal, ob es so sein wird oder nicht.

      Gruß Mairin
    • Einsamkeit ist tödlich

      Einsamkeit macht krank
      Ob Rauchen oder Alleinsein – beides ist etwa gleich ungesund. Ärzte
      haben gut 150 Studien zum Sterbe-Risiko unter die Lupe genommen und
      festgestellt: Menschen mit wenig Freunden und einem kleinen
      Bekanntenkreis haben eine um 50 Prozent höhere Sterbewahrscheinlichkeit
      als Menschen mit einem guten sozialen Umfeld. Einsamkeit ist damit in
      etwa so schädlich für die Gesundheit wie Rauchen und ungesünder als
      Übergewicht oder Bewegungsmangel. Das gilt durchweg für alle
      Altersklassen. Die Ärzte unterschieden in der Analyse verschiedene
      Sorten von Einsamkeit: Am stärksten wirkt sich soziale Integration, etwa
      im Beruf, auf die Gesundheit aus; am wenigsten, ob man alleine oder mit
      einem anderen Menschen zusammenlebt.
      Quelle: PLoS Medicine

      Mehr dazu in Leonardo
      wdr5.de/sendungen/leonardo/s/d…nsamkeit-macht-krank.html
    • Interessantres Thema

      Heinz schrieb;
      "Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn."

      Ja lieber Heinz ich glaube an den lieben Gott und vermissen tue ich ihn auch nicht weil ich glaube das er überall ist, wie verschieden eben die Meinungen, Ansichten und Glauben sein kann.

      ;) ...Ist nur ein kleiner Spass, voallem wennes nicht so sein sollte.
      Ich bin nicht nur gläubig sondern habe schon so einiges erfahren und verspührt diesbezüglich.
      Ich bin mir auch sicher das mit dem Tod nicht alles aus ist.Habe beispielsweise Sachen erlebt als mein liebe Frau vor paar Jahren plötzlich unerwartet und tragisch verstarb was mir sehr zu denken gab, weil menschlich eben nicht erklärbar.
      Muss dazu auch noch sagen das ich geistig, wie soll man richtig sagen, vollkommen noch auf dem Dampfer bin.
      Kleines Beispiel, an dem Tag als meine Frau im Krankenhaus früh verstarb ging ich früh in die Kirche, als ich über meinem Flur ging entdeckte ich das eine der beiden Übergardinen vom Fenster auf dem Boden lag.Meiner Vorstellung nach konnte ich mir nur vorstellen das meine Katzen wieder einmal am Werk gewesen sein könnten.Andererseits war es aber garnicht möglich, diese Gardinen waren sehr fest und meine Katzen eingesperrt.
      Als ich Mittag von der Kirche wieder zu Hause war bekam ich ein Telefonat aus der Klinik das meine liebe Frau verstorben sei.Das ganze beschäftigt mich heut noch sehr, genau wie die Uhr die zum Todestag meines Schwiegervarters, auch von meiner Frau bemerkt, genau zum Sterbezeitpunkt auf einmal still stand.
      Für mich ist dies und anderes ein Beweis das es zwischen Himmel und Erde doch etwas gibt.

      Übrigens habe ich keinerlei Angst vor dem Tod, wobei ich schon oft ganz kurz davor stand, letzteres Herzinfarkt.

      Ja das ist nun mein (nur) kleiner Ausschnitt aus meinem Buch, geschrieben vom Leben.
      Auch Tiere brauchen Schutz und Betreuung, Tierschutz geht uns alle an!"
      :bear:
    • hallo BM27,

      vielen Dank für deine aufschlussreichen Zeilen. Soetwas lese sich sehr gerne. Es wundert dich? Ich höre auch regelmäßig Morgenandachten aufm WDR oder Deutschlandfunk und habe mir viele gespeichert. Ich bin ein Suchernder und Fragender. Ich habe im Leben auch schon viel erlebt und war mal ein sehr Gläubiger. Aber mit der Zeit wuchsen die Zweifel und ich erkannte neue Zusammenhänge. Für mich gibt es das Göttliche. Etwas, was dem Leben eigen ist. Es steht in der heiligen Schrift der Christen geschrieben, dass Gott der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und die Liebe. Viele lesen es als Eigenschaften, so als wäre Gott lieb und wahr und lebendig und wegweisend. Ich lese es anders. Der Weg, auf dem ich wandle, ist göttlich, das Leben, meins und jedes andere, ob Pflanze, Tier, Erde, Universum ist göttlich. Die Liebe, die alles miteinander verbindet, das Leben schafft und erhält, ist göttlich.

      Für manchen Christen ist das so nicht akzeptabel. Sie sehen in Gott eine Person. Ich nicht. Sie wollen, dass Gott väterlich ist und straft und verzeiht und gnädig ist, ich nicht. Sie möchten, dass Jesus mehr war als nur Mensch und vom Vater letztlich getötet wurde, damit Gott Vater dem Menschen verzeihen kann. Das glaube ich nicht.

      Ich glaube aber, dass mit dem Blick aufs Kreuz, eine Möglichkeit gegeben ist, an die mannigfaltigen Kraftquellen des Lebens zu kommen, um sich trösten zu lassen, sich ermutigen zu lassen, Hoffnung und Zuversicht zu leben. Und - das las ich in deinem Beitrag mit Freude - keine Angst vor dem Lebensende zu haben. Leider haben viele Gläubige trotz ihres Glaubens viel Angst. Mir scheint, dass ihnen ihr Glaube dann nicht viel nützt. Denn eben dafür sollte er gut sein: eben keine Angst mehr haben zu müssen.

      In diesem Sinn sind wir sicherlich nicht einer Ansicht und doch sehen wir einiges ähnlich.
      herzlich Heinz



    • Der Glaube an etwas wie ein Leben nach dem Tod sollte jedem selbst überlassen bleiben, religiöse Dogmen haben lange genug gezeigt was sie können, nämlich garnichts. Wem es Trost spendet, Hoffnung gibt, nur zu. Da ist nichts falsches dran, es liegt in unserer Natur...an etwas zu glauben. Selbst wenn es ein Nichts ist, kann der Gedanke daran sehr tröstlich sein. Manche meiner Klienten wünschen sich genau das - Einschlafen und nie wieder aufwachen. Das ist natürlich eine furchtbar traurige Sache, aber nach Betrachtung des Lebenslaufs nur zu gut verständlich. Persönlich vertrete ich die Ansicht, man solle sich stets im HIER & JETZT befinden, denn nur so kann man den Gedankenkreisel zum Stillstand bringen und die nötige Ruhe, in welcher ja bekanntlich die Kraft liegt, finden. Ich sympathisiere sehr mit dem Taoismus, Buddhismus (welcher in der tat keine religion, sondern eine technik ist), sowie gewissen Formen des Tantrismus, daher abschließend mein selbst gebasteltes Motto: KEIN MUKTI OHNE BHUKTI
      Kein Mukti ohne Bhukti