Grundrecht auf Gleichheit

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    • Grundrecht auf Gleichheit

      wer kennt es nicht das Gefühl, ungerecht, weil ungleich behandelt worden zu sein. Der eine kriegt was, was uns verwehrt blieb, obwohl es uns ebenso zustünde. Oder im Unrecht, die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen. Oder bei dem Bankenschirm. Wo bleibt der Bildungsschirm? Hierzu liest sich die Zusammenfassung des Buches von Taureck vielversprechend.

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      Bernhard H. F. Taureck: "Gleichheit für Fortgeschrittene. Jenseits von 'Gier' und 'Neid'", Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2010, 151 Seiten

      Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher. Was George Orwell einst als ewiges Paradox der Revolution formulierte, scheint alle Formen menschlicher Gemeinschaft zu prägen.


      Turbokapitalismus, Finanzkrise, globales Prekariat: Die reale Ungleichheit wächst. Hier beginnt auch das neue Buch des Braunschweiger Philosophen Bernhard H. F. Taureck, "Gleichheit für Fortgeschrittene". Der Titel passt gut - diese Reise von der Antike bis in die Gegenwart ist rasant, voraussetzungsreich und scharfsinnig.

      Zunächst beleuchtet Taureck zwei verschiedene Gleichheitskonzepte: Während Thomas Hobbes (1588-1679) von einer aktiven Gleichheit der Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen ausgeht, behauptet Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) eine natürliche, vorgesellschaftliche Gleichheit, die dem Betrug der Armen durch die Reichen zum Opfer fiel; deshalb ist es notwendig, Gleichheit gesellschaftlich wiederherzustellen. Hierin folgt Taureck Rousseau - und blickt, diesen anfänglichen Betrug nie aus den Augen verlierend, auf die Gegenwart. In einer Demokratie gilt die Gleichheit vor dem Gesetz. Diese eher theoretische als praktische Gleichheit nennt Taureck das demokratische "Täuschungsparadigma". Denn Würde hat beispielsweise oft nur, wer einen gültigen Pass besitzt.

      Im zweiten Teil des Buches macht sich Taureck daran, die derzeit populärsten liberal-antiegalitären Positionen zu widerlegen. Er zweifelt an der im 18. Jahrhundert von Adam Smith erdachten Idee von der "unsichtbaren Hand", die aus dem Eigennutz aller auf geradezu magische Weise Allgemeinwohl sprießen lässt.

      Taureck setzt der Forderung nach Belohnung von Begabung, Leistung und Exzellenz die Frage nach der Möglichkeit des Zugangs zu ebendiesen Werten entgegen. Auf das Verlangen nach einer Herrschaft der Besten, wie derzeit etwa von Norbert Bolz vertreten, entgegnet Taureck ebenfalls mit Fragen: Wer sind sie denn, diese Besten, und wer macht sie dazu?

      Doch Kritik ist nicht genug. Im dritten Teil seines Buches macht Taureck Vorschläge, wie die Gleichheit in unserer Gesellschaft gesteigert werden könnte. Dafür untersucht er drei Kategorien: Die "Gleichheit der Bemessung" lässt ihn die Besteuerung von Devisengeschäften und den Ausschluss verborgener Bewertungsskalen beim Zugang zu Bildung fordern. Die "Gleichheit des Inputs" verbindet er mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen und einem erweiterten Begriff der Chancengleichheit. Und mit dem Stichwort "Gleichheit des Outputs" schlägt er eine Ober- und Untergrenze des Einkommens vor, außerdem endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

      Bernhard Taureck schließt mit der Idee, Gleichheit nicht mehr aktiv, sondern passiv zu begründen: als Schutz und Anerkennung unserer gemeinsamen Schwäche und Verletzlichkeit. Ein kluges und wichtiges Buch, dessen Verdienst vor allem in der exakten, reflektierten Formulierung aktuellster Probleme liegt. Denn auch heute gilt: Wer Gleichheit will, muss zuerst verstehen, wo die Ungleichheit herkommt. Und wem sie nützt.

      Besprochen von Ariadne von Schirach

      Bernhard H. F. Taureck: Gleichheit für Fortgeschrittene. Jenseits von "Gier" und "Neid"
      Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2010
      151 Seiten, 19,90 Euro
    • jetzt schon

      das erleb ich jetzt schon bei vielen Eltern. Da wollen sie für sich selbst, ihre eigene Rente und für ihre Kinder sorgen, dass sie jetzt gut voran kommen und auch später eine Chance haben und sollen jetzt für alles und jedes zahlen.

      Und dann erleb ich es schon im Altenheim. Da ist der Bewohner, der von Anfang an ein Sozialfall war und dann die Bewohnerin, die erst zum Sozialfall wurde, als alles aufgebraucht war. Und dann sind da noch die Angehörigen, die zahlen sollen. Da fragt sich mancher, wozu und ob das so korrekt ist.

      Mairin