Rangfolge der Betreuer

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Rangfolge der Betreuer

      hallo Joker, hallo Betreuer-Vogtland,

      ich nehme hier Stellung zu der im offenen Bereich gestellten Frage nach der Rangfolge der BetreuerInnen oder Betreuungen.
      Vorab, ganz kostenfrei sind ehrenamtliche Betreuungen dem Landeshaushalt auch nicht. Schließlich besteht der Anspruch auf eine Pauschale. Aber ich vermute, dass sie weit weniger beantragt wird, als sie gewährt werden müsste, aber das ist bloß so ein Gefühl. Mag auch sein, dass ehrenamtlich gerichtlich geführte Betreuungen über den Schriftverkehr von Berichten recht schnell erfahren, dass zumindest eine Anerkennungsgebühr zusteht.

      Dass die Behördenbetreuer zuletzt genannt sind ergibt sich aus der Geschichte des Betreuungsrechts. So alt ist es ja noch nicht, gerade mal 20 Jahre. Zuvor gab es nur Amtsbetreuungen durch sog. Amtsvormünder und wer einen Vormund hatte, war entmündigt, also geschäftsunfähig. Das hat der Gesetzgeber geändert. Erwachsene unter Betreuung, so hieß es dann, sollen grundsätzlich geschäftsfähig sein und bleiben. Mit diesem Gesetz entstand dann erst der Berufsstand des Berufsbetreuers als selbständig und freiberuflich, obwohl die BetreuerInnen leider keine Freiberufler sind, sondern Gewerbetreibende, aber das ist ja noch eine andere Geschichte.

      Und diese selbständigen Berufsbetreuer sollten die Amtsbetreuer entlasten. Diese hatten vormals 'Fallzahlen' von 100 Betreuten/Mündel und mehr. Aber schon damals und erst Recht 2005 mit der erneuten Gesetzesänderung sollten die ehrenamtlichen Betreuungen gefördert werden, weil die Berufsbetreuer angeblich viel zu viel Geld verschlingen und von Natur aus wohl allesamt korrupt waren, indem sie mehr berechneten als ihnen tatsächlich zugestanden habe. Aber auch das ist wieder eine andere Geschichte.

      Für das Akquirieren von Ehrenamtler sollten und sollen sich die Betreuungsvereine kümmern. Und somit ergibt sich die Reihenfolge: als erstes sollen Betreuungen durch Angehörige, Verwandte und Freunde geführt werden, denn die können es genauso gut wie die Berufsbetreuer. Und sollte das mal nicht der Fall sein, dann möge der Berufsbetreuer die ultima ratio bilden. Und damit möglichst viele EhrenamtlerInnen Betreuungen übernehmen, darum mögen sich die Betreuungsvereine kümmern und sollten deren Kapazitäten erschöpft sein, dann können ja noch die Amtsbetreuer Betreuungen übernehmen.

      Der Treppenwitz ist, dass bei der Gesetzesänderung 2005 die Justizminister der Länder gerne den status quo vor 1990 geschaffen und gerne gesehen hätten, wenn sämtliche Betreuungen wieder durch die Kommunen geführt worden wären. Überlegt worden war auch, das Betreuungsrecht dem Jugendrecht anzugleichen. Aber darauf konnten sich die Politiker dann doch nicht einigen. Also erdachte sie die stundenweise Budgetierung, wodurch, man horche und staune, die Kosten noch mehr gestiegen sind. Soviel zur Effizienz politischen Handelns. Da waren die BerufsbetreuerInnen vor der Gesetzesänderung wesentlich effizienter. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte.

      Ich hoffe, ich konnte etwas Licht in eben diese bringen.

      Herzlich Heinz
    • Hallöchen,

      von wegen, erst einmal kommen die Amtsbetreuer, wenn nicht beamtet, so doch fest angestellt. Die müssen inter und zuverlässig sein, ansonsten gibts was in die Personalakte oder ins Zeugnis oder beides. Und dann kommen die Vereinsbetreuer wegen der Querschnittaufgaben und ihr Bemühen um die Ehrenamtlichen und dann kommen die Selbständigen. Hieß es nicht mal wer nichts wird wird Betreuer oder so? Mein ja man nur mal so. Da hat sich auch schon mal'n Metzger als Betreuer beworben oder ein Hausmeister, ist ja auch eine Form von Betreuung nur keine rechtliche. Das mit der ultima ratio gefällt mir. Notlösung könnte man es auch nennen. Jedenfalls erleb ich mich als Berufsbetreuer oft nicht an zweiter, sondern an letzter Stelle. Manchmal erleb ich es aber auch, dass Ehrenamtler noch schlechter behandelt werden, erst Recht wenn es Angehörige sind. Nicht?

      Gruß Kalle